Heizung (Foto: tagesschau.de, Tagesschau)

Nachfrage je nach Zuschuss und Verordnung

Trends beim Heizen in der Pfalz: Kunden setzen verrückterweise wieder auf Gas

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AUTOR/IN
Birgit Baltes

Die Heizungsbauer an der Deutschen Weinstraße bauen derzeit wieder mehr Gasheizungen ein. Ein Experte erklärt, warum das so ist und welche Heizungen beim Klimaschutz helfen.

Jakob Köllisch ist Obermeister der Installateur- und Heizungsbauer Innung Deutsche Weinstraße und betreibt in Neustadt seit 30 Jahren einen Betrieb für Sanitär, Elektro und Heizung mit neun Angestellten. Als Experte für Heizungstechnik ist er außerdem ehrenamtlicher Technikchef im Bundesverband.

Seine Beobachtung: Was an Heizungsanlagen gerade besonders gefragt ist, werde vor allem von den Förderprogrammen der Bundespolitik bestimmt. Und das sei nicht immer klimaschonend und nachhaltig.

Jakob Köllisch Obermeister Installateur- und Heizungsbauer Innung Deutsche Weinstraße (Foto: Privat)
Jakob Köllisch, Obermeister der Installateur- und Heizungsbauer-Innung Deutsche Weinstraße Privat

Wärme und Heizen: Verbraucher reagieren stark auf Förderprogramme

So seien bis Mitte August 2022 sogenannte hybride Heizungsanlagen im Trend gewesen, berichtet Obermeister Köllisch. Zum Beispiel Anlagen, die mit Gas und Wärmepumpe betrieben werden. Aber dann endete die bundesweite Förderung für solche Anlagen - und die Nachfrage sei schlagartig eingebrochen.

Im zweiten Halbjahr 2022 sei dann die Nachfrage nach reinen Wärmepumpen-Anlagen in die Höhe geschnellt, also nach Anlagen, die nur mit Wärme aus der Außenluft oder aus der Erde betrieben werden.

Wärmepumpe steht vor einer Hauswand (Foto: IMAGO, IMAGO / Manngold)
Eine Wärmepumpe vor einer Hauswand IMAGO / Manngold

Deutsche Weinstraße: Heizen mit Gas erlebt Renaissance

Mit der Ankündigung der Bundesregierung, dass ab 2024 nur noch Gasheizungen in Kombination mit einer Wärmepumpe zugelassen werden, die über das Jahr mindestens einen Anteil von 65 Prozent an erneuerbaren Energien nutzen, habe sich die Situation nun wieder geändert. Denn viele Kunden wollten ihre Gastherme nun noch schnell gegen ein neues Modell austauschen, bevor die neue Regelung in Kraft trete, so Köllisch.

Der Obermeister macht dabei aber auch deutlich: Gas sei ein fossiler Brennstoff und der Ausstoß des Klimakillers Kohlendioxid sei selbst bei modernsten Anlagen noch relativ hoch. Allerdings könne er mit einer optimalen Einstellung von Brennwerttherme oder Kessel deutlich verringert werden.

Heizung: Geldsparen contra Klimaschutz?

Oftmals spiele beim Verbraucher der Geldbeutel die größte Rolle. "Klimaschutz muss man sich leisten können", so der Technikexperte. Mit einer Wärmepumpe könne man im Vergleich zu einer Gastherme zwar enorm Energie sparen. Aber in der Anschaffung koste die Wärmepumpe durchschnittlich mindestens 25.000 bis 30.000 Euro. Ein Gasbrennwertgerät auf dem neuesten Stand koste dagegen etwa die Hälfte.

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Pellet-Heizungen immer noch Nischenprodukt

Mit Holzpellets zu heizen, sei dagegen deutlich nachhaltiger und klimafreundlicher als mit fossilen Brennstoffen wie Erdgas oder Erdöl zu heizen. Denn bei Pellets handle es sich um Biomasse und damit um einen nachwachsenden Rohstoff. Allerdings sei das benötigte Holz auch nicht endlos verfügbar.

Außerdem gebe es neue Vorgaben der Bundes-Immissionsschutzverordnung, die die Installation neuer Pelletheizanlagen erschwerten. Demnach müssen Schornsteine nun deutlich höher und Abstände zu anderen Häusern deutlich größer werden, was eine Installation in engen Stadtgebieten quasi unmöglich mache.

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