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Die Bayreuther Straße gilt als einer der ältesten sozialen Brennpunkte Deutschlands. Die Menschen leben an der Armutsgrenze in prekären Wohnverhältnissen. Hier kommen die Fakten.

Die Bayreuther Straße in Ludwigshafen gilt als einer der ältesten sozialen Brennpunkte Deutschlands und gehört zum städtischen Einweisungsgebiet: Hier zieht ein, wer sonst auf der Straße und in der Obdachlosigkeit landen würde. Aktuell sind es laut Stadtverwaltung etwa 500 Menschen. Einige von ihnen leben in Zuständen, die menschenunwürdig und zum Teil auch gesundheitsgefährdend, vom Schimmel an den Wänden bis hin zum Holzofen in der Ecke. Zentralheizungen gibt es nicht, die Wohnungen entsprechen alle nicht dem aktuellen Standard.

Bayreuther Straße (Foto: SWR, Filmreif TV)
Bayreuther Straße Filmreif TV

Bewohner mit vielen Problemen

Die Stadt Ludwigshafen weiß das. Vereinzelt gebe es solche Wohnsituationen, so Sozialdezernentin Beate Steeg. Das läge manchmal aber auch an den Bewohnern selbst: Die Menschen hier hätten oft schon mehrfaches Scheitern hinter sich. Es gibt Suchterkrankungen, psychische Probleme und einiges anderes, was auch in der Wohnung Spuren hinterlassen kann. Um die Ecke ist die Ludwigshafener Tafel.

Hinzu kommt die Gebäudestruktur. Zum Teil leben die Menschen in der Bayreuther Straße in Schlichthäusern aus den 50er Jahren. Gebäude, bei denen nicht nur an Ausstattung gespart wurde, sondern Standards bewusst unterlaufen worden sind. "Das politische Denken, wie man mit Menschen umgeht, die in Not geraten sind, hat sich aber mittlerweile verändert – Gott sei Dank!", sagt Beate Steeg. Die Stadt Ludwigshafen verfolgt nun ein Sozialkonzept und geht das Problem von zwei Seiten an. Zum Ersten sollen bauliche Mängel an den Wohnhäusern beseitigt werden. Auch von Abriss und Neubau ist die Rede. Aber von Planung über Finanzierung bis zur Umsetzung sei es ein langer Weg. Verwaltungen und Behörden müssten sich da nun mal an gewisse Rahmenbedingungen halten, so Steeg.

Sozialdezernentin Beate Steeg (SPD) im Interview "Wir wollen auch an den Gebäuden etwas verbessern"

In der Bayreuther Straße in Ludwigshafen leben Menschen an der Armutsgrenze. Die Wohnungen sind marode, geheizt wird noch mit Öl oder Holz. Im Interview erklärt Sozialbürgermeisterin Beate Steeg (SPD), was dort getan werden muss.  mehr...

Ziel: Menschen wieder in normalen Wohnungen unterbringen

Zum Zweiten sollen Menschen aus der Bayreuther Straße wieder in regulären Mietwohnungen untergebracht werden. Dazu hat sich die Stadt mit der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GAG und dem Evangelischen Diakoniewerk zusammengetan. Die GAG tritt als Vermieter auf und vermittelt die Wohnungen an die Stadt, die auch fürs Erste als Mieterin im Vertrag steht. Die Diakonie kümmert sich um die Betroffenen und wird sie auch nach dem Einzug weiter betreuen. Ziel sei es, dass diese Menschen irgendwann wieder auf eigenen Füßen stehen und die Wohnung selbst unterhalten können, so Steeg.

Beide Maßnahmen im Zusammenspiel sollen die Situation in der Bayreuther Straße nachhaltig verbessern. Aber– daran lässt die Sozialdezernentin der Stadt keinen Zweifel – es wird Zeit brauchen, bis die Erfolge sichtbar sind.

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