Geißbockübergabe in Deidesheim (Foto: SWR)

Stolze Preise für stolze Böcke

Geißbockversteigerung in Deidesheim bringt fast 10.000 Euro ein

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Volksfeststimmung im pfälzischen Deidesheim: Nach zwei Jahren Corona-Pause hat es am Dienstag erstmals wieder eine traditionelle Geißbock-Versteigerung gegeben. Das Besondere: Es wurden gleich drei Ziegenböcke versteigert.

Der erste Geissbock ging am Dienstagnachmittag innerhalb von sieben Minuten für 2.600 Euro an einen Bieter aus Billigheim-Ingenheim (Kreis Südliche Weinstraße). Der zweite Geißbock, der eigentlich im Corona-Jahr 2021 hätte versteigert werden sollen, kam sehr schnell für 2.100 Euro unter den Hammer. Stolze Besitzer sind die "Heimatfreunde Landstuhl". Der diesjährige Geißbock "Andreas, der Erste" erzielte aber den höchsten Preis.

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Während die ersten beiden "Corona-Böcke" bei der Versteigerung noch Glück hatten mit dem Wetter, prasselte auf Ziegenbock "Andreas" ein Sommerregen nieder - genau in den 15 Minuten der Versteigerung. Denn eigentlich geht das Tier nicht einfach an den Meistbietenden in Deidesheim, sondern an den, der nach einer Viertel Stunde um Schlag 18 Uhr das höchste Gebot hat. Das ist dieses Jahr Franz Lucas vom Weingut Margaretenhof in Forst. Der 64-Jährige holte sich den Geißbock für stolze 4.500 Euro.

Eine Erinnerung an seine Großmutter, die stets gearbeitet habe und sich nur zu Pfingsten alljährlich zur Geißbockversteigerung einen Tag frei gegönnt habe. Der Geißbock soll nun auf Lucas' Hof kommen und bekommt vielleicht bald noch Gesellschaft von zwei Ziegendamen.

Auf dem Bild steht der Stadtbürgermeister Karl-Günter Müller und das Geißbockpaar Lena & Andreas Scherf mit Geißbock Maxl. (Foto: Lambrecht)
Geißbock Andreas der Erste Lambrecht

Deidesheim: Wunsch des Bürgermeisters wurde wahr

Zu Beginn der Veranstaltung sagte Stadtbürgermeister Manfred Dörr (CDU) dem SWR, er sei sehr froh, dass wieder so viele Leute zur Versteigerung gekommen seien - auch viele junge, die dieses alte Brauchtum leben. Es sei fast wieder wie vor drei Jahren vor Corona, so Dörr: "Die Kolpingkapelle spielt immer noch toll, die Lambrechter sind pünktlich gewesen zur Übergabe. Wir auch. Und das besondere kommt ja noch."

Nämlich die Versteigerung: Er hoffe auf einen guten Preis, so der Stadtbürgermeister: "Je höher sie bieten, desto besser für uns, denn mit dem Geld finanzieren wir die Veranstaltung." Die Ausgaben seien aber immer höher als die Einnahmen. Allein der Unterhalt für die letzten beiden Böcke habe pro Jahr um die 1.000 Euro gekostet.

In diesem Jahr waren nach der Coronapause wieder knapp 4.000 Menschen bei dem Versteigerungsevent, teilte die Stadtverwaltung Deidesheim am Ende mit.

Geißbockversteigerung Deidesheim 2022 (Foto: SWR)
Geißbock Andreas bekommt statt Schorle einen Eimer Wasser.

Der höchste Preis für einen Deidesheimer Geißbock, der jemals erzielt wurde, lag bei 6.100 Euro - der niedrigste bei 2.200 Euro. Die Tiere stammen von Oliver Wittmer aus Forst, bei ihm wurden sie auch in den vergangenen beiden Jahre weiterhin versorgt.

Frisch vermähltes Ehepaar brachte Geißbock Andreas

In diesem Jahr hatte das frischvermählte Ehepaar Andreas Scherf und Lena Dörrzapf den aktuellen Geißbock Andreas von Lambrecht aus durch den Wald ins Deidesheimer Rathaus gebracht. Der Bock lief aber nicht auf der ganzen Strecke mit, sondern nur in Teilen, den Rest wurde er in einem Transporter gefahren.

Geißbockversteigerung Deidesheim (Foto: SWR)
Im historischen Theaterstück betästigt das Stadtgericht, dass Geißbock Andreas "gut gehörnt und gebeutelt" ist.

Warum wird der Geißbock in Deidesheim versteigert?

Die Tradition der Geißbockversteigerung reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück. Seitdem bringt am Pfingstdienstag das jüngst verheiratete Brautpaar in Lambrecht einen Geißbock frühmorgens durch den Wald zum Deidesheimer Rathaus, wo er versteigert wird. Hintergrund der Tradition sind Weiderechte in Deidesheim, für die der Nachbarort Lambrecht mit einem Geißbock gezahlt hatte. Der Tag der Versteigerung gilt in Deidesheim als "wichtigster Feiertag im Jahr".

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