Dom zu Speyer Aufnahme vom Aussichtsturm (Foto: SWR)

Neue Missbrauchsfälle im Bistum Speyer

Bistum gründet neue Kommission

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Das Bistum Speyer kämpft erneut mit schweren Missbrauchsvorwürfen. In einer Pressekonferenz am Mittwoch gab die Kirche bekannt, eine unabhängige Aufarbeitungskommission zu gründen.

Ein hochrangiger Geistlicher namens Rudolf Motzenbäcker soll sich in den 1960er und 1970er Jahren hundertfach an Heimkindern in Speyer vergangen haben. Die Schwestern aus den Heimen sollen ihm die Kinder direkt zugeführt haben.

Jetzt hat das Bistum Speyer in einer Pressekonferenz mitgeteilt, wie solche Missbrauchsfälle in Zukunft aufgearbeitet werden sollen und vor allem wie sie verhindert werden können.

Priester (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Jochen Lübke)
Erneut schwerer Missbrauchsfall im Bistum Speyer picture alliance/dpa | Jochen Lübke

Unabhängige Aufarbeitungskommission gegründet

Das Bistum will, dass es eine unabhängige Aufarbeitungskommission gründen werde. Sie soll vertreten werden durch zwei Betroffene, zwei Mitglieder der Landesregierungen in Rheinland-Pfalz und im Saarland sowie durch zwei Vertreter des Bistums. Außerdem soll ein Mitglied des Katholikenrates der neuen Kommission angehören.

Mareike Ott wird beispielsweise als Vertreterin des Bistums mit dabei sein. Sie leitet den Notruf (den Verein „Wildwasser“) für sexualisierte Gewalt an Frauen und an Mädchen in Ludwigshafen. Außerdem sollen Anne Sandhöfer, Vizepräsidentin des Oberlandesgerichtes in Saabrücken und Bernhard Scholten, ehemaliger Abteilungsleiter des rheinland-pfälzischen Sozialministeriums zur Kommission gehören.

Eigene Geschäftsstelle ab Ostern

Zurzeit sei man noch mit der Bildung der Kommission beschäftigt. Die Corona-Pandemie erschwere allerdings die Suche nach Mitgliedern. Vor allem zu Betroffenen sei es momentan schwierig einen Kontakt zu bekommen. An Ostern soll die Arbeit dann aber konkret losgehen. Und zwar mit einer eigenen Geschäftsstelle.

Botschaft der Kommission

Die neu gegründete Kommission wolle eine klare Botschaft aussenden:

Klinikum Landau (Foto: SWR)
Klinikum Landau Bild in Detailansicht öffnen
Bekleidungsgeschäft in der Pfalz Bild in Detailansicht öffnen
Spielzeuggeschäft in Ludwigshafen Bild in Detailansicht öffnen
...hier beleuchtet bei Nacht .... Bild in Detailansicht öffnen

"Wir glauben euch, also den Betroffenen und ziehen eure Aussagen auf keinen Fall in Zweifel. Wir schaffen euch Raum über alles zu sprechen. Wir erkennen euer Leid an und wir sorgen als Kirche für Widergutmachung."

Außerdem müsse den Bistumsmitgliedern bewusst sein, dass solche Fälle keine Einzelfälle sind. Es gebe, auch im Bistum Speyer, viel zu viele Missbrauchsfälle, die jederzeit wieder passieren könnten, würde sich die Struktur der Kirche nicht verändern.

Vorbeugen durch veränderte Kirchenkultur

Wie das Bistum Speyer weiter mitteilte, muss sich die Kirchenkultur verändern. Es sei wichtig, dass man Kindern und Jugendlichen das Gefühl gebe zuzuhören. Dann gebe es auch eine Chance, dass die Opfer von ihren Erlebnissen berichten.

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