Idee zweier Freunde

Pfälzer bekämpfen Modergeruch im Ahrtal mit Bakterien

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Im Ahrtal sind die meisten Häuser nach dem Hochwasser vom Schlamm befreit aber riechen noch modrig. Der Grund: Schimmelpilze oder Bakterien in den Wänden. Zwei Pfälzer wollen Abhilfe schaffen.

Ralf Abrolat aus Großfischlingen (Kreis Südliche Weinstraße) ist eigentlich Arzt und sein Freund Thomas Schäffer aus Neustadt Kaufmann. Beide kennen sich aber mit "effektiven Mikroorganismen (EM)" aus. Dies sind nützliche Bakterien, die schon seit vielen Jahren vielfältig eingesetzt werden: Zum Kompostieren, zur Schimmel-Bekämpfung, selbst als natürliches Desinfektionsmittel in Krankenhäusern werden die winzigen natürlichen Helfer eingesetzt.

Mit Spendengeld Mikroorganismen gekauft

Bei einer Tasse Kaffee sei ihnen die Idee gekommen. Die Mikroorganismen könnten den Hochwasseropfer im Ahrtal helfen, erzählt Thomas Schäffer. Innerhalb eines Wochenendes sammelten die Pfälzer bei Freunden und in der Familie 4.000 Euro und kauften damit über rund 8.000 Liter EM. Der Neustadter Unternehmer Thomas Striegel hat eine Abfüllvorrichtung gebaut und mit der sind die beiden Mayschoß an die Ahr gefahren.

Die Skepsis der Menschen vor Ort war, wie erwartet groß, erzählen die beiden weiter. Wer bringe schon freiwillig Bakterien auf seinen Möbeln und an seinen Wänden aus, wenn er darüber nichts wisse, lacht Thomas Schäffer. Doch die Überzeugungsarbeit sei dem Neustadter leichtgefallen. Er putze selbst seit Jahren zuhause auf natürliche Weise mit Mikroorganismen.

bakterien im Einsat (Foto: Privatfoto)
Ralf Abrolat, Thomas Schäffer und Thomas Striegel (v.r.n.l.) Privatfoto

Einsatz von Mikroorganismen auch im Weinberg

Auch für die Winzer sei EM ein Segen, sagt Ralf Abrolat. Durch das Hochwasser habe sich über die Weinberge ein regelrechter Ölfilm gelegt. Die Trauben müssen demnächst geerntet werden. Wenn sie diese Trauben mit EM besprühen, retten die Winzer auf natürliche Weise ihre Trauben und säubern zugleich den verseuchten Boden. Daher habe man der Winzergenossenschaft in Mayschoß 1.000 Liter EM überlassen.

"Die Winzer werden sicher auch noch im kommenden Jahr ihre Böden mit EM behandeln müssen, bis da alles wieder ins Gleichgewicht kommt!"

Das Prinzip von EM ist denkbar einfach. Nützliche Bakterien machen sich über schädliche her, verdrängen auch Schimmelpilze und so hat Fäulnis und Schimmel keine Chance. Die Mikroorganismen sind günstig in der Herstellung und völlig ungefährlich.

bakterien im Einsat (Foto: Privatfoto)
Winzerehepaar zeigt Interesse an Bakterieneinsatz Privatfoto

"Wir haben den Menschen in Mayschoß ein Youtube Video per Internet zur Verfügung gestellt, in dem ein Hersteller von EM ein Glas von der Bakterienlösung trinkt. Dann haben sie uns geglaubt, dass die Bakterien ihnen nur helfen, aber nicht schaden werden."

Die beiden wollen mit ihrer Hilfsaktion an der Ahr weitermachen. Schon am kommenden Wochenende ist Thomas Schäffer wieder vor Ort und verteilt die kleinsten aller Hochwasserhelfer.

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