17. Festival des deutschen Films zu Ende

Festival des deutschen Films: 60.000 Zuschauer und ein großes Defizit

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Nach fast drei Wochen ist das Festival des deutschen Films in Ludwigshafen am Sonntag zu Ende gegangen. Rund 60.000 Besucher kamen zur diesjährigen Ausgabe. Der Film "Ivie wie Ivie" um eine Identitätssuche wurde zum besten Werk auf der Parksinsel gekürt.

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Der Film ist das Kinodebüt von Jung-Regisseurin Sarah Blaßkiewitz. "Ivie wie Ivie" handelt von der Suche zweier afrodeutscher Halbschwestern nach ihren Wurzeln. Aus Sicht der Jury gelingt es Regisseurin Blaßkiewitz, die Geschichte mit einem "heiteren, coolen und leichten Ton" zu schildern. Zugleich erzähle die 35-Jährige selbstbewusst und konsequent von ihrer eigenen Herkunft und zeige dabei "ein großes aufscheinendes Talent".

Science-Fiction-Romanze und US-Sozialdrama

Mit dem Preis für das beste Drehbuch wurde "Ich bin dein Mensch" ausgezeichnet. In dem romantischen Science-Fiction-Film geht es um die Liebe zwischen einer einsamen Frau und einer einsamen künstlichen Intelligenz. Drehbuchautoren Jan Schomburg und Maria Schrader verbänden eine "emotional bewegende Geschichte mit intellektuellem Vergnügen", so die Jury.

Der Preis für die beste Regieleistung erhielt Bastian Günther für "One of These Days". Der schon lange in den USA lebende und arbeitende Filmemacher erzählt in dem Werk vom sogenannten "White Trash", also der weißen amerikanischen Unterschicht. Günther sei ein Werk von "großer Humanität" gelungen, mit dem er die Herzen der Jury erobert habe, hieß es.

Menschen schauen auf eine Leinwand. (Foto: Festival des deutschen Films / Foto: Sebastian Weindel )
Festival des deutschen Films / Foto: Sebastian Weindel

Der Publikumspreis des Festivals ging in diesem Jahr an "Sterben ist auch keine Lösung" von Regisseur Ingo Rasper. Individuelle Auszeichnungen erhielten der Schauspieler Dan Stevens ("Ich bin dein Mensch") und Regisseur Gregory Kirchhoff ("Baumbacher Syndrome").

60.000 Besucher auf der Parkinsel

Die 17. Auflage Filmfestival auf der Ludwigshafener Parkinsel lockte nach Angaben der Veranstalter etwa 60.000 Besucher an. Die strenge 2G-Regel, dass nur Geimpfte und Getestete das Festival besuchen durften, sei "goldrichtig" gewesen, bilanzierte Festivalchef Michael Kötz am Samstag. Es habe offenbar ein hohes Sicherheitsbedürfnis bei den Besuchern gegeben, und kaum Beschwerden über die Corona-Maßnahme. Kötz ist sicher: "Ohne die 2G-Regel wären weniger Besucher gekommen - das hat wie eine Versicherung gewirkt. Viele Besucher sind gerade wegen 2G gekommen!" Die Besucherzahl lag weit unter dem Jahr 2019 mit 120.000 Beuschern. "Das sind zwar 50 Prozent weniger als in unserm Rekordjahr 2019, aber die Lust auf Kultur ist auf der Insel deutlich spürbar. Im Vergleich zu Theatern und Konzerten stehen wir noch recht gut da", so Kötz.

