Weinfest in Deidesheim

Trend zu klimaverträglichen Feiern

Wie das kleine Deidesheim seine großen Feste nachhaltig feiert

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Autor/in
Oliver Nieder

Immer mehr Städte und Gemeinden wollen nachhaltig feiern. Dafür erarbeiten sie Leitlinien und Checklisten. Das pfälzische Deidesheim bewältigt so seit Jahren seine großen Feste.

Wenn in Deidesheim gefeiert wird, dann geht es nicht um zwei, drei Weinständchen um die Ecke. "Unsere Kerwe gehört zu den größeren Weinfesten in der Pfalz", sagt Stefan Wemhoener. Mit 100.000 bis 150.000 Besuchern. Der Weihnachtsmarkt habe eine ähnliche Dimension, erläutert der Geschäftsführer der Tourist Service GmbH Deidesheim. Dennoch hat sich die 3.800-Einwohner-Stadt auf die Fahnen geschrieben, ihre Feste nachhaltig auszurichten.

"Mehr Freiraum statt Gedränge"

Das fängt bei der Größe an. "Wir wollen nicht immer mehr Stände, sondern mehr Freiraum statt Gedränge", beschreibt Wemhoener den Anspruch. Ein Ergebnis: Der Weihnachtsmarkt wurde inzwischen von 110 auf 80 Stände reduziert. "Die Rückmeldungen sind gut, die Leute sind entspannter. Weniger ist mehr."

Die Leute zum Weinfest auf die Schiene kriegen

Klassiker Strom: "Mit den Stadtwerken haben wir einen Deal, dass wir die Veranstaltungen nur aus nachhaltigen Energiequellen versorgen", so Wemhoener. Das Licht auf dem Weihnachtsmarkt wurde vor einigen Jahren schrittweise auf LED umgerüstet - für bis zu 60.000 Euro.

Doch das sei nur der kleinere Beitrag. "Entscheidend ist das Verkehrskonzept, wir wollen die Leute auf die Schiene kriegen", sagt der Touristik-Mann. Dafür sind bei der Weinkerwe Sonderzüge im Einsatz, die eine Abreise auch noch nach 23 Uhr möglich machen sollen. Bei allen Marketing-Aktivitäten verweise man auf den ÖPNV. "Es sollen möglichst Wenige mit dem Auto an- und abreisen. Deidesheim ist immerhin auch ein Luftkurort."

Einweg-Besteck gibt es auf den Festen laut Wemhoener bereits seit zehn Jahren nicht mehr. Bei neuen Ständen werde geschaut, wer wie Müll vermeiden könne. Beispiel Zutaten: "Obst und Gemüse ist gut, aber soweit es geht aus der Region." Man versuche zu ermuntern und zu unterstützen, aber man sage auch, was gehe und was nicht. So sind auf dem Weihnachtsmarkt die nachhaltig produzierten Papiertaschen für den Geschenkekauf vorgegeben.

Bei neuen Ständen gibt es eine Einzelfall-Prüfung durch eine Kommission. Manche Standbetreiber würden sich inzwischen bereits aus eigener Initiative unter Nachhaltigkeits-Kriterien bewerben.

Rotwein nur aus der Region

Auch Kontrollen sollen helfen. Beim Weihnachtsmarkt ist nur Glühwein zugelassen, der aus Rotwein aus der Region hergestellt wurde. So wollen sie in Deidesheim drei Fliegen mit einer Klappe schlagen: "Es wird Qualität geboten, die Transportwege sind kurz und regionale Betriebe werden gefördert", sagt Wemhoener. Dafür nehme man verdeckte Proben oder lasse sich von den Anbietern einen Nachweis über die Herkunft des Weins zeigen. Auch bei der klassischen Bratwurst wisse man, dass das Fleisch aus der Region komme.

Beim Glühwein sei man schon vor 15 Jahren sehr konsequent vorgegangen. Vieles andere wie zum Beispiel die Müllvermeidung habe sich in den vergangenen Jahren entwickelt.

Marktplatz in Deidesheim
Auch der Deidesheimer Weihnachtsmarkt bemüht sich um Nachhaltigkeit

Deidesheim in der Vereinigung lebenswerter Städte

Dass Deidesheim in Sachen Nachhaltigkeit bei Festen so weit sei, begründet Wemhoener so: "Wir haben früh angefangen." Seit 2009 ist der Ort Mitglied im cittaslow-Netzwerk. Dieses Netzwerk sieht sich als internationale Vereinigung lebenswerter Städte. Rund 380 Kommunen gehören ihr an. Deidesheim ist offizieller Sitz des deutschen Ablegers.

Grundlage für die nachhaltige Ausrichtung von Festen und Feiern können Leitfäden sein, die zuletzt in mehreren Städten auch in Rheinland-Pfalz entstanden sind (siehe Infokasten). An dem Leitfaden für die Deutsche Weinstraße, der 2022 erschien, war Wemhoener beteiligt.

Austausch mit anderen Weinfesten

Das Potenzial scheint groß, rund 600 Weinfeste gibt es allein entlang der Weinstraße. "Wichtig ist, dass man sich austauscht mit anderen Veranstaltern und voneinander lernt", sagt Wemhoener. "Da hat jemand die Idee: kompostierbare Teller - kann man mal drüber nachdenken." Und es gebe bereits Weinfeste, die vollständig barrierefrei sind, was als Kriterium der sozialen Nachhaltigkeit gilt. "Da sind wir hier in Deidesheim noch auf dem Weg."

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