STAND
AUTOR/IN

In Deutschland steigen die Zahlen der Corona-Neuinfektionen wieder deutlich an. Gibt es auch am Klinikum Ludwigshafen wieder mehr Covid-Patienten? Dort werden täglich 300 Tests durchgeführt. Wir haben mit dem Ärztlichen Direktor Prof. Günter Layer über die aktuelle Lage gesprochen.

Günter Layer (links) ist Ärztlicher Direktor des Klinikums Ludwigshafen (Foto: Klinikum Ludwigshafen)
Günter Layer (links) ist Ärztlicher Direktor des Klinikums Ludwigshafen Klinikum Ludwigshafen

Herr Prof. Layer, das Robert-Koch-Institut (RKI) hat am Dienstag öffentlich Alarm geschlagen: Die Corona-Zahlen in Deutschland steigen wieder. Wie sieht es denn in Ludwigshafen aus? Stellen Sie auch fest, dass die Corona-Fälle am Klinikum zunehmen?

Prof. Günter Layer:  Nein, eigentlich nicht. Wir haben zwar momentan wieder zwei Covid-Erkrankte auf der Intensivstation im Klinikum , aber das ist nicht so viel, dass ich sagen würde, das ist ein klares Signal. Statistisch gesehen ist das nicht signifikant. Bei unserem letzten Interview hatten wir null Fälle auf der Intensivstation. Aber zwei Covid-Fälle würde ich noch nicht als alarmierend für Ludwigshafen betrachten!

Können Sie denn etwas über die Patienten sagen?

Die beiden Patienten, ein Mann und eine Frau, sind knapp über 60 und knapp über 70 Jahre alt, beide sind vorerkrankt. Für die Intensivstation also ein recht typisches Bild.

Mit zwei Covid-Patienten ist die Lage also entspannt. Glauben Sie, das ändert sich, wenn die Leute spätestens im September wieder aus dem Urlaub kommen und auch die Schule wieder startet?

Im Moment beobachten wir in Deutschland einen eindeutigen Fallanstieg. Aber die Covid-Fälle nehmen punktuell zu. Und ob es zu einem flächenhaften Anstieg kommt, bleibt spekulativ. Die Wahrscheinlichkeit steigt aber, dass wir, wenn wir immer mehr lokale Ausbrüche haben, auch einen Ausbruch in der Fläche bekommen. Das ist ganz klar. Und dass die Reisen und der Schulbeginn das fördern,  ist auch klar.

Städtisches Klinikum Ludwigshafen (Foto: SWR)
Das städtische Klinikum Ludwigshafen

 Das RKI sagt, wir seien "mitten in einer sich rasant entwickelnden Pandemie", die Abstands-und Hygieneregeln werden noch viele Monate gelten. Was heißt das für Ihren Klinikbetrieb? Erschwert das die Arbeit zusätzlich?

Nein! Wir achten ja seit Monaten auf die Hygieneregeln. Wir haben uns sehr strenge Spielregeln am Klinikum Ludwigshafen gegeben und es herrschte immer Einigkeit, dass wir sie nicht aufheben. Uns war klar, dass dieses Corona-Risiko weiterbesteht, solange wir keine effektive Therapie oder Impfung haben. Für uns wird sich deshalb nichts ändern! Allerdings wird sich auch nichts zum Positiven ändern. Ich erwarte, dass wir alle Vorsichtsmaßnahmen beibehalten müssen und dass wir weiterhin restriktiv sein müssen, was die Besucherzahl und die Vorsichtsmaßnahmen bei Patienten und Mitarbeitern angeht. Das ist schon eine psychische Belastung für alle.

Und was sagen Sie als Privatmensch, dass die Abstands-und Hygieneregeln noch Monate beibehalten werden?

Es nervt! Im Krankenhaus ist es Standard und weniger schlimm als im täglichen Leben.  Im professionellen Umgang kann man sich viel besser disziplinieren. Wenn ich mich privat mit Freunden und Familie treffen will, dann sind die Regeln viel schwerer durchzuhalten, als wenn ich hier im Krankenhaus bin und meinen Arbeitsrhythmus lebe.

In der Ludwigshafener Infektionsambulanz im Gebäude neben dem Klinikum, umgangssprachlich auch Fieberambulanz genannt, können sich Bürger auf Corona testen lassen. Wer kommt denn derzeit dorthin? Gibt es auch vermehrt Anfragen von Reiserückkehrern?

Die Infektionsambulanz war immer stark frequentiert. Das ist sie auch jetzt, aber das Spektrum hat sich ein bisschen verändert. Wir testen ja nach wie vor alle unsere stationären Patienten. Das ist am Anfang im März nicht der Fall gewesen.  Und in der Tat kommen auch mehr Reiserückkehrer, um sich testen zu lassen und Kontaktpersonen übers Gesundheitsamt, weil wir die einzige Infektionsambulanz hier in der Region sind. Wir machen etwa 300 Tests am Tag.

