BASF-Gelände in Ludwigshafen bei Nacht (Foto: dpa Bildfunk, Frank Rumpenhorst)

Folgen des Ukraine-Krieges

BASF und die Unsicherheiten im Geschäftsjahr 2022

STAND

Ein Jahr im Ausklang der Corona-Krise: Viele bei der BASF hätten sich vermutlich ein "normales" Geschäftsjahr gewünscht. Der Ukraine-Krieg stellt nun die Geschäfte auf den Kopf - das zeigt sich auch an den Zahlen.

Video herunterladen (7,4 MB | MP4)

Zu Jahresbeginn liefen die Geschäfte des weltgrößten Chemiekonzerns noch rund. Doch der Ukraine-Krieg und das vorläufige Ende von Nordstream 2 hat nicht nur Auswirkungen auf die BASF-Tochter Wintershall Dea. Das schlägt auch auf den Nettogewinn der BASF im ersten Quartal durch, der um fast 30 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro sinkt. Im eigenen, traditionellen Geschäft hat die BASF nach eigenen Angaben Umsatz und auch Betriebsgewinn im Vergleich zum Vorjahresquartal deutlich steigern können. 

Ludwigshafen

Chemie-Riese im Zeichen des Ukraine-Kriegs BASF-Hauptversammlung: Gewinneinbruch durch Nordstream 2

Im ersten Quartal 2022 konnte der weltgrößte Chemiekonzern BASF den Betriebsgewinn im traditionellen Geschäft im Vergleich zum Vorjahresquartal steigern. Doch das Ende von Nordstream 2 drückt auf den Nettogewinn.  mehr...

Teileinstellung der Geschäfte in Russland und Belarus

Über Jahrzehnte hat der Chemiekonzern BASF versucht, so viel Erdgas wie möglich aus Russland zu bekommen. Was in dieser energiefressenden Industrie ein riesiger Erfolgsfaktor war, wird angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine jetzt zur Falle - und zum Thema auf der heutigen Hauptversammlung. BASF will wegen des Kriegs den größten Teil seiner Geschäfte in Russland und Belarus bis Anfang Juli 2022 einstellen.

Ludwigshafen

Ukraine-Krieg hat Folgen BASF will Russland-Geschäfte reduzieren

Die BASF will ab Juli alle geschäftlichen Aktivitäten in Russland und Belarus außer der Nahrungsmittelproduktion einstellen. Das hat der Konzern am Mittwoch angekündigt.  mehr...

Rückblick: 2014

Es gab ja diese Momente, in denen auch ein Vorstandschef der BASF hätte nachdenklich werden können: 2014, als Russland die Krim annektierte, stand Kurt Bock dem Unternehmen vor und wirkte so gar nicht grüblerisch. Im Gegenteil. Die Geschäftspartner des russischen Staatskonzerns Gazprom seien vertrauenswürdig, zuverlässig und berechenbar, sagte er damals in der Hauptversammlung. Und in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagte er damals: "Die Diskussion darüber, man würde uns den Gashahn abdrehen, finde ich absurd."

Zugriff für russische Gazprom auf Erdgasspeicher

Ein Jahr später überließ dann die BASF-Tochter Wintershall dem russischen Konzern Gazprom das Gashandelsgeschäft und einen großen Erdgasspeicher in Deutschland – im Tausch gegen Förderrechte an einem Erdgasfeld in Sibirien. Das wurde damals schon kritisiert und erscheint heute angesichts des Krieges gegen die Ukraine sehr verwegen. Offizielles Statement der BASF dazu: Hätte der Konzern seine Anteile am Speicher- und Handelsgeschäft behalten, hätte das nicht zu mehr Versorgungssicherheit geführt.

Stammwerk droht die Abschaltung

Jetzt ist es die BASF, die vor einem einseitigen Embargo von russischem Gas warnt. Im Stammwerk in Ludwigshafen haben sie schon simuliert, was es bedeutet, wenn die Erdgasversorgung eingeschränkt wird. Mit etwa der Hälfte des maximalen Erdgasbedarfs käme das Werk mit seinen vielen, voneinander abhängigen Fabriken gerade noch so hin, darunter müsste der ganze Komplex abgeschaltet werden.

