Impfbus in Speyer (Foto: SWR)

Reportage vom Impfbus

Impfen in Speyer ohne "den Bürokratie-Scheiß"

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Mehrere Impfbusse ziehen in der zweiten Woche durch Rheinland-Pfalz. Einer ist am Dienstagvormittag auch in Speyer gewesen. Besucher sagen, das sei besser als das Impfzentrum. Die Frage ist: Warum?

Wieder gab es eine unkonventionelle Impfaktion in Speyer, die gerne angenommen wurden. Etwa 50 bis 60 Menschen ließen sich auf einem Edeka-Parkplatz in Speyer Impfen - ohne Anmeldung - ohne Termin im Impfbus.

Impfbus in Speyer (Foto: SWR)
Impfbus in Speyer

Sie stellten sich brav in die Schlange - teils fast eine Stunde lang. Mit einem Termin im Impfzentrum wären sie unter Umständen sehr viel schneller gewesen. Dennoch nahmen sie das Stehen in der Sonne - oder Sitzen auf Plastik-Kisten - in Kauf. Die Begründungen gehen alle in eine Richtung:

Kein Warten auf Impftermin

Einige der Wartenden sagten, sie hätten sich vorher beim Impfzentrum, beim Hausarzt oder bei einer Impfaktion in der Firma bemüht, einen Termin zu bekommen. Dann hätten sie von dieser Impfaktion mit dem Bus gehört, ihre Anmeldungen sausen lassen und lieber das Warten vor Ort in Kauf genommen.

Ein Speyerer sagte, man habe im Impfzentrum in Speyer von ihm eine Bescheinigung aus Mainz verlangt. Das habe er gar nicht verstanden, warum jemand aus Speyer eine Bescheinigung von außerhalb braucht. Er habe sich eigentlich gar nicht impfen lassen wollen, aber sich dann doch spontan dazu entschlossen, als er von der Aktion hörte.

Ein weiterer ergänzt, er habe die Schnauze voll gehabt vom Warten. Er habe wochenlang vergeblich versucht einen Impftermin zu bekommen. Erst beim Hausarzt, dann beim Impfzentrum. Wenn nicht der Impfbus gewesen wäre, hätte er wahrscheinlich sich gar nicht mehr impfen lassen.

"Ich hatte schließlich keine Lust mehr auf die ganze Scheißbürokratie!"

Ein weiterer der Wartenden hatte mit einer Vorerkrankung zunächst empfohlen bekommen, auf eine Impfung zu verzichten. Dann hatte sein Arzt ihm aber doch das Okay gegeben und er habe den erstbesten Termin wahrgenommen - eben den am Impfbus.

Nur eine einzige Impfdosis

Das Hauptargument, was man in der Schlange des Impfbusses zu hören bekommt: Man muss sich nur einmal impfen lassen. Eine Frau hatte sich intensiv bemüht, Johnson und Johnson geimpft zu bekommen, um eine zweite Spritze zu vermeiden. Weder der Hausarzt noch das Impfzentrum hatten Ihr da Angebote machen können, sagt sie.

Eine weitere Frau sagte, es wäre für sie unmöglich gewesen, festgelegte Termine anzunehmen. Sie sei in der Erwachsenenbildung und habe nicht ihre Schützlinge hängen lassen wollen. Für den Impfbus hatte sie Zeit und es ist auch nur ein einziger Termin.

Simple aber effiziente Infrastruktur

Vor dem Bus ist ein Zeltdach mit Tisch. Dort registrieren sich die Impf-Willigen. Der Impfbus ist ein umgebauter Reisebus mit mehreren Kabinen. In der ersten wird der Gesundheitszustand abgefragt sowie mögliche Unverträglichkeiten mit bestimmten Medikamenten. Alle Fragen werden beantwortet.
Dann geht es direkt zur Impfung. Alle Patienten, die fertig sind, müssen dann vor dem Bus noch eine Viertelstunde warten.

Am Tag können in einem Impfbus rund 100 Impfungen vorgenommen werden. Am Mittwoch steht der Impfbus in Bobenheim-Roxheim, in Maikammer und Kirrweiler. Am Freitag in Deidesheim, Grünstadt und Wörth.

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SWR