Ein Bürger neben einem Baum mit zwei Gießkannen voller Wasser (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Bäume in den Städten vorm Verdursten

Städte in der Pfalz rufen Bürger zum Gießen der Bäume auf - ist das sinnvoll?

STAND
AUTOR/IN
Birgit Baltes

In den Städten der Vorder- und Südpfalz leiden die Bäume am Straßenrand oder in Grünanlagen unter der Dauerhitze und Dürre. Ludwigshafen und Speyer bitten ihre Bürger deshalb, zur Gießkanne zu greifen.

"Seit Mitte April hat es bei uns keine nennenswerten Niederschläge gegeben. Bei gleichzeitig länger anhaltenden hochsommerlichen Temperaturen geht es den Pflanzen wie den Menschen: Sie haben einen Riesendurst", so Rainer Ritthaler, Leiter des Bereiches Umwelt bei der Stadt Ludwigshafen.

Deshalb hat die Stadtverwaltung die Bürger jetzt dazu aufgerufen, gerade junge Bäume vor ihrer Haustüre selbst zu gießen, um sie vor dem Verdursten zu retten. Denn die Wurzeln junger Bäume könnten noch keine Feuchtigkeit aus tieferen Erdschichten ziehen "und brauchen das kühle Nass ganz dringend", so Gabriele Bindert, Leiterin des Bereichs Grünflächen in Ludwigshafen.

Auch die Stadt Speyer hat die Bevölkerung jetzt um Unterstützung beim Gießen der Bäume gebeten. Die Abteilung Stadtgrün befinde sich aktuell im "Gieß-Großeinsatz“, vor allem im Bereich der durch Trockenheit und Hitze besonders gefährdeten Jungbäume, heißt es von der Stadtverwaltung Speyer. Mehr als 500 Jungbäume stünden auf der aktuellen Bewässerungsliste. An Spitzentagen verbrauche man rund 30.000 Liter Wasser.

Landau ruft nicht mehr zum Gießen auf

Die Stadtverwaltung Landau ruft ihre Bürger nicht mehr zum Gießen der Stadtbäume auf, so eine Sprecherin. Es werde oft unterschätzt, wie viel Wasser ein Baum pro Tag tatsächlich benötige - nämlich je nach Größe bis zu einigen hundert Litern.

Der Bauhof der Stadt Landau und beauftragte Firmen bewässerten vor allem Jungbäume und Bäume an kritischen Standorten. Bei den Jungbäumen kämen dabei auch Drainagen im Boden und Wassersäcke zum Einsatz, die das Wasser nicht auf einmal, sondern schrittweise abgeben. In Landau seien rund 700 dieser Wassersäcke im Einsatz. Bei extremer Trockenheit bewässere die Stadt ihre Bäume bis zu zwei Mal pro Woche, rund 100 bis 120 Liter pro Baum.

Baumpate (Foto: SWR)
Städte wie Landau benutzen inzwischen vorwiegend Wassersäcke zum Bewässern der Jungbäume. Sie geben das Wasser nicht aufeinmal, sondern langsam an den Boden ab.

Ist Bäume gießen Wasserverschwendung?

Warum bittet Landau seine Bürger nicht mehr, die Stadtbäume zu gießen? Ein Grund ist vermutlich, dass dabei große Mengen Wasser benötigt werden und der Verbrauch von Trinkwasser in Zeiten des Klimawandels umstritten ist.

Die Städte in der Pfalz sind sich aber einig, dass den Bäumen "in Bezug auf die Erderwärmung eine besonders wichtige Rolle zukommt, da ihre Blätter Kohlenstoff in Form von Kohlendioxid aus der Luft ziehen und Sauerstoff wieder freigeben. Um diese Arbeit leisten zu können, benötigt ein Baum besonders im belaubten Zustand Wasser", heißt es beispielsweise aus Speyer. Und weiter: "Bei Straßenbäumen, die meist über wenig Platz unter der Erdoberfläche verfügen, ist die Lage im Sommer besonders kritisch, weil das meiste Regenwasser über die versiegelten Flächen direkt in die Kanalisation abfließt." 

BUND Rheinland-Pfalz: Nur Privatleute können wassersparend gießen

Nein, gerade wenn Bürger Stadtbäume gießen, muss das keine Wasserverschwendung sein, sagt Sabine Yacoub vom Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) Rheinland-Pfalz. Die Krux an der Geschichte sei, die Bäume so zu gießen, dass nicht frisches Trinkwasser verwendet werde, sondern sogenanntes Brauchwasser. Das ist Wasser, das beispielsweise beim Waschen von Salat und Gemüse übrig bleibt oder wenn die Dusche noch nicht die gewünschte Temperatur erreicht hat. Privatleute könnten dieses Wasser in Eimern sammeln un es zum Gießen der Stadtbäume nutzen, so Yakoub. Städtische Grünämter seien dazu nicht in der Lage.

Die BUND-Sprecherin hält es also für sinnvoll und wichtig, dass auch die Bevölkerung sich beteiligt, um die für das Klima so wichtigen Stadtbäume durch Gießen vor Trockenschäden zu bewahren. Dabei sollte man aber einige Regeln beachten.

Trockenheit: So retten wir Bäume vorm Verdursten

Bäume können bei starker Trockenheit verdursten. Gartenexpertin Heike Boomgaarden erklärt, wie wir die Bäume retten können und welche Hilfe unser Rasen braucht.  mehr...

Regeln zum Gießen der Stadtbäume

- am besten früh morgens oder abends nach Sonnenuntergang gießen, denn dann verdunstet weniger Wasser in die Umgebung.

- lieber einmal in der Woche 30 bis 50 Liter gießen als jeden Tag nur wenig Wasser.

- nicht alles Wasser auf einmal ausschütten, sondern schrittweise gießen, damit das Wasser vom trockenen Boden aufgenommen werden und versickern kann.

Ludwigshafen belohnt fleißige Gießer

Um die Bürger zum richtigen Gießen der Stadtbäume zu motivieren, verschenken die Wirtschaftsbetriebe Ludwigshafen (WBL) jetzt unter dem Motto "Ran an die Kanne" faltbare Gießkannen an alle, die sich beim Bäumegießen engagieren und das auch per Foto dokumentieren.

Trockenheit: So retten wir Bäume vorm Verdursten

Bäume können bei starker Trockenheit verdursten. Gartenexpertin Heike Boomgaarden erklärt, wie wir die Bäume retten können und welche Hilfe unser Rasen braucht.  mehr...

Pirmasens

Bäume leiden unter Hitze und Trockenheit Bürger in Pirmasens sollen helfen, Stadtbäume zu bewässern

Die Stadt Pirmasens setzt auf die Hilfe ihrer Bürger. Weil die Straßenbäume nach Angaben eines Stadtsprechers stark unter der anhaltenden Hitze und Trockenheit litten, seien die Bewohner aufgefordert, beim gießen zu helfen.  mehr...

Stadtbäume in Koblenz nicht gießen!

Ausgewachsene Bäume sollen in Koblenz nicht gegossen werden +++ Rückkehr der Knoblauchkröte in Kaiserslautern +++ Kegel-WM in Trier  mehr...

Landesschau Rheinland-Pfalz SWR Fernsehen RP

STAND
AUTOR/IN
Birgit Baltes