Video herunterladen (8,3 MB | MP4)

In Ludwigshafen arbeiten rund 38.000 Menschen für die BASF. Und im vergangenen Jahr hat die BASF in Ludwigshafen rund 37 Terrawattstunden Erdgas verbraucht, die Hälfte als Rohstoff zur Produktion, die andere Hälfte für die Strom- und Dampferzeugung. Damit könnten auch über eine Million Einfamilienhäuser geheizt werden.

Ludwigshafen

Drohender Produktionsstopp in Ludwigshafen BASF-Chef warnt: Das bedeutet Gas-Boykott für deutsche Wirtschaft

Weniger Gaslieferungen aus Russland könnten laut BASF zu Prdouktionsstopp in Ludwigshafen führen. Laut BASF-Chef könnte ein Import-Stopp für Deutschland die schwerste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg bedeuten.  mehr...

Jetzt noch schneller auf Erdgas verzichten

Von diesen gewaltigen Mengen an Erdgas will die BASF ohnehin weg, um bis 2050 klimaneutral produzieren zu können. Aber so schnell geht das nicht. Dazu braucht es neue Techniken und vor allem sehr viel Strom aus erneuerbaren Energien. Gerade erst hat BASF ein weiteres Windkraftprojekt gemeinsam mit Vattenfall angekündigt. Aber noch stehen die Offshore-Windparks vor der niederländischen Küste nicht, doch das Ziel ist gesetzt und im Werk Ludwigshafen wollen sie jetzt noch schneller sein, als zunächst geplant – um die Abhängigkeit von fossiler Energie "mittelfristig deutlich zu reduzieren“, so die Stellungnahme.

Immerhin, das klingt deutlich anders, als das was der damalige Vorstandschef Kurt Bock 2014 noch zur geplanten Energiewende sagte. Bis 2050 auf einen Anteil von 80 Prozent erneuerbarer Energie kommen zu wollen, sei zu ehrgeizig und unrealistisch.

Ludwigshafen

Im Kriegsgebiet eingeschlossen Pfälzer Unternehmen sorgen sich um Mitarbeiter in der Ukraine

Der Krieg in der Ukraine hat nicht nur wirtschaftliche Folgen für Unternehmen in der Pfalz. Unternehmen wie die BASF in Ludwigshafen und KSB Frankenthal beschäftigen dort auch Mitarbeiter - und sorgen sich um deren Sicherheit.  mehr...

Ludwigshafen

Chemie-Riese im Zeichen des Ukraine-Kriegs BASF-Hauptversammlung: Gewinneinbruch durch Nordstream 2

Im ersten Quartal 2022 konnte der weltgrößte Chemiekonzern BASF den Betriebsgewinn im traditionellen Geschäft im Vergleich zum Vorjahresquartal steigern. Doch das Ende von Nordstream 2 drückt auf den Nettogewinn.  mehr...

Ludwigshafen

Im Kriegsgebiet eingeschlossen Pfälzer Unternehmen sorgen sich um Mitarbeiter in der Ukraine

Der Krieg in der Ukraine hat nicht nur wirtschaftliche Folgen für Unternehmen in der Pfalz. Unternehmen wie die BASF in Ludwigshafen und KSB Frankenthal beschäftigen dort auch Mitarbeiter - und sorgen sich um deren Sicherheit.  mehr...

Ludwigshafen

Russische Rohstoffe für Batterien BASF: Trotz Ukraine-Kriegs weiter mit russischem Geschäftspartner?

Seit Monaten werden schärfere Sanktionen gegen Russland heiß diskutiert. Der Chemiekonzern BASF setzt unterdessen bei seinem Batterie-Projekt weiter auf einen russischen Bergbaukonzern.  mehr...

STAND
AUTOR/IN