Ein Stapel Brennholz (Foto: SWR, Johannes Riedel)

Die Energiekrise und der Run auf Brennholz

Warum ist Holz aus dem Wald in der Pfalz so knapp und teuer?

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Birgit Baltes

Die Preise für Brennholz, Pellets und Holzhackschnitzel gehen zurzeit durch die Decke. Woran das liegt und wie es weitergeht, darüber hat der SWR mit der kommunalen Holzvermarktung Pfalz (koho) gesprochen.

Imo Hauß ist Geschäftsführer der koho mit Sitz in Maikammer (Kreis Südliche Weinstraße). Der 62-Jährige verkauft Holz im Auftrag von knapp 270 Kommunen in der Pfalz, aber auch in Rheinhessen. Die Holzpreise sind in diesem Jahr stark gestiegen und haben sich - je nach Holzart -verdoppelt bis verdreifacht, berichtet Hauß, der schon seit Ende der 70er Jahre in der Forstwirtschaft arbeitet.

Grund für den rasanten Anstieg der Holzpreise sei die Energiekrise in Folge des Ukraine-Krieges. Er verkaufe vom Holzbestand seiner Auftraggeber etwa 20 Prozent Brennholz und 80 Prozent Rundholz, unter anderem für die Möbelindustrie. Dabei geht Hauß aber davon aus, dass der gesamte Anteil des Holzes, das regional direkt in den Brennholzverkauf geht, bei 40 bis 50 Prozent liegt.

Holzvermarkter aus Maikammer: Forstämter verkaufen Brennholz direkt

Denn er vermarkte das Holz im Auftrag der Gemeinden ja nur an gewerbliche Kunden. Die Forstämter würden aber auch Brennholz direkt vor Ort an die Bevölkerung verkaufen. Hauß schätzt, dass das allein in seinem Gebiet rund 40.000 Festmeter Holz sind. Genau könne er das aber nicht sagen, weil die Forstämter ihm das nicht melden müssen, so der Geschäftsführer aus Maikammer.

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Brennholz: "Es wird fast alles verfeuert, was geht."

Hauß bekommt das vor allem dadurch zu spüren, dass er die Buche als typische Brennholzart bald gar nicht mehr verkaufen könne. Denn die sei quasi vergriffen. Deshalb würden inzwischen fast alle Laubholzarten als Brennholz angeboten: Eiche, Kastanie, Ahorn, Hainbuche, Birken. Weil das aber auch schon nicht mehr reiche, sei zwischenzeitlich auch Nadelindustrieholz wie Fichte als Brennholz ungeheuer gefragt.

Hinzu komme, dass neben den 12 Millionen Brennholzöfen in deutschen Haushalten ja auch viele Unternehmen mit Pellets heizen. Darüber hinaus werden Holzhackschnitzel gewerblich und zur Stromerzeugung genutzt. Vor allem Letzteres treibe die Holzpreise in die Höhe, sagt Hauß.

Maikammer: Kommunen bieten weniger Holz zum Verkauf

Dazu kommt auch noch, dass die Kommunen über die Gesellschaft in Maikammer weniger Holz verkaufen lassen als möglich. Die festgeschriebene Obergrenze von jährlich 160.000 Festmeter Holz, werde bei Weitem nicht erreicht, so der Vermarktungschef. Als Grund dafür vermutet Hauß auch die zunehmend grüne Politik, die beim Baumfällen den Rotstift ansetzt.

Pfalz: Spanplatten- und Papierindustrie vor dem Aus

Leidtragende des Runs auf Holz zum Heizen sei vor allem die holzverarbeitende Möbel- und Papierindustrie. So müsste die Möbelindustrie für hochwertige Laubhölzer wie Eiche und Esche deutlich mehr bezahlen, um mit den teuren Preisen beim Brennholz mithalten zu können.

Und auch bei der Papierholzindustrie sehe es ganz düster aus. Hauß berichtet von einem Großkunden aus der Papierholzindustrie, dem er im vergangenen Jahr 10.000 Festmeter Buchenholz verkauft habe. In diesem Jahr seien es noch 3.000 Festmeter gewesen und 2023 könne er gar nichts mehr anbieten.

Entscheidung zwischen Klopapier und Brennholz?

Die Papierindustrie sei aber auf Buchenholz angewiesen, etwa für die Herstellung von Toilettenpapier. Die Mangellage treibe da die Holzpreise enorm in die Höhe, beobachtet der Holzverkaufsexperte. Hinzu kommen die stark gestiegenen Energiekosten in der energieintensiven Papierproduktion. So sei es nur noch eine Frage der Zeit, bis weitere Firmen wie Hakle die Insolvenz drohe. Was das bedeutet fasst Hauß in für ihn ungewöhnlich deftigen Worten, wie er sagt, zusammen:

"Wir müssen in Zukunft entscheiden, ob wir einen sauberen oder einen warmen Arsch haben wollen."

Hamstern sorgt für hohe Holzpreise

Dabei sind die Probleme mit den überhöhten Holzpreisen eigentlich hausgemacht, ist der Verkaufschef überzeugt. Viele Kunden hätten schon vor Monaten damit begonnen Brennholz, Pellets und Holzhackschnitzel zu hamstern.

Holzvermarkter rechnet mit zwei harten Wintern

Imo Hauß glaubt nicht, dass die Preise für Holz bald wieder sinken werden. Sie würden sich wohl erst wieder normalisieren, wenn die Energiekrise überwunden sei und es genug Alternativen zum Gas gebe. Die Pfälzer müssten sich also wohl beim Preis für Holz auf zwei harte Winter einstellen, so der Holzvermarkter.

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