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Rheinland-Pfalz lockert weiter: Saunas, Freizeitparks und Freibäder öffnen, aber die Bordelle bleiben dicht. Das Sexgeschäft boome aber trotzdem, sagt eine Speyerer Bordellchefin. Sie fordert, Bordelle zu öffnen und die Frauen so besser zu schützen.

Viele Sexarbeiterinnen aus einem Bordell in Speyer haben finanzielle Schwierigkeiten – wegen Corona (Foto: SWR)

Die Speyerer Bordellchefin Laura hat kein Verständnis dafür, dass die Bordelle nicht öffnen dürfen, Friseur- und Kosmetiksalons aber schon. Ihr Bordell "Lauras Girls" ist schon seit März 2020 wegen Corona dicht, das Personal in Kurzarbeit. Bordellchefin Laura sagt, nur im vergangenen September und Oktober habe das Bordell für ein paar Wochen geöffnet gehabt – unter strengen Hygieneregeln, mit reichlich Desinfektionsmittel und die Freier mussten Namen und Adressen hinterlassen - zur Kontaktnachverfolgung.

Corona-Regeln: Freier ließen sogar Kontaktdaten im Bordell

Geklappt habe das in ihrem Etablissement bestens. "Die Männer waren gottfroh über die Hygienemaßnahmen und waren bereit, uns ihre Ausweisdaten zu lassen." Zwar sei oft viel Überzeugungsarbeit nötig gewesen, "aber dann verstehen die Freier das auch. Wir haben ihnen auch klar gemacht, dass sie dadurch selbst geschützt werden." Genau das Gegenteil sagt das zuständige Familienministerium in Mainz: Bei sexuellen Dienstleistungen gebe es bei den Kunden einen stark ausgeprägten Wunsch nach Anonymität. Das mache die Nachverfolgung schwierig. Einer der Gründe, warum die Bordelle zu bleiben sollen. Eine Öffnung sei vorerst nicht geplant, sagte eine Sprecherin des Ministeriums am Dienstag auf SWR-Anfrage.

Finanzielle Schwierigkeiten für Sexarbeiterinnen wegen Corona: Ein Bett in einem Bordell in Speyer (Foto: SWR)

Frauen in Gefahr, sich mit Corona anzustecken

Frauen, die in der Prostitution arbeiten, würden so in die Illegalität gedrängt und bei ihrer Arbeit der Gefahr einer Ansteckung mit Corona ausgesetzt. Besser sei, die Bordelle zu öffnen – mit Kontrollen und ausreichendem Schutz. Denn viele Frauen arbeiten seit Monaten trotzdem, sagt Laura, nicht in den Bordellen, sondern in privaten Wohnungen, Ferienwohnungen oder Terminwohnungen. "Denn Prostitution ist ja nicht verboten. Die Frauen dürfen arbeiten, aber es gibt keinerlei Hygieneauflagen oder Kontrollen – gar nichts!" Das sei sowohl für die Frauen als auch die Freier gefährlich.

"Das sind unsägliche Zustände und ich kann nicht verstehen, dass die Landesregierung das so hinnimmt."

Rheinland-Pfalz

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Guten Morgen Rheinland-Pfalz SWR1 Rheinland-Pfalz

Auch Frauen aus dem Ausland reisen wieder ein

Während der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020 hätten viele Frauen Angst vor einer Ansteckung mit dem Virus gehabt und in der Zeit nicht gearbeitet. Aber viele bekämen keinerlei staatliche Unterstützung und bräuchten Geld. Auch Frauen aus dem Ausland seien wieder nach Deutschland eingereist, um hier in der Prostitution zu arbeiten.

Karlsruhe

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Aber statt die Bordelle zu öffnen und den Frauen mit Hygieneregeln und Corona-Tests für Freier eine gewisse Sicherheit zu geben, müssten Bordelle geschlossen bleiben und Frauen anderswo anschaffen, kritisiert die Bordellchefin. Sie fordert, die Bordelle zu öffnen - unter strengen Hygieneauflagen und mit Testpflicht für die Freier.

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Sexgeschäft boomt - trotz Corona

Die Zustände seien katastrophal, appelliert sie. Und die Nachfrage nach käuflichem Sex boome und sei nicht weniger geworden, im Gegenteil: Sie sei "genauso groß wie vorher - nur eben ohne Bordelle."

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