STAND
AUTOR/IN

Im Klinikum Ludwigshafen werden aktuell 18 Corona-Patienten behandelt. Der Ärztliche Direktor Günter Layer berichtet vom Alltag auf der Corona-Station und warum Patienten aus dem Elsass Mitarbeiter schockierten.

Der Ärztliche Direktor des Klinikums Ludwigshafen Prof. Günter Layer (Foto: Klinikum Ludwigshafen)
Der Ärztliche Direktor des Klinikums Ludwigshafen Prof. Günter Layer Klinikum Ludwigshafen

Herr Prof. Layer, wie ist denn aktuell die Situation mit den Corona-Patienten im Klinikum Ludwigshafen?

Prof. Günter Layer: Wir haben aktuell 18 Infizierte im Haus (Stand: 02. April, Anm. der Red.), davon liegen sechs Patienten auf der Intensivstation, fünf werden beatmet. Außerdem haben wir noch eine gewisse Anzahl von Verdachtsfällen, das ändert sich aber stündlich. Die Zahl der Infektionen steigt allmählich, aber sie steigt relativ langsam, wie überall, wo man die Lage im Griff hat, wo keine ungewöhnlichen Dinge passieren, wie in Wolfsburg, wo ein ganzes Seniorenheim verseucht wurde. In Ludwigshafen verzeichnen wir einen langsamen, stetigen Anstieg der Corona-Fälle.

Wie geht es den Corona-Patienten?

Das ist sehr unterschiedlich. Wir haben bereits welche entlassen, das gibt es auch. Es handelte sich um Patienten mit relativ milden Symptomen, die nach Hause in die Heim-Quarantäne gehen konnten. Und wir haben einen Patienten, bei dem wir leider davon ausgehen müssen, dass er das nicht überleben wird.

Welche Infizierten müssen denn auf die Intensivstation?

Auf der Intensivstation sind vor allem vorerkrankte oder ältere Corona-Infizierte. Allerdings wäre es auch dumm zu sagen, ich bin 20 und mir kann das Virus nichts anhaben. So ist es nicht! Natürlich ist es aber statistisch so, dass die schweren Corona-Erkrankungen vor allem Vorerkrankte und ältere Menschen betreffen.

Das Klinikum in Ludwigshafen (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Ronald Wittek/dpa)
Das Klinikum Ludwigshafen picture alliance/Ronald Wittek/dpa

Wie ist denn das Klinikum Ludwigshafen für die Corona-Pandemie gerüstet?

Wir haben uns in den vergangenen sechs Wochen intensiv auf einen großen Ansturm vorbereitet. Das heißt, dass viele Operationen, die nicht lebensnotwendig waren, zurückgestellt worden sind. Dadurch sind viele Betten im Haus jetzt frei. Es ist ruhig in der Klinik, wir haben nur maximal 60 Prozent des Hauses mit Patienten belegt. Das nutzen wir auch für eine saubere Trennung zwischen Infizierten, Verdachtsfällen und solchen Patienten, die keine Infektionen haben. Wir haben auch unsere Dienstmodelle umgestellt: Derzeit arbeiten wir mit einem System, in dem immer eine gesunde Mannschaft zu Hause ist, während die Mannschaft hier im Haus sieben Tage je zwölf Stunden arbeitet.

Handelt es sich bei den Infizierten im Klinikum nur um ältere Menschen oder gibt es auch junge Erkrankte?

Wir haben eigentlich die gesamte Altersspanne. Wir haben eine Patientin um die 20, und wir haben natürlich auch Patienten von über 80 Jahren.  Der Schwerpunkt liegt bei uns zwischen 60 und 80 Jahren. So alt sind die meisten der Erkrankten in Deutschland. Unter den Corona-Patienten sind wenige wirklich Junge, die so symptomatisch sind, dass sie ins Krankenhaus kommen, aber viele Alte. Das Risiko ist höher, dass Menschen mit Vorerkrankungen und ältere Menschen Covid-19 bekommen. Das heißt aber nicht, dass es nicht auch einzelne  junge Menschen treffen könnte oder dass jeder Alte daran versterben wird.

Wo werden denn die Corona-Patienten behandelt?

Wir haben eine Intensivstation und eine sogenannte Normalstation für Corona-Patienten reserviert und wir haben eine Station nur für die Verdachtsfälle, die noch unabgeklärt sind. Wir haben ja außerdem seit vier Wochen eine Infektionsambulanz am Klinikum Ludwigshafen, in der wir Patienten, die Erkältungssymptome haben oder Kontakt zu Infizierten hatten, untersuchen. Diejenigen, die so schwer krank sind, dass wir sie nicht nach Hause gehen lassen können, die kommen auf die Verdachtsstation, bis wir die Ergebnisse haben. Das geht bei uns schnell, weil es durch unser eigenes Labor bearbeitet wird und die Ergebnisse noch am gleichen Tag verfügbar sind. So sind wir sehr gut in der Lage bisher, das alles zu managen.