Glamour auf dem Roten Teppich in Ludwigshafen

Schauspielerin Claudia Michelsen mit Festivalchef Michael Kötz (Foto: Sebastian Weindel )
Schauspielerin Claudia Michelsen ("Ku'damm", "Polizeiruf 110") wurde mit dem diesjährigen "Preis für Schauspielkunst" des Festivals geehrt. Sie sagte: "Heute bin ich verliebt in Ludwisghafen". Auch schön. Sebastian Weindel Bild in Detailansicht öffnen
"Interessante Gespräche, gute Atmosphäre – es war und ist besonders und besonders schön bei euch!" So lautete das Lob von Schauspielerin Julia Koschitz Festival des deutschen Films Ludwigshafen am Rhein Bild in Detailansicht öffnen
Auf dem Bild sieht man es nicht, aber: Bjarne Mädel kam ganz locker in kurzen Hosen aufs Festival: "Ich bin total überwältigt, dass dieses Kino hier so gefüllt ist. Das haben wir alle so lange nicht erlebt. Dann macht Kino doch gleich viel mehr Spaß!" Festival des deutschen Films / Arthur Bauer Bild in Detailansicht öffnen
Schauspieler Ulrich Matthes (li.) räumte den zweiten "Preis für Schauspielkunst" ab: "Das Schönste an der Stadt Ludwigshafen ist das Festival", sagte er. Sein Kollege Justus von Dohnányi (re.) meinte: "Es war eine große Freude, euch alle kennenzulernen und einen so wunderschönen Abend mit euch zu verbringen." Festival des deutschen Films Ludwigshafen am Rhein Bild in Detailansicht öffnen
"Die lockere Atmosphäre, die Würdigung des deutschen Films und toll, dass es keine Unterscheidung gibt zwischen Kino und Fernsehen." – Nina Hoger, Schauspielerin, mit ihrer Mutter Hannelore Hoger, Schauspielerin. Festival des deutschen Films Ludwigshafen am Rhein Bild in Detailansicht öffnen
Selbst Weltstar Jürgen Prochnow ("Das Boot") zeigte sich laut Festival beeindruckt von der Reaktion des Publikums auf seinen Film "Eine Handvoll Wasser": "Das hatte ich nicht erwartet", sagte der 80-Jährige. picture alliance/Uwe Anspach/dpa Bild in Detailansicht öffnen
Schauspieler Rainer Bock war nicht zum ersten Mal auf dem Festival in Ludwigshafen, aber zum ersten Mal als Jurymitglied für den Filmkunstpreis 2021 picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jens Kalaene Bild in Detailansicht öffnen

Große Herausforderungen bei der Planung

Bis vergangenen Sonntag wurden fast 55.000 Kinotickets verkauft. Nachdem das Münchner Filmfest 25.500 Besucher gemeldet hat und die Berlinale 60.000, ist das 17. Festival des deutschen Films Ludwigshafen am Rhein auf dem besten Weg an die Spitze - trotz aller Widrigkeiten. Die Planung der diesjährigen Festivalausgabe sei eine Herausforderung und äußerst schwierig gewesen, so Kötz. "Alle drei, vier Wochen haben sich die Corona-Verordnungen geändert." Es habe kaum Planungssicherheit bestanden.

Schauspieler Joachim Król gibt auf dem Festival des deutschen Films in Ludwigshafen Autogramme (Foto: Festival des deutschen Films / Foto: Sebastian Weindel )
Schauspieler Joachim Król gibt auf dem Festival in Ludwigshafen Autogramme Festival des deutschen Films / Foto: Sebastian Weindel

Hohes Defizit wegen Mehrkosten und halbvoller Zelte

Das Filmfestival hat diemal nach eigenen Angaben ein Defizit von etwa 200.000 Euro eingefahren. Grund dafür sei, dass die Kino-Zelte nur zur Hälfte besetzt werden durften, außerdem sei der Personalaufwand drei Mal so hoch wie sonst gewesen - wegen der Einlasskontrollen, an denen die Besucher ihre Impfausweise bzw. die Genesenen ihre Nachweise zeigen mussten. Um das finanzielle Defizit auszugleichen, seien Bundesmittel aus dem Sonderfonds der Bundesregierung für Kulturveranstaltungen in Corona-Zeiten beantragt worden, so Kötz.

Schauspielerin Claudia Michelsen (Archivbild) (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa | Britta Pedersen)
Schauspielerin Claudia Michelsen (Archivbild) picture alliance / Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa | Britta Pedersen

Finale auf der Parkinsel

Seit dem 1. September waren auf der Parkinsel insgesamt 74 Filme in Kinozelten und im Freien zu sehen, die um den Publikumspreis konkurrierten. Für den diesjährigen Filmkunstpreis, der diesmal nicht dotiert war, waren 17 Filme nominiert.

Michelsen und Matthes ausgezeichnet

Die Preise für Schauspielkunst gingen in diesem Jahr an Claudia Michelsen und Ulrich Matthes. Zu Gast auf der Parkinsel waren laut Festival außerdem unter anderem die Schauspieler und Schauspielerinnen Jürgen Prochnow ("Das Boot") , Bjarne Mädel ("Der Tatortreiniger"/ "25 km/h"), Maren Kroymann oder Karoline Eichhorn.

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SWR