Ein Start-Up Unternehmen aus Schifferstadt will unförmige Lebensmittel in "Retterboxen" verkaufen.

"Retterboxen" per Post

Start-Up aus Schifferstadt will aussortiertes Obst und Gemüse der Bauern retten

Stand
Autor/in
Charlotte Seelinger
Leon Vucemilovic
Portrait Leon Vucemilovic

Obst und Gemüse, das nicht der Norm entspricht, endet oft als Tierfutter oder wird gleich entsorgt. Ein Start-Up Unternehmen aus Schifferstadt will es stattdessen günstig verkaufen.

"Von meinen Kartoffeln landen am Ende nur 70 Prozent im Supermarkt", sagt Landwirt Johannes Zehfuß aus Böhl-Iggelheim. Er ist Vizepräsident beim Bauern- und Winzerverband. "In Deutschland möchten die Kunden immer nur die schönsten Waren haben." Es sei egal, dass die anderen 30 Prozent seiner Ernte genauso schmecken. Weil sie anders aussehen, würden sie aussortiert.

Genau deshalb hat Andreas Friedrich das Start-Up "Knollenliebe" in Schifferstadt (Rhein-Pfalz-Kreis) gegründet. "Zu viele Lebensmittel werden einfach weggeworfen", kritisiert er. "Was nicht der Norm entspricht, landet nicht im Supermarkt. Dem wollte ich entgegenwirken."

Preiswerter als die A-Ware

Seit Anfang Mai verkauft er Obst und Gemüse mit Makeln und Fehlern in sogenannten "Retterboxen" nach ganz Deutschland. "Sogar aus Berlin kam jetzt schon die erste Bestellung", sagt er. Die Lebensmittel kauft Andreas Friedrich günstig von Landwirten aus der Region. Deswegen kann er sie preiswerter anbieten als die Supermärkte ihre A-Ware. "Das Gemüse ist ja nicht schlecht. Das sieht nur anders aus", sagt Friedrich.

Ein Start-Up Unternehmen aus Schifferstadt will unförmige Lebensmittel in "Retterboxen" verkaufen.
"Knollenliebe"-Gründer Andreas Friedrich macht eine Retterbox versandtfertig.

Für Obst und Gemüse gibt es in Deutschland Normen. Beispielsweise ist festgelegt, dass Möhren der Klasse 1 nicht kleiner als zwei Zentimeter sein dürfen, zehn Zentimeter lange Gurken dürfen nicht mehr als einen Zentimeter gekrümmt sein und Äpfel müssen zu einem Drittel rot gefärbt sein.

Dass Lebensmittel Normen erfüllen müssen, hätte nicht nur mit Ästhetik zu tun, sagt Landwirt Johannes Zehfuß. Vielmehr gehe es auch um Nachhaltigkeit. Nur, wenn zum Beispiel alle Zucchini gleich lang seien, könnten Lkw optimal bepackt werden und es würde kein Platz verschwendet.

Nicht alle aussortierten Lebensmittel werden entsorgt

Zehfuß beteiligt sich nicht an dem Retterbox-Projekt, obwohl sein Hof ganz in der Nähe von Schifferstadt liegt. "Jedes Nahrungsmittel, das nicht weggeworfen wird, ist eine gute Sache", sagt er zwar. Jedoch würden von den 30 Prozent seiner Ernte, die er nicht an Supermärkte verkaufen kann, kaum Kartoffeln entsorgt.

"Die werden anders verwertet", sagt er. Etwa für Konserven oder in der Gastronomie, wo Obst und Gemüse ohnehin kleingeschnitten wird. Erst danach würde er über die Verwendung als Tierfutter oder über die Entsorgung nachdenken.

Ein Start-Up Unternehmen aus Schifferstadt will unförmige Lebensmittel in "Retterboxen" verkaufen.
Eine übergroße Möhre, eine zu kleine Zucchini und Äpfel in der falschen Farbe - diese Lebensmittel wären normalerweise nicht verkauft worden.

Obst und Gemüse, das ohnehin auf dem Feld zurückbleibt noch zu ernten, rechne sich finanziell nicht. Auch ein Sprecher des Pfalzmarkts aus Mutterstadt bestätigt: Was nicht geerntet wird, werde oft als Dünger untergepflügt. Extra für die "Retterboxen" noch einmal zu ernten, sei zu teuer.

Jede Woche mehr Kunden

Andreas Friedrich will an seinem Projekt "Knollenliebe" trotzdem festhalten und setzt darauf, dass viele Landwirte mitmachen. "Die bekommen dann ja auch noch ein bisschen Geld für das, was sie sonst nicht verkauft hätten."

Er sei auch zuversichtlich, dass die Kunden bereit sind, krummere, zu kleine oder unförmigere Lebensmittel zu kaufen. Von Woche zu Woche verkaufe er mehr "Retterboxen."

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