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Sollte der Lockdown verlängert werden? Ja, sagt Professor Günter Layer, der Ärztliche Direktor des Klinikums Ludwigshafen. Denn die Corona-Zahlen seien immer noch hoch.

SWR Aktuell: Was raten Sie der Politik? Sollte der Lockdown aus Ihrer Sicht verlängert werden?

Professor Günter Layer: Ja. Ich denke, wir werden nicht drumherum kommen, den Lockdown zu verlängern, weil die Wirkung noch nicht so ist, wie sie sein müsste, um das jetzt beenden zu können.

SWR Aktuell: Geplant ist offenbar, die Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie bis Ende des Monats zu verlängern. Ist das aus Ihrer Sicht lang genug?

Layer: Das können wir im Moment nicht zuverlässig einschätzen, weil die Zahlen, die wir über Weihnachten und Neujahr von unseren Meldestellen des RKI bekommen haben, erfahrungsgemäß nicht sehr zuverlässig sind. Wir haben da als verlässlichere Zahl die Situation, wie wir sie jetzt im Krankenhaus haben. Und da sind wir stabil – aber auf einem sehr hohen Niveau. Das wird mit Sicherheit noch 14 Tage bis drei Wochen so anhalten. Ob es noch länger geht, kann ich derzeit nicht absehen.

SWR Aktuell: Welche Einschränkungen sind denn Ihrer Einschätzung nach die sinnvollsten und wirkungsvollsten?

Layer: Ich glaube, wir müssen alle unsere Begegnungen extrem einschränken. Natürlich wird jetzt viel darüber diskutiert, ob die Schule dafür der richtige Ort ist. Das kann ich ihnen auch nicht beantworten. Aber ich glaube, das Allerwichtigste ist, dass wir unsere sozialen Begegnungen, soweit wir es können, reduzieren, was wir im Übrigen im Frühjahr viel konsequenter getan haben, als jetzt im Winter.

SWR Aktuell: Woran könnte das liegen, dass wir im Winter die sozialen Kontakte nicht so konsequent einschränken?

Layer: So zynisch es klingt: Ich glaube, viele haben sich mittlerweile an die Corona-Situation gewöhnt. Man hat sich an diese schrecklichen Zahlen gewöhnt, weil man als Nicht-Betroffener die Einzelschicksale ja auch nicht sieht. Das ist der eine Effekt. Der andere Effekt ist die lange Zeitdauer. Das ist mit einer Disziplin verbunden, die auch sehr schwer von der Bevölkerung zu erbringen ist. Und der dritte Punkt ist sicherlich, dass es im Sommer, im Hellen und Warmen leichter ist, ein adäquates Leben zu führen, als jetzt im Winter mit den kurzen Tagen, der Dunkelheit, der Kälte und der Nässe.

Interview mit Prof. Günter Layer Klinikum Ludwigshafen: "Auf der Intensivstation sind wir fast am Anschlag"

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SWR Aktuell: Wo haben sich die Corona-Patienten im Klinikum Ludwigshafen die Erkrankung geholt? Haben Sie da einen Überblick?

Layer: Das versuchen wir natürlich. Jeder einzelne Fall wird nachverfolgt und man stellt dann Thesen auf. Aber das ist nicht unsere Aufgabe, sondern die des Gesundheitsamtes. Wir melden diese Fälle und versuchen, zu verfolgen, wodurch diese Ansteckungen bedingt sind. Aber es ist natürlich so, dass es immer ein multifaktorielles Geschehen ist und es ist sehr schwer, zu beweisen, was letztendlich die Ursache einer Covid-Infektion war.

Arzt berät sich mit Mitarbeitern im Klinikum Ludwigshafen (Foto: SWR)
Prof. Layer berät sich mit Mitarbeitern im Klinikum Ludwigshafen

SWR Aktuell: Wie angespannt ist die Situation aktuell auf den Intensivstationen bei Ihnen am Klinikum Ludwigshafen?

Layer: Auf den Intensivstationen ist die Situation nach wie vor angespannt, nicht nur bei uns, die Intensivstationen in der gesamten Region sind voll belegt. Sie dürfen nicht vergessen. Jedes Bett, das nicht durch Corona gebraucht wird, wird durch andere Intensivpatienten gebraucht. Wir haben hier in der Pfalz in den vergangenen Wochen eine besondere Dichte von Covid-Fällen gehabt und sind sehr dankbar, dass uns die Regionen in Mainz und Trier auch Patienten abgenommen haben. Wenn die Zusammenarbeit zwischen den großen Kliniken nicht so gut funktionieren würde, dann wäre das an manchen Tagen schon gar nicht mehr verkraftbar gewesen. Derzeit sind wir auf einem sehr hohen Niveau stabil. Es werden alle Intensivplätze gebraucht, die wir betreiben können.

Städtisches Klinikum Ludwigshafen (Foto: SWR)

SWR Aktuell: Viel Kritik muss gerade Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für seine Impfstrategie einstecken: Zu wenig Impfstoff, zu langsame Impfungen. Außerdem sei zu wenig Impfstoff bestellt worden. Was sagen Sie dazu?

Layer: Ich glaube, dass die Kritik so generell nicht gerechtfertigt ist. Sie müssen überlegen, dass die Bundesregierung diese Planungen vor Monaten begonnen hat, als noch gar nicht absehbar war, welcher Impfstoff überhaupt Erfolg haben würde und wann eine Zulassung erfolgen kann. Insofern glaube ich, dass man ihm da nicht Unmögliches abverlangen sollte. Die Sicht nach hinten ist immer die einfachere, als die nach vorne. Und ich glaube, dass im Großen und Ganzen da keine großen Fehler gemacht wurden.

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Es mag sein, dass vielleicht insgesamt zu wenig Impfstoff geordert wurde, das kann ich nicht im Detail beurteilen, weil ich nicht weiß, was bei den anderen Firmen geordert worden ist. Aber dass wir jetzt in allererster Linie nicht alle impfen können, das ist ja vollkommen klar. Zumal es sich um einen komplexen Impfstoff handelt, der extrem gekühlt werden muss beim Transport, der besonders behandelt werden muss und der deshalb für den Einsatz in Arztpraxen gar nicht geeignet ist. Insofern werden wir noch ein bisschen Geduld haben müssen, bis zum breiten Einsatz in den Arztpraxen und bis Impfstoffe auf den Markt kommen, die man leichter impfen kann.

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