Wie werden die Infizierten medizinisch behandelt und therapiert?

Wir können nicht sehr viel für die Corona-Symptomatik tun. Das sind sehr häufig Patienten, die auch noch andere Erkrankungen haben. Wir haben auch Corona-Patienten gesehen, die mit Durchfallerkrankungen symptomatisch bei uns sind. Wenn jemand einen Superinfekt hat – wenn er neben der viralen Entzündung auch bakterielle Entzündungszeichen dabei hat – können Sie Antibiotika geben. Und wenn ein Corona-Patient nicht beatmet wird, kann man ihm zusätzlich trotzdem Sauerstoff geben, um die Atemtätigkeit zu unterstützen. Sie müssen sich aber auch um die anderen Organe kümmern, damit die intakt bleiben.

Welche Patienten kommen auf die Station für die reinen  Verdachtsfälle?

Das sind oft vorerkrankte Patienten mit Herzerkrankungen oder Lungenerkrankungen. Wir wollen sie nicht nach Hause schicken, weil wir Sorge wegen ihres Gesundheitszustandes und ihrer Stabilität haben. Das sind jetzt keine dramatisch schweren Fälle, aber eben Patienten, die noch andere Erkrankungen haben, die man deshalb nicht einfach nach Hause gehen lassen kann. Die Fälle werden abgeklärt, und wenn die Corona-Testergebnisse negativ sind, dann kommen die Patienten auf andere Stationen im Haus, dort, wo sie auch fachlich hingehören. Da die Patienten zusätzlich noch Fiebersymptome zeigen oder einen starken Husten haben, bleiben sie erstmal auf dieser Verdachtsstation. Und zwar bis wir uns sicher sein können, dass sie nicht mit Corona infiziert sind und die Viren zu den anderen Patienten ‚schleppen‘.

Klinikum Ludwigshafen (Foto: Klinikum Ludwigshafen)
Appell der Klinikmitarbeiter in Ludwigshafen im März: Die Leute sollen zu Hause bleiben! Klinikum Ludwigshafen

Wie geht es denn Ihren Klinikmitarbeitern in dieser Situation?

Für die Mitarbeiter der Intensivstation beispielsweise ist die Situation nichts Außergewöhnliches, sie sind Vieles gewohnt. Sie haben auch in Nicht-Corona-Zeiten eine harte psychische und physische Belastung. Die ersten beiden Patienten, die wir auf der Intensivstation übernommen haben, kamen aus Straßburg. Dieser erste Kontakt hat manche Mitarbeiter aber sehr schockiert. Zum einen, weil wir zum ersten Mal gesehen haben, wie schwer krank solche Patienten zu uns gekommen sind. Und zum anderen haben die Berichte der französischen Pflegekräfte, die den Krankentransport begleitet haben, einen starken Eindruck hinterlassen: Sie haben uns berichtet, welche Menge von Todesfällen sie haben und welche Menge an Intensivbehandlungen. Außerdem, dass sie die Patienten nicht mehr versorgen können und sie auf dem Gang behandeln müssen und dass sie viele Stunden im Dauereinsatz waren.  Und dass sie dankbar sind, dass sie jetzt die Patienten verlegen können. Sie haben müde gewirkt und ausgebrannt. Das war das Schockierendste daran. Und die beiden Patienten waren in einer sehr ernsten Lage, kamen in Bauchlage und wurden hochdosiert beatmet. Das waren Bilder, die wir bisher nicht kannten. Es war vorher schon klar, dass die Situation ernst ist. Aber wenn man es sieht, dann wird einem das nochmal anders vor Augen geführt, als wenn man das nur in den Nachrichten hört.

Wie geht es den beiden Patienten denn inzwischen?

Die beiden Patienten aus dem Elsass sind immer noch auf unserer Intensivstation. Einem von beiden geht es relativ schlecht, der andere ist stabil.

Wie gut ist Deutschland für die kommenden Wochen vorbereitet?

Wir sind sicherlich sehr viel besser vorbereitet, als die Kollegen in Italien oder dem Elsass, weil wir viel mehr testen. Aber wir müssen davon ausgehen, dass wir in den kommenden Wochen volle Intensivstationen bekommen. Ich hoffe sehr, dass unsere Kapazitäten ausreichen. Da sind wir besser aufgestellt, als andere europäische Länder. Ob wir ausreichend aufgestellt sind, weiß niemand. Das hängt davon ab, wie schnell der Anstieg der Erkrankungen geschehen wird. Wie viele Patienten gleichzeitig eingeliefert werden, wird darüber entscheiden, ob unsere Kapazitäten ausreichen.

Ist denn der Höhepunkt der Erkrankungen, der sogenannte Peak, schon erreicht?

Nein, noch nicht. Wir werden das Maximum der Erkrankungen in zwei bis vier Wochen erreichen schätze ich. Der Peak kommt erst noch, vermutlich um die Osterzeit herum. Noch ist der Höhepunkt nicht erreicht.

STAND
AUTOR/IN