Die Zahl der Schockanrufe oder Enkeltrick-Anrufe hat in der Region Trier 2021 zugenommen. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Karl-Josef Hildenbrand)

Erste Hotline in Rheinland-Pfalz

Polizei schaltet Hotline wegen Schockanrufen in der Pfalz

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Martin Gärtner

Immer mehr Menschen in der Pfalz werden Opfer von Betrügern am Telefon. Das Polizeipräsidium Rheinpfalz hat deshalb jetzt eine permanente Hotline geschaltet, um über die Tricks der Betrüger aufzuklären.

Die Zahlen, die das Polizeipräsidium Rheinpfalz am Freitag präsentierte, sind erschreckend: 2021 erstatteten 35 Menschen aus der Vorder- und der Südpfalz Anzeige, weil sie Opfer von falschen Polizeibeamten, Staatsanwälten oder Enkeln geworden waren. "Die Betrüger sind immer erfolgreicher", klagt Michael Lerch, der Leiter der Prävention beim Polizeipräsidium Rheinpfalz in Ludwigshafen.

Polizeipräsidium Rheinpfalz will mit Hotline Senioren besser vor Schockanrufen schützen (Foto: SWR)
Weil immer mehr ältere Menschen am Telefon betrogen werden, richtet das Polizeipräsidium Rheinpfalz eine besondere Hotline ein.

Pfalz: Zahl der Opfer von Betrug am Telefon steigt

Der Schaden betrug 2021 insgesamt fast 500.000 Euro. Im ersten Halbjahr 2022 wurden die Zahlen des Vorjahres bereits überschritten, berichtete die zuständige Sachbearbeiterin auf einer Pressekonferenz des Polizeipräsidiums Rheinpfalz. Es gibt schon jetzt mehr Anzeigen und eine höhere Schadenssumme. Und die Dunkelziffer ist hoch: Viele Senioren schämen sich, betrogen worden zu sein und erstatten deshalb keine Anzeige.

So fies sind die Tricks der Betrüger

Über die perfiden Tricks der Betrüger berichtete ein 68-Jähriger aus dem Landkreis Bad Dürkheim. Mitte Juni hatte seine Frau den Anruf eines vermeintlichen Staatsanwalts bekommen. Die Tochter des Paares habe einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht und sitze jetzt in Haft, berichtete der Anrufer. Der Mann erzählt: "Meine Frau hat total gezittert. Ich habe gedacht, es sei jemand aus der Familie gestorben."

Der vermeintliche Staatsanwalt lotste den 68-Jährigen per Telefon zu einer Bank, wo er 28.000 Euro abheben musste. Dann dirigierte er das Opfer nach Mannheim, wo er bei der Staatsanwaltschaft das Geld abgeben sollte, damit die Tochter auf Kaution das Gefängnis verlassen darf. Plötzlich schaltete sich ein Oberstaatsanwalt ein.

Geldübergabe in Mannheim: 28.000 Euro aus dem Autofenster

"Der Mann hatte eine angenehme, klare und beruhigende Stimme. Er wirkte sehr überzeugend", berichtete der 68-Jährige. Er dürfe das Gebäude der Staatsanwaltschaft nicht betreten, weil er keinen gültigen Corona-Test habe, sagte der vermeintliche Oberstaatsanwalt. Deshalb werde man eine taubstumme Mitarbeiterin hinab auf die Straße schicken, um das Geld zu holen. Durch das Autofenster übergab der Mann dann einer Frau, deren Gesicht mit einem Tuch verschleiert war, die Tüte mit den 28.000 Euro.

"Seit der Tat habe ich schlaflose Nächte. Ich mache mir ständig Vorwürfe, dass ich auf den Trick reingefallen bin."

Als er Zuhause war, erfuhr der 68-Jährige von seiner Frau, dass er Opfer eines Betrugs geworden ist. Denn inzwischen hatte die Tochter angerufen und mitgeteilt, es gehe ihr gut, sie habe keinen Unfall gehabt und sitze nicht in Haft.

2021 entstand in der Vorder- und Südpfalz ein Schaden von rund 500.000 Euro, weil ältere Menschen auf Schockanrufen hereingefallen sind (Foto: SWR)
Allein 2021 entstand in der Vorder- und Südpfalz ein Schaden von rund 500.000 Euro, weil ältere Menschen am Telefon auf falsche Polizeibeamte, Staatsanwälte, Notare oder Enkel hereingefallen sind.

Polizei versucht auf mehreren Wegen vor Telefonbetrügern zu warnen

Die Betrüger sind unheimlich überzeugend, berichtete Michael Lerch vom Polizeipräsidium Rheinpfalz. Die Täter seien psychologisch geschult und wüssten genau, wie sie ihre Opfer unter Druck setzen müssen. Die Polizei habe schon viel versucht, den Betrügern etwas entgegenzusetzen. Neben Vorträgen in Altenheimen und Volkshochschulen wurden schon Brötchentüten mit Warnhinweisen bedruckt und das Personal von Banken und Sparkassen geschult, die der Polizei melden sollen, wenn Senioren ungewöhnlich hohe Geldsummen abheben.

Erste permanente Hotline gegen Schockanrufe in Rheinland-Pfalz

Mit der Hotline für Senioren soll es jetzt eine weitere Möglichkeit geben, um die Senioren aufzuklären. „Damit wollen wir die Menschen aufrütteln und warnen, bevor solche Taten passieren“, sagte Michael Lerch.

Senioren können montags bis freitags anrufen unter der Nummer 0621 / 963 1515. An der Telefonhotline sitzen Kriminalbeamte, die von den Tricks der Betrüger berichten und die Anrufer warnen. Ihr wichtigster Tipp: Niemals unter Zeitdruck Geld oder Wertgegenstände an Fremde übergeben!

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