Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen

Pfalz: Gewalt gegen Frauen in Ludwigshafen am höchsten

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Panja Schollbach
Panja Schollbach arbeitet als Redakteurin im SWR-Studio Mannheim-Ludwigshafen (Foto: SWR)

Der gefährlichste Ort für Frauen ist ihr Zuhause: Das Polizeipräsidium Rheinpfalz in Ludwigshafen hat 2020 hunderte Fälle von Gewalt gegen Frauen registriert. Sie wurden getötet, vergewaltigt, zusammengeschlagen.

Alle zweieinhalb Tage wird in Deutschland laut Statistik eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet. Das zeigen die aktuellen Zahlen der am Dienstag in Berlin veröffentlichten Kriminalistischen Auswertung "Partnerschaftsgewalt 2020".

In der Pfalz mehr als 2.000 Fälle häuslicher Gewalt

In der Vorder-und Südpfalz registrierte das Polizeipräsidium Rheinpfalz in Ludwigshafen allein mehr als 2.400 Fälle von häuslicher Gewalt - in rund 80 Prozent der Fälle waren Frauen die Opfer. Das heißt unterm Strich haben etwa 1.900 Frauen in der Pfalz im vergangenen Jahr Gewalt in einer Beziehung erlebt. Die Dunkelziffer - wahrscheinlich weitaus höher.

Meiste Gewaltfälle gegen Frauen in Ludwigshafen

Die meisten Fälle von Gewalttaten gegen Frauen verzeichnet die Stadt Ludwigshafen, teilte eine Sprecherin der Polizei auf SWR-Anfrage mit. Kein Wunder, denn: "Erwartungsgemäß verzeichnen wir in der einwohnerstärksten Stadt Ludwigshafen auch die meisten Fälle von Gewaltkriminalität gegen Frauen." Denn: "Setzt man die Einwohnerzahlen in Relation zu den registrierten Fällen, können wir keinen Schwerpunkt ausmachen."

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Für Beamte hochemotionale Ausnahmesituation

Wenn Beamte wegen häuslicher Gewalt alarmiert werden, sei das immer eine besondere Einsatzlage, so die Sprecherin. Denn sie wüssten nie, was sie hinter der Wohnungstür erwarte. "Die Beteiligten befinden sich meist in einer hochemotionalen psychischen Ausnahmesituation", so die Beamtin. Oft alarmieren die betroffenen Frauen oder auch die Nachbarn die Polizei. Sobald die Lage deeskaliert ist, werden die Beteiligten des Konflikts getrennt voneinander befragt. Das Opfer soll so die Möglichkeit haben, "ohne Beeinflussung und ohne Angst, zu schildern was passiert ist", so die Polizeisprecherin. Außerdem werden die misshandelten Frauen an eine Interventionsstelle vermittelt, wenn sie das wollen. Die Täter werden häufig aus der Wohnung verwiesen.

Polizeipräsidium Ludwigshafen hat Spezial-Analysetool

Besonders wichtig: Noch vor Ort füllen die Beamten einen Fragebogen aus. "Mit diesem wissenschaftlichen Analysetool wird dann erhoben, wie hoch die Gefahr einer erneuten Gewalteskalation ist." Das Polizeipräsidium Ludwigshafen hat dieses Spezial-Verfahren entwickelt, um sogenannte Hochrisikofälle zu erkennen - also zu analysieren, ob der Mann zu Gewaltexzessen neigt und wie hoch das Risiko ist, dass er seine Partnerin erneut misshandelt. Dabei hilft das Analysetool. So könne einer Eskalation der Gewalt schnellstmöglich mit einer Vielzahl von Maßnahmen entgegengewirkt werden. Im Jahr 2020 gab es über 230 Hochrisikofälle, bei denen das Polizeipräsidium dieses Verfahren anwandte. Nach Angaben des Polizeipräsidiums geben die Beamten aus Ludwigshafen ihre Erfahrungen mit dem Analysetool an Polizeipräsidien in ganz Deutschland weiter.

Betroffenen Frauen steht auch die Opferschutzbeauftragte des Polizeipräsidiums Rheinpfalz in Ludwigshafen zur Verfügung. Frauen können sich dort auch direkt melden. Die Telefonnummer lautet 0621 963-1154.

Polizeipräsidium Rheinpfalz auf Twitter

Bundesweit: 139 Frauen von ihren Partnern getötet

Zurück zu den bundesweiten Fällen: Der aktuellen Statistik zufolge wurden in Deutschland 2020 insgesamt 139 Frauen und 30 Männer Opfer von tödlicher Partnerschaftsgewalt. Ein Jahr zuvor waren es 117 Frauen und 32 Männer. Die geschäftsführende Bundesfrauen- und Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) kritisierte am Dienstag, dass in dem Zusammenhang manchmal von einer "Familientragödie" gesprochen werde. Es handele sich um nichts anderes als um ein Gewaltdelikt, betonte sie. Von einer Familientragödie spreche sie dann, wenn zum Beispiel eine Mutter von drei Kindern an Krebs versterbe.

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