Mutter mit Neugeborenen im Kreißsaal (Foto: Fotolia © famveldman)

Internationaler Hebammentag

Speyer: Zu wenige Hebammen wollen heute im Kreißsaal arbeiten

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Immer weniger Hebammen wollen im Kreißsaal arbeiten und Geburten betreuen. Das sagt die Leiterin der Geburtshilfe am Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus Speyer anlässlich des Internationalen Hebammentags.

Die Kreißsäle im Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus in Speyer sind alle belegt. Um die zehn Frauen entbinden hier am Tag und rund 3.600 im Jahr, erklärt die Leitende Hebamme des Krankenhauses, Caroline Münchbach. Das Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus Speyer ist nach eigenen Angaben die größte Geburtsklinik in Rheinland-Pfalz.

Immer noch bewegend

Münchbach ist seit 20 Jahren hier in Speyer Hebamme und mittlerweile die Abteilungsleiterin der Geburtshilfe. Aber immer noch ist es für sie etwas Besonderes, bei einer Geburt dabei zu sein. Nach all den Jahren trete natürlich ein gewisser Gewöhnungseffekt ein, aber immer noch denke sie nach einer Geburt, wie toll das war. Sie gehe dann oft beschwingt und glücklich nach Hause.

Caroline Münchbach, Leitende Hebamme (Foto: SWR)
Caroline Münchbach, Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus Speyer

"Eine Geburt ist so bewegend. Auch nach all den Jahren als Hebamme gibt es noch Geburten, nach denen man denkt, Mann, war das toll!"

Weniger Hebammen-Anwärterinnen

Vor 20 Jahren hat Münchbach hier in Speyer am Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus ihre Ausbildung beendet. Seitdem hat sich viel verändert, sagt sie. Damals hätten sich rund 2.000 Leute auf etwa 15 Ausbildungsplätze beworben. Heute seien es nur noch rund 400 .

Das Thema "Work-Life-Balance" - also ein ausgewogenes Verhältnis von Arbeit und Freizeit - habe heute viel mehr Gewicht als früher. Schichtdienst und Arbeiten an Feiertagen und Wochenenden passe natürlich nicht so zu einer guten Work-Live-Balance. Die Anspruchshaltung sei heute schon eine andere, als noch vor rund 20 Jahren.

Viele Auszubis wollen nicht mehr unbedingt in den Kreißsaal

Das macht sich auch in den Kreißsälen bemerkbar, sagt Caroline Münchbach. Es sei schwierig, noch genügend Hebammen zu finden, die im Kreißsaal und in der Geburtshilfe arbeiten möchten, obwohl eigentlich genügend Hebammen ausgebildet würden. Als sie ihre Ausbildung anfing, hätten alle in ihrem Ausbildungsjahrgang darauf gebrannt, bei Geburten dabei zu sein, das sei das Größte gewesen, die Königsdisziplin.

Caroline Münchbach, Leitende Hebamme (Foto: SWR)
Ein Kreißsaal im Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus Speyer

Heute gäbe es am Diakonissen-Stiftungskrankenhaus Auszubildende, die gar nicht wild darauf seien, bei einer Geburt zu helfen. In so einem Moment sei man als erfahrene Hebamme dann überrascht und erstaunt. Solche Auszubildende würden dann häufig nach der Ausbildung die Geburtshilfe verlassen, sich selbstständig machen und sich lieber andere Tätigkeiten rund um das Thema Schwangerschaft, Geburt und Nachsorge widmen.

"Eine Geburt ist die Königsdisziplin. Es ist das Allerschönste eine Geburt zu begleiten und dieses Glücksgefühl mit den Eltern zu teilen."

Viele Alternativen zur Geburtshilfe

Zur Geburtshilfe gebe es heute für Hebammen auch sehr viele Alternativen – von Yoga für Schwangere bishin zu unzähligen Kursen für Eltern und Kinder. Mittlerweile würden auch duale Hochschulstudiengänge für Hebammen angeboten, zum Beispiel an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft in Ludwigshafen. Eigentlich findet Caroline Münchbach das Studium eine Bereicherung für den Beruf, sie selbst hat in Ludwigshafen einen Bachelor-Abschluss gemacht und setzt zurzeit an der Technischen Universität Kaiserslautern noch einen Master oben drauf.

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Viele gehen in die Wissenschaft

Die Studierenden am Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus in Speyer würden tolle Fragen erforschen, zum Beispiel, ob Frauen mit Blasensprung wirklich die ganze Zeit im Krankenhaus bleiben müssen bis sie Wehen bekommen. Von den Ergebnissen profitiere natürlich auch das Krankenhaus. Aber ein Studium eröffne auch wiederum weitere Möglichkeiten, zum Beispiel in die Forschung zu gehen und eine wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen. Geschätzt zehn bis 20 Prozent eines Jahrgangs würden in die Wissenschaft gehen. Diese Leute fehlten dann aber natürlich wieder im Kreißsaal und in der Geburtshilfe, sagt sie.

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