Schild fürs Wasserschutzgebiet (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Noch kein Kompromiss in Sicht

Südpfalz: Wie viel Schutz braucht das Trinkwasser?

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Ulrike Brandt
SWR Reporterin Ulrike Brandt (Foto: SWR)

In der Südpfalz sollen zwei Wasserschutzgebiete deutlich vergrößert werden, um das Trinkwasser für die Bürger zu schützen. Landwirte fürchten um ihre Zukunft. Gegen das Vorhaben gibt es mehr als 50 Einwände.

"Wenn das neue Wasserschutzgebiet kommt, stirbt unser Betrieb", sagt Gabi Braun, Landwirtin aus Hochstadt (Kreis Südliche Weinstraße). "Dann wissen wir nicht, wie es weitergeht", sagt ihr Nachbar, Obstbauer Tobias Wicke.

Trinkwasser soll in Südpfalz besser geschützt werden

In der Südpfalz wird wieder einmal übers Grundwasser diskutiert, gerungen und gestritten. Und die Frage ist: Wie lässt sich die Trinkwasser-Versorgung auch für die nächsten Jahrzehnte sichern? Und was müssen Einzelne dafür in Kauf nehmen?

WSG-Konzept für die Brunnen Weingarten und Zeiskam (Foto: Gutachter)
Die geplanten großen Wasserschutzgebiete in der Südpfalz, rund um Zeiskam und Weingarten

Kurz zu den Fakten: Die beiden Wasserschutzgebiete bei Zeiskam und Weingarten im Norden des Kreises Germersheim und in einem kleinen Teil des angrenzenden Kreises Südliche Weinstraße müssen neu festgelegt werden. Das hängt mit neuen Brunnen zusammen, mit einer ausgelaufenen Rechtsverordnung und neuen Regeln der Wasserwirtschaft. Und es hängt mit den Gefahren zusammen, denen das Grundwasser ausgesetzt ist. Schadstoffe aus der Landwirtschaft spielen da eine Rolle, außerdem der fortschreitende Klimawandel.

20.000 Kunden werden mit Wasser versorgt

20.000 Kunden werden mit dem Wasser versorgt, das der zuständige Versorger, die Germersheimer Nordgruppe, aus rund 150 Metern Tiefe hoch pumpt. Die Qualität gilt als gut. Das soll auch in Zukunft so bleiben. Das Wasser als wichtige Ressource für die Bevölkerung schützen: Darum geht es bei der geplanten Ausweitung. Allein das Wasserschutzgebiet Zeiskam müsste laut einem Gutachten 30 Mal größer werden, als es bisher war.

Ein Mann hält ein Glas unter einen laufenden Wasserhahn. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Marius Becker)

Bauern und Winzer: Sorgen wegen Schutzgebiet

Die Gegend rund um Zeiskam, Weingarten, Lustadt (alle Kreis Germersheim) und Hochstadt wird landwirtschaftlich stark genutzt. Viele Bauern und Winzer sehen in den Plänen eine Gefahr, einige fürchten gar um die Existenz ihrer Betriebe. Grund: Sie müssten strengere Regeln bei einem Wasserschutzgebiet einhalten, zum Beispiel beim Düngen und beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.

Bauern: "Spritzen nur, was wir müssen"

Da ist zum Beispiel die Familie Braun. Sie hat einen landwirtschaftlichen Mischbetrieb in Hochstadt: mit Weinanbau, Getreide und Zuckerrüben, Schweinehaltung. Gabi Braun sagt: "Wir sind normale Landwirte. Wir spritzen nur soviel, wie es sein muss." In einem neuen Wasserschutzgebiet dürften sie nur noch begrenzt Pflanzenschutzmittel anwenden, sagt Braun. Sie prophezeit das Aus für den Weinanbau und die Fünf-Felder-Wirtschaft ihrer Familie.

Ernte in der Pfalz (Foto: SWR)

Ebenfalls in Hochstadt haben Tobias und Carola Wicke ihren Betrieb. Sie bauen seit 21 Jahren in der Südpfalz Obst für den regionalen Markt an: vor allem Äpfel, Zwetschgen und Pfirsiche. Ihr Betrieb laufe "super", sagt das Ehepaar. Aber: Zehn von elf Hektar würden im neuen Schutzgebiet liegen. Eigentlich könnten sie mit den noch geltenden Regeln auch weiter wirtschaften. Doch: EU-weit droht ein Verbot von Pflanzenschutzmitteln in Schutzgebieten.

Wenn das Pestizid-Verbot im Schutzgebiet kommt, dann können wir kein Steinobst mehr anbauen, vielleicht noch Bio-Äpfel. All das Geld, das wir in den Betrieb gesteckt haben, wäre dann weg.

Die Wickes wissen noch nicht genau, was kommt. Aber sie reagieren schon jetzt: zwei festangestellte Mitarbeiter haben sie entlassen, Investitionen gestrichen, die Hälfte ihrer Fläche wollen sie roden:

Wasser und Landwirtschaft: Wie könnte ein Kompromiss aussehen?

Die Behörde, die entscheidet, wie groß die beiden neuen Wasserschutzgebiete werden, ist die SGD Süd mit Sitz in Neustadt. Behördenleiter Hannes Kopf sagt: "Wenn ich eine Rechtsverordnung mache, muss ich die fachlichen und rechtlichen Parameter beachten und die besondere Situation vor Ort begutachten."

Das soll heißen: Die Behörde weiß, was für viele Bauern und Winzer im Norden vom Kreis Germersheim auf dem Spiel steht.

Es ist eine Gratwanderung.

Bis Jahresende können der Behörde Bedenken wegen der neuen, erweiterten Schutzgebiete geschickt werden. Dann wird geprüft. SGD-Süd-Chef Kopf sagt dazu: "Ich schaue durchaus, wie sich auf europäischer Ebene die politische Diskussion entwickelt." Eine schnelle Entscheidung ist von der SGD Süd also nicht zu erwarten.

Wasserwirtschaft: "gesetzliche Regeln beachten"

Für Sebastian Exner vom Landesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (LDEW) ist die Sache klar: "Wasserschutzgebiete werden nach gesetzlichen Regelungen festgelegt. Das darf keine politische Entscheidung sein." Gleichzeitig betont er: die Schutzgebiete werden eingerichtet, um das Wasser für die Bevölkerung zu schützen. Wer als Einzelner dann davon negativ betroffen ist, könne mit Entschädigungen und Ausgleichszahlungen rechnen.

Aus der Landwirtschaft heißt es: Man könne sich eine freiwillige Kooperation vorstellen, so wie beim 2022 festgelegten Wasserschutzgebiet im Neustadter Ordenswald.

Doch Exner, der die Interessen der rheinland-pfälzischen Wasserversorger vertritt, hält von Kooperationen anstelle von Wasserschutzgebieten nicht viel. Schließlich wäre eine freiwillige Zusammenarbeit nicht so verbindlich:

Die SGD Süd hält allerdings Kooperationen grundsätzlich für eine gute Idee. Auch der örtliche Wasserversorger, die Germersheimer Nordgruppe, kann sich Vereinbarungen und Kompromisse mit den Landwirten vorstellen.

Entscheidung zu Wasserschutzgebieten dauert noch

Allerdings wird es noch eine Zeitlang dauern, bis tatsächlich klar ist, wie groß die beiden neuen Wasserschutzgebiete in der Südpfalz werden sollen. Und wie es mit der Landwirtschaft und den Familien Braun und Wicke weitergeht. Gegen die Pläne gibt es 53 Einwände von Bürgern. Die Frist läuft noch bis Ende Dezember.

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