Junge Halsbandsittiche schauen aus ihrer Bruthöhle (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa | Heike Haas)

Drei Schulen betroffen

Halsbandsittiche beschädigen Schulen in Frankenthal

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Luana Partimo

Eigentlich kommen die grünen Halsbandsittiche aus Südasien, doch seit einiger Zeit fühlen sie sich auch in der Pfalz wohl. Zu wohl, findet der Bürgermeister der Stadt Frankenthal. Dort zerstören die Sittiche Schulfassaden.

Knapp zehn Löcher zählt Schulleiter Alexander Dejon an der Robert-Schuman-Gesamtschule in Frankenthal. "Tatsächlich sieht man die Tiere sogar. Sie befinden sich auch hier in der näheren Umgebung um die Schule herum und ab und zu sieht man, wie sie in die Löcher reinfliegen", erzählt er.

Wenn Piepmätze in Fassaden nisten (Foto: SWR)

Schule wurde erst frisch saniert

Dabei wurde das Schulgebäude samt Fassade erst vor vier Jahren für 15 Millionen Euro saniert. Den Halsbandsittichen ist das aber herzlich egal. Sie fühlen sich in den Löchern pudelwohl. Dabei sind die Spuren der Papageien in der Schulfassade nicht mehr zu übersehen.

Als erster entdeckt hatte die tennisball-großen Löcher der Hausmeister der Schule, Michael Leiner. "Im ersten Moment dachte ich, das wären Bohrungen gewesen von der Firma. Weil wir Reparaturen gehabt haben an der Fassade. An Vögel haben wir da gar nicht gedacht. Das haben wir dann erst gemerkt, als die Vögel überall an der Wand saßen und da reingekrabbelt sind. Da wussten wir: Die haben wohl irgendein Nest gebaut", erinnert er sich.

Weitere Schulen betroffen

Laut Stadtverwaltung Frankenthal sind auch die Fassaden der Schiller-Realschule, sowie der Erkenbertschule von den grünen Vögeln betroffen. Bürgermeister Bernd Knöppel ist darüber wenig erfreut. "Es ist sehr ärgerlich, muss man sagen. Da sind die tierschutzrechtlichen Belange, die selbstverständlich zu berücksichtigen sind. Deshalb können wir die Vögel nicht einfach aus den Löchern herausnehmen. Nichts tun kann jedenfalls richtig teuer werden".

Deshalb hat die Stadt inzwischen reagiert: An einer Schule wurden bereits Netze aufgehängt. Und auch Nistkästen sollen jetzt an allen drei Schulen aufgehängt werden. Dabei sind die Halsbandsittiche gar nicht Schuld an den Löchern. Stattdessen sind es meist Spechte oder Dohlen, die Löcher in die Wärmedämmung reinhämmern. In diesen Löchern suchen sich die Halsbandsittiche dann später ein Zuhause.

Ähnliches Problem bereits vor ein paar Jahren

Nur wenige Kilometer entfernt, am Wasserwerk Großniedesheim, hatten sich die Vögel bereits vor fünf Jahren eingenistet und dort die Wärmedämmung an vielen Stellen unterhöhlt. Sandra Habel von den Stadtwerken Frankenthal erinnert sich noch an diese Zeit: "Das führt dazu, dass sich Kältebrücken bilden, die Wärmedämmung nicht mehr funktioniert und Gefahr zur Schimmelbildung besteht. Also mussten wir hier tätig werden. Als erstes haben wir die Löcher fachgerecht verschließen lassen."

Das hatte aber zur Folge, dass die Vögel sich an den gleichen Stellen einfach neue Löcher einschlugen. Deshalb haben die Stadtwerke schließlich zusammen mit dem Naturschutzbund NABU Anfang letzten Jahres Nistkästen aufhängen lassen. Insgesamt 20 Stück seien es und bislang sehr zufriedenstellend. "Die Erfahrungen sind bisher sehr gut. Über die Hälfte der Nistkästen ist tatsächlich besetzt - Inzwischen auch von der bedrohten Vogelart Stare. Und auch die Dohlen und die Halsbandsittiche nehmen die Nisthilfen alle an", freut sich Habel.

Schulleiter sieht die Situation positiv

Trotz der Schäden kann Schulleiter Alexander Dejon der Situation sogar etwas Positives abgewinnen. "Ich sehe es in erster Linie aus der Sicht des Schulleiters. Und als solcher sehe ich die Möglichkeiten, die sich für den Unterricht daraus ergeben. Auf verschiedenen Ebenen: Nicht nur im Biologieunterricht, sondern auch in Technik und Naturwissenschaften. Wo man eventuell auch solche Brutkästen anfertigen könnte", sagt er.

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