Seit 1955 wird in der Pfalz Erdöl gefördert. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / dpa | Ronald Wittek)

Ölembargo und Klimawandel

Energiekrise: So viel bringt Erdöl aus Rheinland-Pfalz

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Bisher importierte Deutschland das meiste Rohöl aus Russland. Diese Quelle bricht nun weg und so werden selbst die Ölquellen in Rheinland-Pfalz attraktiv - zum Ärger der Anwohner.

Nach Schleswig-Holstein und Niedersachsen ist Rheinland-Pfalz das drittgrößte Erdöl-Förderland. 2021 kamen rund sieben Prozent des heimischen Erdöls aus Rheinland-Pfalz. Insgesamt ist das Vorkommen gering, gerade einmal 1,8 Millionen Tonnen Erdöl wurden 2021 in Deutschland aus der Erde geholt. Nur knapp zwei Prozent unseres Bedarfs können damit gedeckt werden, aber in der aktuellen Krisensituation ist jeder Tropfen kostbar.

Im Rheintal wird seit Jahrzehnten Öl gefördert

Seit Jahrzehnten wird im Rheintal nach Öl gebohrt. Rund um Landau gehören die "nickenden Pferdekopfpumpen" seit 1955 zum Landschaftsbild. Das Ölfeld Römerberg bei Speyer wurde 2003 eher zufällig entdeckt. Eigentlich wollte man dort die Chancen für Erdwärme erkunden. Seit 2008 wird dort nun von der Firma Neptune Energy aus 2.000 Meter Tiefe Öl gefördert.

Die Karte zeigt die Standorte von aktiven Ölfeldern in der Pfalz und den Standorten, wo nach Erdöl gesucht wird (Foto: SWR)

Neue Ölquellen in der Pfalz

Nun sollen rund um Speyer und Landau Erkundungsplattformen entstehen, um neue Ölvorkommen aufzuspüren. Die rheinland-pfälzische Landesregierung ist sich allerdings uneinig.

Das grün-geführte Umweltministerium fordert, dass bei Ölbohrungen und Erkundungen Umweltfaktoren stärker berücksichtigt werden. Das FDP-geführte Wirtschaftsministerium ist dagegen der Ansicht, angesichts der Energiekrise müsse die Erforschung heimischer Energiequellen erleichtert werden: "Mit Blick auf die Herausforderungen hinsichtlich des schrecklichen Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine wird die Bedeutung heimischer Rohstoffe einmal mehr deutlich." Dabei gehe es auch darum, "die heimischen Rohstoffvorräte in den Blick zu nehmen, um die Versorgung unseres Landes und unserer Wirtschaft mit Rohstoffen sicherzustellen", so das Wirtschaftsministerium.

Landesamt für Geologie unterstützt Ölbohrungen in der Pfalz

Das Landesamt für Geologie und Bergbau (LGB) hat jedenfalls sowohl Erkundungsplattformen in Offenbach an der Queich als auch auf einem Feld bei Otterstadt in der Pfalz genehmigt. Das Konsortium Neptune Energy und Palatina GeoCon hofft, dort Öl fördern zu können. Der Direktor des Landesamtes, Georg Wieber, sagte: "Wir können nicht erwarten, dass aus aller Welt Energie zu uns kommt - wir müssen auch selbst etwas tun." Zwar sei im Koalitionsvertrag der Landesregierung der Verzicht auf Ölbohrungen vereinbart, aber der dürfe angesichts der aktuellen politischen und wirtschaftlichen Umstände nicht unumstößlich sein.

Noch ist nicht sicher, ob bei Otterstadt wirklich Erdöl zu finden ist oder vielleicht doch nur Wasser. Um das zu klären, müssen Probebohrungen gemacht werden. Das Konsortium verweist auf höchste Sicherheitsvorkehrungen bei der Erkundung und Ölförderung.

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Risiken für die Umwelt bei der Erdölförderung

Lokale Bürgerinitiativen kämpfen gegen die geplante Ölbohrung. Die Bürgerinitiativen "Kein Öl Otterstadt" und "Kein Erdöl aus Offenbach" befürchten, dass Borschlämme giftigte Substanzen zu Tage bringen könnten, das Grundwasser verseucht oder durch die Erschütterungen der Bohrarbeiten Gebäude beschädigt werden könnten.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) ist noch aus einem anderen Grund gegen die Öl-Erkundung bei Otterstadt: "Die Fläche ist Teil einer winzigen "Insel" inmitten des Landschaftsschutzgebietes Rheinauen, nahe an den Fauna-Flora-Habitat-Flächen (FFH) der Rheinauen, für die strenge Naturschutzregeln gelten, und einem Naturschutzgebiet, mitten in der letzten möglichen Vernetzungslinie vom Pfälzerwald zu den Rheinauen."

Tieren würde dadurch ein Korridor genommen, um von einem Naturschutzgebiet ins nächste zu gelangen und ihren Lebensraum zu erweitern, argumentiert der BUND.

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