Lösung in Sicht?

Streit um illegale Mountainbike-Trails in der Pfalz

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Förster aus dem Kreis Bad Dürkheim haben am Wochenende zu einer ungewöhnlichen Waldbegehung eingeladen. Im Mittelpunkt standen dabei illegal errichtete Mountainbike-Strecken.

Mountainbiker im Wald (Foto: IMAGO, Christian Heilwagen)
Einige Mountainbiker bauen illegale Trails im Pfälzerwald (Symbolbild) Christian Heilwagen

Worum geht der Streit?

Im Gemeindewald Niederkirchen im Kreis Bad Dürkheim haben Mountainbiker eine illegale Downhill-Strecke gebaut – in unmittelbarer Nähe zu einer bereits 2017 illegal errichteten Strecke. Die zuständigen Förster haben dafür kein Verständnis.

Streit steigerte sich

Eine Trotzreaktion – das soll der Bau der neuen Strecke gewesen sein. Schließlich sei die Ältere kurz zuvor gesperrt worden, so heißt es aus Bikerkreisen. Die Jäger und Förster sagen jedoch, eine solche Sperrung habe es nie gegeben. Diese aktuelle Streitigkeit sei ein Beispiel dafür, wie sich die gesamte Debatte rund um Bikertrails im Pfälzerwald in den letzten Monaten hochgeschaukelt habe, sagte Forstrevierleiter Robert Kirchner.

Waldbegehung mit allen Parteien

Um das zu ändern, lud er zu einer Waldbegehung entlang der beiden illegalen Radstrecken ein. Alle von der Thematik betroffenen Parteien wie Wanderer, Biker, Jägerschaft, Forst und Waldbesitzer waren bei der Wanderung vertreten, sodass ein direkter Austausch möglich war.

"Das Katz-und-Maus-Spiel, die "bösen Behörden" gegen die "freiheitsliebenden Radfahrer" – das bringt doch nichts.“

Forderung: Biker sollen sich koordinieren

Aus Perspektive des Forstes liege das Problem mit den Downhill-Strecken primär darin, dass sie illegal seien. Der Wald gehöre den Kommunen und die Biker könnten nicht einfach auf fremden Grund und Boden private Sportstätten errichten. Das sei nicht nur ein Eingriff in fremdes Eigentum, sondern würde auch das gesamte Ökosystem Wald stören. Ohne Absprache in Naturschutzgebiete, Jagdbezirke oder Wanderwege zu bauen, führe zu Problemen mit den anderen Waldnutzern. Deswegen hat der Forstrevierleiter Robert Kirchner auch die klare Forderung an die Biker, sich untereinander zu koordinieren, um so die illegalen Bauauktionen Einzelner zu unterbinden.

Fehlender zentraler Ansprechpartner für Biker in der Pfalz

Dass das illegale Bauen der Trails keine langfristige Lösung ist, steht auch für die Mountainbiker fest. Nur sei die vom Forst geforderte Koordination untereinander in der Praxis gar nicht so einfach zu verwirklichen. Schließlich sei man beim Mountainbiken eher alleine oder in kleineren Gruppen unterwegs und nicht offiziell vernetzt. Es gäbe zwar vereinzelte, über die Pfalz verteilte Radvereine, aber eben keine zentrale Anlaufstelle.

Als Einzelperson an den Forst heranzutreten, um eine legale Strecke zu fordern, funktioniere aber auch nicht. Deswegen würde am Ende illegal gebaut werden.

Warum überhaupt Trails?

Auf die schmalen Trails zu verzichten und stattdessen die breiten Waldwege zu nutzen, die bereits für den Besucherverkehr ausgelegt sind, wie es manche Jäger fordern, sei für die Biker jedoch keine Option. Downhill, also Querfeldein auf schmalen mit Rampen gespickten Pfaden den Hang runterfahren, sei eine ganz andere Sportart. Darin liege der besonder Reiz. Eine solche Abfahrt könne man nicht mit breiten Wander- und Fahrtwegen vergleichen.

Die Biker-Community werde immer größer und dementsprechend auch die Nachfrage nach dezidierten Mountainbike-Strecken. Deswegen sei es auch den Bikern ein großes Anliegen, in Zusammenarbeit mit den anderen Waldnutzern eine Möglichkeit zu schaffen, ihrem Sport legal nachgehen zu können.

Schaden Mountainbikern dem Wald?

Gerade das Querfeldein-Fahren sei jedoch aus Perspektive der Jägerschaft das Hauptproblem. Denn damit würden die Biker direkt durch Wildwechsel-Gebiete und Ruhezonen der Waldtiere fahren.

Dass die Radfahrer durch die Ruhezonen rasen, sei nicht nur ein kurzer Schreck für das Wild, sondern würde langfristig das gesamte Ökosystem Wald durcheinander bringen. Der Trubel bringe die Tiere nämlich aus ihrem natürlichen Rhythmus: wann sie essen, wann sie schlafen und wann sie rauskommen – und damit auch geschossen werden können.

In bestimmten Bereichen des Waldes besteht der Jagdauftrag, die Wildpopulation einzudämmen. Könne der Jäger dieser Pflicht nicht nachkommen, weil er nicht wüsste, wann und wo das Wild rauskommt, führe das schlussendlich zu Wildverbiss. Sprich es würde zu viel Wild leben, das zu viel frisst, und damit den Waldwuchs bedroht. 

Einigung in Sicht?

Am Ende der Waldbegehung war sich ein Großteil der Teilnehmenden einig, dass es sinnvoll sei, einen Teil der bereits bestehenden Trails rückzubauen und dafür einen anderen offiziell zu legalisieren. Hierfür seien zunächst die Waldbesitzer, also die Kommunen gefragt, die der Legalisierung einer in ihrem Gebiert liegenden Strecke zustimmen müssten. Dabei sollen nur solche Trails bestehen bleiben, die für alle Betroffenen an vertretbaren Standorten liegen. Zeitgleich müsse die angekündigte Bereitschaft auf Seiten der Biker, ungünstig gelegene Strecken rückzubauen, in die Tat umgesetzt werden.

Allerdings wären damit noch nicht alle Hürden genommen. Zum einen ist eine Legalisierung mit behördlichem Aufwand verbunden. Zum anderen müssten sich Trägerorganisationen finden, die offiziell die Verantwortung für die bestehende Strecke sowie deren Finanzierung übernehmen. Bis die Biker also auf legalem Wege querfeldein den Berg hinunterfahren dürfen, könnte es durchaus noch ein bis zwei Jahre dauern.

Mit dem Mountainbike unterwegs Radfahren im Pfälzer Wald

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