Russlands Krieg gegen die Ukraine

Erste Flüchtlinge aus der Ukraine in der Pfalz angekommen

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Auch in der Pfalz sind die ersten aus der Ukraine geflohenen Menschen angekommen, unter anderem in Neustadt, Speyer, Schifferstadt und Lambsheim.

Ukrainische Flüchtlinge bei ihrer Ankunft im pfälzischen Lambsheim (Foto: SWR)
Ankunft der aus der Ukraine geflüchteten Menschen in Lambsheim

Eine lange Fahrt haben die zehn Ukrainerinnen und Ukrainer hinter sich, als sie am Donnerstagnachmittag endlich in Lambsheim im Rhein-Pfalz-Kreis ankommen. Das Erste, wonach nach der Begrüßung in Lambsheim fragen, sind WLAN und Telefonier-Möglichkeiten. Die Erwachsenen wollen sich so schnell wie möglich bei den Verwandten melden, Bescheid geben, dass sie endlich sicher angekommen sind.

Mutter in Lambsheim, Tochter im Kriegsgebiet

Eine 45-jährige Frau berichtet, sie habe Angst um ihre Tochter: Die sei Ärztin und habe mit ihrem Mann in der Ukraine bleiben wollen, um zu helfen. Sie selbst hat noch einen vierjährigen Jungen dabei.

Der habe während der Bombardements fürchterliche Angst gehabt, erzählt die 45-Jährige. Um ihn abzulenken, habe sie den Kleinen die ganze Zeit Zeichentrickfilme in voller Lautstärke gucken lassen. Trotzdem habe er ständig gefragt: "Mama, sind das Bomben?"

Einer anderen Frau, 30 Jahre alt, stehen die Tränen in den Augen. Auch sie sagt, sie mache sich Sorgen um ihre Familie. Sie sei spontan geflohen, weil ihr Zuhause in der stark umkämpften Stadt Charkiw unter Beschuss geraten sei.

Viele Geflüchtete wollen nahe ihrer Heimat bleiben

Die Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim hatte sich urspünglich auf mehr Geflüchtete eingestellt. Aber die Ukrainer berichten, dass viele ihrer Nachbarn, Freunde und Familienmitglieder lieber in der Nähe ihres Zuhauses hätten bleiben wollen: Sie wagen sich nicht allzu weit von der Grenze der Ukraine fort, weil sie hoffen, dass sich die Situation bald bessert. Oder weil sie sich sorgen, um andere, die hinter der Grenze zurückgeblieben sind, erzählt Marie Sauter vom Deutschen Roten Kreuz Lambsheim, die mit vor Ort war.

Bedrückende Szenen an der Grenze zur Ukraine

Die Situation und Emotionen an der polnisch-ukrainischen Grenze seien für sie eine Grenzerfahrung gewesen, berichtet die Mechatronikerin. Für sie sei vorher trotzdem sofort klar gewesen, dass sie mitfahren wolle: "Ich bin kein Arzt, ich kann keine Leben retten. Ich bin auch kein Soldat und kann mein Land nicht verteidigen. Wenn das Einzige ist, wie ich helfen kann, einen Bus zu fahren, für Leute, die Hilfe brauchen, dann verdammt nochmal tue ich das."

Flüchtlinge aus der Ukraine werden in Lambsheim im Gemeindesaal mit einem Mittagessen empfangen (Foto: SWR)
Begrüßung und Stärkung nach der langen Reise im Lambsheimer Gemeindesaal

Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim plant weitere Fahrten

Die Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim hatte am Montag vier Kleinbusse losgeschickt, um die Menschen aus dem polnisch-ukrainischen Grenzgebiet abzuholen. Unter anderem sollten die Verwandten einer Frau aus Lambsheim in die Pfalz geholt werden. Einer der Kleinbusse durfte die Grenze zu Polen allerdings nicht passieren, so dass nicht alle Flüchtlinge mitgenommen werden konnten. Weitere Fahrten sind aber geplant, so der Bürgermeister. Auch, weil sich so viele Menschen in der Verbandsgemeinde als Gastfamilien angeboten hätten.

Gehörlose Sportler aus der Ukraine in Schifferstadt

Auch in Schifferstadt sind am Donnerstag 28 Flüchtlinge aus der Ukraine angekommen. Sie wurden in der Sportschule des Landessportbundes untergebracht. Nach Angaben des Landessportbundes handelt es dabei um Gehörlosensportler und ihre Familien. Wie die Leiterin der Schifferstadter Sportschule dem SWR mitteilte, sind die Geflüchteten mit eigenen Pkws aus der Ukraine angereist.

Sie kommen aus Tscherkassy, 200 Kilometer südöstlich von der Hauptstadt Kiew entfernt. Auch Kinder seien dabei, das jüngste sei erst zwei Jahre alt. Die Geflüchteten seien dankbar, in der Sportschule unterzukommen. Dort werden sie laut der Leiterin mit Frühstück versorgt. Die Sportschule-Mitarbeiter kümmerten sich zudem um Kleidung und Spielzeug für die Kinder. Nach Angaben des Gehörlosensportclubs Frankenthal, der die Unterbringung in Schifferstadt organisiert hat, werden am Freitag weitere Menschen aus der Ukraine erwartet.

Ukrainische Flüchtlinge am Grenzübergang zu Polen (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Bislang sind nach UN-Angaben bereits eine Million Menschen aus der Ukraine geflohen Picture Alliance

Erste ukrainische Familien in Neustadt

In Neustadt kamen am Mittwochnachmittag nach Angaben eines Stadtsprechers zwei Familien an: Insgesamt vier Erwachsene und drei Kinder. Eine Familie sei in einer städtischen Unterkunft untergebracht worden, die andere Familie sei privat untergekommen. Insgesamt könne die Stadt 120 Flüchtlinge aufnehmen.

Geflüchtete aus der Ukraine in AfA Speyer

In Speyer waren bereits Anfang der Woche die ersten Ukrainer in der Aufnahme-Einrichtung für Flüchtlinge in Speyer (AfA) aufgenommen worden, acht Erwachsene und drei Kinder.

Wie eine Sprecherin der zuständigen Aufsichts- und Genehmigungsdirektion in Trier dem SWR sagte, waren die Ukrainer zuvor bei Verwandten zu Besuch und haben sich dann dazu entschlossen in Deutschland zu bleiben. Den Familien gehe es den Umständen entsprechend gut.

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