Zurück in den Krieg

Pfalz: Flüchtlinge aus der Ukraine kehren nach Kiew zurück - trotz Krieg

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AUTOR/IN
Nicoletta Prevete

Trotz des Kriegs in der Ukraine kehren viele Flüchtlinge in ihr Heimatland zurück. Auch Natalia Kashchuk packt ihre Koffer, um mit ihren Kindern nach Kiew zurückzureisen. Warum verlässt die Familie Bad Dürkheim, obwohl sie dort in Sicherheit ist?

Ukrainerin Natalia Kushchuk mit ihrer Freundin Mila Küssner in Bad Dürkheim (Foto: Privatfoto)
Natalia Kushchuk (l.) mit ihrer Freundin Mila Küssner (r.) Privatfoto

Natalia Kashchuck ist eine zierliche Frau mit einem freundlichen Lächeln. Wenn sie von ihrer Heimat erzählt, dann beginnen ihre Augen zu strahlen. Sie stammt aus einem Vorort der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Hier lebte die Zahnärztin mit ihrer Familie bis zum Ausbruch des Krieges. Dann floh sie mit ihren drei Kindern nach Deutschland. Ihr Mann ist Soldat und kämpft im Krieg gegen Russland.

Jetzt will die Familie zurück. "Ich vermisse sogar die Luft in Kiew, mein Haus, die Dinge, die mich dort umgegeben, meine Kollegen und Freunde, meinen Garten, meine Rosen, einfach alles", sagt die Ukrainerin.

Ukrainerin Natalia Kushchuk  (Foto: privat)
Natalia Kashchuk bei ihrer Arbeit und auf dem Rheinland-Pfalz-Tag in Mainz mit ihren Kindern privat

Fotos aus dem Garten in der Ukraine

Ihr Mann muss Natalia Kashchuck regelmäßig mit Fotos ihrer blühenden Rosen versorgen, damit sie weiß, dass zuhause alles in Ordnung ist. Täglich erreichen die Zahnärztin Textnachrichten von ihren Patienten in Kiew auf dem Handy mit der Frage: "Frau Dr. Kashchuck, wann kehren Sie zurück?".

Ukrainerin Natalia Kushchuk  (Foto: Privatfoto)
Natalia Kushchuks Rosen in ihrem Garten in der Ukraine Privatfoto

Mitte September werden die Kashchucks nach Kiew zurückkehren. Mit dabei auch Natalias Mutter und ihre beiden jüngeren Kinder, Volodymyr (7) und Andri (15). Nur die älteste Tochter Oleksandra (19) habe sich entschlossen in Deutschland zu bleiben, um hier zu studieren. Und Natalia will erst noch ihren Deutschkurs an der Volkshochschule beenden. Auch in Kiew will sie weiter Deutsch lernen.

Auch Angst vor Rückkehr in die Ukraine

Alle ihre geflüchteten Kollegen in der Gemeinschaftspraxis seien bereits wieder nach Kiew zurückgekehrt. Sie sei eine der letzten, die noch in Deutschland geblieben sind. Hat sie keine Angst, in die Ukraine mitten im Krieg zurückzukehren? "Natürlich habe ich Angst", sagt sie. "Die Angst sitzt in meinem Herzen, in meinem Kopf. Und doch hoffe ich, dass zumindest in Kiew das Schlimmste vorbei ist. Dass sich Gräueltaten, wie in Butscha nicht wiederholen". Würde sie im Osten des Landes leben, würde sie nicht zurückzukehren, denn dort wird gekämpft. Aber in der Hauptstadt Kiew ginge das Leben jetzt weitgehend normal weiter.

Sehr viele Ukrainer sind zurück in Kiew

So wie Natalia Kashchuck würden sehr viele Ukrainer und Ukrainerinnen in die Heimat zurückkehren, sagt Mila Küssner. Die ausgebildete Opernsängerin stammt aus der Ukraine, lebt seit vielen Jahren in Bad Dürkheim und engagiert sich für ihre geflohenen Landsleute. "Seit Anfang Juni sind sehr viele Ukrainer und Ukrainerinnen in die Heimat zurückgekehrt. Von den zuvor 700 Geflohenen sind sehr viele nicht mehr in Bad Dürkheim“, erzählt die 42-Jährige.

Kinder haben Heimweh nach Kiew

Ein weiterer Grund, dass Natalia Kashchuk zurück in die Ukraine will, sind die Kinder. Ihnen gefalle es sehr in Bad Dürkheim, aber gerade die beiden Jüngeren Andri und Volodymyr plage Heimweh. Volodymyr vermisse seinen Vater ganz besonders, da der hauptsächlich auf ihn aufgepasst habe, während Natalia arbeitete. Zur Zeit könne er nur per Videotelefonie mit ihm sprechen. Auch der 15-jährige Andri habe sich sehr zurückgezogen, spreche kaum und verlasse vor Kummer kaum noch sein Zimmer.

Zuhause ist heil geblieben

Ihr Zuhause und ihr Garten in dem Vorort von Kiew seien jedenfalls heil und von Bomben verschont geblieben, erzählt sie, denn die Familie lebe in einem reinen Wohngebiet - ohne Fabriken oder Gewerbegebiet in der Nähe. Natalia Kashchuck hofft jetzt, dass Kiew zukünftig nicht wieder zum Kriegsschauplatz in der Ukraine wird.

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