Wegen Corona: Planbare Operationen werden verschoben

Kreiskrankenhaus Grünstadt: Volle Intensivstation, überlastete Pflegekräfte

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AUTOR/IN
Panja Schollbach

Im Kreiskrankenhaus Grünstadt (Kreis Bad Dürkheim) ist die kleine Intensivstation voll belegt - auch mit Corona-Patienten. Die Situation ist angespannt, planbare Operationen werden verschoben. Wie geht's den Pflegekräften?

Corona-Schnelltests im Krankenhaus Grünstadt (Foto: SWR)
Das Kreiskrankenhaus Grünstadt

Wie in so vielen Kliniken in Rheinland-Pfalz derzeit ist auch die Lage im Krankenhaus in Grünstadt im Kreis Bad Dürkheim angespannt: Die acht Betten auf der kleinen Intensivstation sind seit Herbst meist zur Hälfte mit Corona-Patienten belegt. Vor drei Wochen hat die Klinik deshalb zu drastischen Maßnahmen gegriffen und alle planbaren Operationen abgesagt. Nach Angaben des Krankenhauses sind das bis zu 12 Eingriffe pro Tag, die im Moment nicht stattfinden können.

Kreiskrankenhaus Grünstadt (Foto: SWR)

Der Leiter der Intensivpflegeabteilung Constantin Suweis sagt, in den vergangenen Tagen habe es kaum noch ein freies Bett auf der Intensivstation in Grünstadt gegeben. "Wir haben sehr viele neue Patienten bekommen", erzählt Suweis. "Wir sind zugelaufen, sodass man zum Schluss tatsächlich eigentlich kein Bett mehr belegen konnte, weil es einfach so viele Patienten waren, die wir zu versorgen hatten."

Anfragen aus Kliniken der Vorder-und Südpfalz

Ständig gehen Anfragen anderer Kliniken in der Vorder- und Südpfalz ein, die sich nach freien Betten in Grünstadt erkundigen, um Intensivpatienten zu verlegen.

Außerdem mussten Suweis und seine Kollegen zuletzt drei schwerkranke Corona-Patienten auf der Intensivstation versorgen - in einer Klinik mit acht Intensivbetten sei das eine Menge. Ein Patient habe sich stabilisert und konnte am Mittwoch auf die normale Corona-Sation wechseln.

"Da gibt es ganz viele Diskussionen und auch ganz viel Verzweiflung."

Diskussionen mit Corona-Patienten

Die Versorgung von Corona-Patienten sei oft sehr schwierig, sagt der 37-Jährige. Viele der Corona-Patienten erlebten ein wahres "Gefühlschaos", sagt er: "Es fängt an mit Todesangst. Manche Patienten merken, da läuft etwas in eine Richtung, damit haben sie nicht gerechnet. Bei wachen Corona-Patienten kommt es auch manchmal zu Diskussionen und sie fragen: 'Warum soll ich mich jetzt wieder auf den Bauch drehen?' - 'Warum soll ich mir jetzt diese Druckluftmaske wieder ins Gesicht setzen?' - 'Das nervt mich.' - 'Das tut mir weh.' Da gibt es ganz viele Diskussionen und auch ganz viel Verzweiflung."

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Überlastete Pflegekräfte am Kreiskrankenhaus Grünstadt

Und es gibt auch Corona-Patienten, die die Therapie in Frage stellen oder sogar ablehnen. Es ist ein nervenaufreibender Job für die Pflegekräfte in der Corona-Pandemie. Viele der Mitarbeiter auf der Intensivstation seien allmählich überlastet, erzählt Suweis, zeitweise gebe es viele Krankheitsausfälle. "Die haben mir gesagt, es sei viel im Moment. Die hatten glasige Augen, weil sie einfach belastet, ja, sogar überlastet sind."

Etwas mehr als 20 Pflegekräfte arbeiten auf der Intensivstation im Kreiskrankenhaus Grünstadt in unterschiedlichen Schichten. Die größere Arbeitsbelastung durch die Corona-Pandemie, die Diskussionen mit Corona-Patienten und das Schicksal vieler Erkrankter hinterlassen Spuren beim Pflegepersonal.

Kein Verständnis für Ungeimpfte

"Man sieht halt auch viele junge Menschen mit Familien und mit Kindern. Und im schlimmsten Fall sieht man dann den Tod irgendwann - wenn man das Ganze nicht in den Griff kriegt." Besonders tragisch sei, dass zumeist ungeimpfte Menschen schwer an Corona erkranken und dann auf der Intensivstation landen. Dafür fehle ihm das Verständnis, sagt Suweis:

"Ich muss klipp und klar sagen: Es ist manchmal schwierig, nachzuvollziehen, warum sich Menschen nicht impfen lassen. Ich glaube, ich spreche da für ganz viele Kollegen, die im Intensivbereich arbeiten. Denn das Elend, das man Tag für Tag sieht, das macht viel mit einem."

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