Die JVA Frankenthal (Foto: IMAGO, imago images)

Mehr Sozialarbeit vorab könnte helfen

JVA Frankenthal: Arme Menschen landen zu schnell im Gefängnis

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Die Leiterin des Frankenthaler Gefängnisses, Gundi Bäßler, spricht sich dafür aus, Menschen zu helfen, bevor sie im Knast landen. Der Grund: Es gibt zu viele Inhaftierte, die beispielsweise fürs Schwarzfahren ins Gefängnis müssen, weil sie die Geldstrafe nicht zahlen können.

JVA-Chefin Bäßler fordert mehr vorbeugende Sozialarbeit statt Knast für Bagatellstrafen: Oft könnten etwa wohnsitzlose oder alkoholkranke Menschen ihre Geldstrafen zum Beispiel wegen Schwarzfahrens oder anderer Delikte nicht bezahlen. Zahlungsaufforderungen würden häufig nicht einmal geöffnet. Dann werde diese Geldstrafe in eine Haftstrafe umgewandelt - eine sogenannte Ersatzfreiheitsstrafe.

Gefängnisleiterin: Unterstützung wäre besser als Wegsperren

Die Gesellschaft müsse hier mehr Hilfen im Alltag anbieten, sagte JVA-Leiterin Bäßler dem SWR, und den Menschen helfen, "die sich selbst vernachlässigen." Sonst würden den Ersatzfreiheitsstrafen oft weitere richtige Straftaten folgen, für die diese Menschen erst recht eine Gefängnisstrafe bekämen.

Aktuell sitzen fast 80 Männer wegen Bagatellen und darauf folgenden Ersatzfreiheitsstrafen in der JVA Frankenthal ein. Das sei ein ziemlich hoher Anteil, so Bäßler.

Schockierendes Beispiel aus der JVA Frankenthal

Ein solcher Fall eskalierte am Mittwoch, erzählt Bäßler. Die Polizei brachte einen Betrunkenen zum Antritt seiner Ersatzfreiheitsstrafe. Der Mann hat dann zuerst einmal die Gefängniszelle zerlegt: einen Stuhl zertrümmert, den Toilettendeckel zerstört und Putz von der Wand heruntergeschlagen. Der Frust über die Haftstrafe war offenbar groß.

Eine Gefängniszelle, in der Stücke eines Stuhls und einer stertörten Klobrille auf dem Boden liegen. (Foto: JVA Frankenthal)
Der Eingesperrte hat den Stuhl aus der Zelle auseinandergenommen. JVA Frankenthal

Gefängniskosten trägt der Steuerzahler

Solcher Vandalismus kostet das Gefängnis dann zusätzlich Geld. Und jeder Haft-Tag, den die Inhaftierten beispielsweise wegen Schwarzfahrens im Gefängnis verbringen, kostet den Steuerzahler etwa 130 Euro, erklärt die JVA-Leiterin. Da wünsche sie sich, dass den Menschen bereits vor einer Gefängnisstrafe geholfen wird. Es brauche mehr Sozialarbeit und sei besser darin zu investieren, sagt Bäßler.

Eine Ersatzfreiheitsstrafe ist in der Regel kürzer als eine normale Freiheitsstrafe. Es dürften aber trotzdem nicht noch mehr Menschen im Gefängnis landen, bekräftigt Bäßler. Sie fordert jetzt, beispielsweise das Schwarzfahren in Bussen und Bahnen zu einer Ordnungswidrigkeit herabzustufen - um zu verhindern, dass noch mehr Menschen wegen Fahrens ohne Fahrschein im Gefängnis landen können.

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