Wie funktionieren die Tests?

Wir machen die Tests hier im Gebäude vor Ort. Wir haben aber auch einen mobilen Dienst, der Abstriche in der Klinik sowie in Alten-und Pflegeheimen in der Region macht oder an anderer Stelle, wenn uns das Gesundheitsamt beauftragt.  Die Infektionsambulanz in Ludwigshafen ist inzwischen eine hochfrequentierte Einrichtung.

Ein Arzt nimmt in einer Hausarztpraxis mit einem Tupfer einen Abstrich bei einer Frau für einen Corona-Test. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa)
picture alliance/dpa

 Kann man denn sagen, wie viele von den Corona-Tests dann positiv sind?

Das wird natürlich ausgewertet, der Anteil der positiv Getesteten ist in den vergangenen Wochen deutlich geringer geworden. Am Anfang waren es bis zu vier Prozent, die positiv getestet wurden, jetzt ist es unter ein Prozent.

 Weniger als ein Prozent positiv Getestete? Das sind ja gute Nachrichten.

Jein. Wenn Sie sich vorstellen, dass wir in den Herbst hineingehen, dann werden die unspezifischen Infektionskrankheiten zunehmen, dann werden wir noch mehr Corona-Abstriche machen, weil immer mehr Leute mit Symptomen kommen, von denen wir nicht wissen, ist das jetzt Corona oder ein banaler Infekt? Die Kosten für die Tests werden enorm sein!

 Wie wappnet sich das Klinikum Ludwigshafen denn dafür?

Wir müssen uns da nicht wappnen! Das ist eher eine Frage an den Kostenträger, und wie er damit umgehen will. Diese Diskussion führt ja momentan Bundesgesundheitsmister Spahn: Sollen die Tests für Reiserückkehrer kostenlos sein oder sollen die sie selber bezahlen? Diese Diskussion erwarte ich auch in anderen Bereichen. Wenn im Herbst die Infektionserkrankungen zunehmen, die Schulen dazukommen und die Kinder mit ihren grippalen Infekten, dann wird das eine Frage der Kosten werden. Wir könnten von der Kapazität her 1.000 Corona-Tests pro Tag machen. Das wäre zu leisten. Aber ich mache mir Sorge um die Kosten, die da entstehen.

"Wenn ich in die Republik schaue, mache ich mir eher um die Wirtschaft Sorgen, als dass wir das in der klinischen Versorgung nicht im Griff behalten."

Günter Layer, Ärztlicher Direktor im Klinikum Ludwigshafen

 Graut es Ihnen denn da als Ärztlicher Direktor des Klinikums vor dem Herbst?

Grauen ist übertrieben, aber ich rechne mit deutlich mehr Fällen. Und wir müssen die Gefahr im Blick haben, dass es nicht nur die Hotspots sein werden, sondern, dass es wieder mehr Covid-Fälle in der Fläche gibt. Also, Grauen ist das falsche Wort, aber gewisse Bedenken für den Herbst sind durchaus vorhanden.

Klinikum Ludwigshafen (Foto: Klinikum Ludwigshafen)
Appell der Klinikmitarbeiter in Ludwigshafen im März: Die Leute sollen zu Hause bleiben! Klinikum Ludwigshafen

 Haben Sie eigentlich abends noch Lust, sich Nachrichten über Corona anzuhören?

Ja, das gehört zu meinem Standardprogramm, abends noch Nachrichtensendungen zu schauen. Ich bin jetzt noch nicht völlig abgenervt über die Corona-Berichte, aber ich finde es bedenklich, dass unser Leben sich allmählich so auf dieses Thema fokussiert und auch reduziert. Es geht mir nicht anders, wie jedem anderen Bürger auch: Man schwankt immer zwischen gewisser Unsicherheit, Genervtheit und Disziplin, die man sich selber auferlegt, weil man weiß, es geht nicht anders. Da müssen wir alle durch. Im Moment habe ich mehr Sorge, dass uns der finanzielle Atem ausgeht, als das uns gesundheitliche Probleme überrennen. Wenn ich in die Republik schaue, mache ich mir eher um die Wirtschaft Sorgen, als dass wir das in der klinischen Versorgung nicht im Griff behalten.  Ich habe den Eindruck, dass wir in den Krankenhäusern die Lage ziemlich gut im Griff haben und auch behalten werden. Aber das fordert seinen Preis im restlichen Leben. Das wird richtig teuer. Deswegen muss es irgendwann auch ein Ende geben.

STAND
AUTOR/IN