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Nach der verheerenden Explosion in Beirut (Libanon) mit vielen Toten und tausenden Verletzten fühlen sich viele an ein historisches Unglück erinnert: 1921 starben bei einer riesigen Explosion im Oppauer BASF-Werk 561 Menschen.

Die Detonation in der Nähe des Hafens von Beirut war gewaltig. Viele Menschen schreiben in den sozialen Netzwerken, eine Detonation in dieser Stärke hätten sie noch nicht gesehen. Kaum einer kann sich an einen ähnlichen Vorfall erinnern. Dabei gab es auch in der Pfalz vor fast 100 Jahren eine Explosion, die die Region erschütterte und bis Frankfurt zu spüren war.

Explosion reißt 100 Meter breiten Graben

Die BASF hat in Ludwigshafen-Oppau 1921 Düngemittel produziert. Am Morgen des Unglücks läuft die Produktion auf Hochtouren. Um den Grundstoff Ammonsulfatsalpeter in einem Silo zu lockern, wird eine kleine Ladung Sprengstoff genutzt. Das gilt als ungefährlich: Ein Irrtum.

Die Explosion im Oppauer BASF-Werk 1921 zählt noch heute zu einem der größten Explosionsunglücke der Geschichte.

Das Gemisch, insgesamt rund 4.000 Tonnen, erweist sich als hochexplosiv. Rund 400 Tonnen von dem Material gehen in die Luft. Die Explosion reißt einen Krater mit mehr als 100 Metern Durchmesser in das Werk. 561 Menschen sind tot. Mehr als 2.000 Menschen werden zum Teil schwer verletzt.

Ammoniumnitrat in Beirut gelagert

Noch ist die Ursache für die Explosionen in der Nähe des Hafens von Beirut unklar. Der libanesische Premier führt sie aber bereits auf Ammoniumnitrat zurück. 2.750 Tonnen des Materials seien seit sechs Jahren ohne Vorsichtsmaßnahmen in einem Lagerhaus untergebracht gewesen, heißt es. Ebenfalls ein chemischer Stoff, aus dem Düngemittel hergestellt werden kann, aber auch Sprengstoff.

Rauch steigt im Hafen auf, nachdem sich eine Explosion ereignete. In der libanesischen Hauptstadt Beirut hat sich am Dienstag eine gewaltige Explosion mit Dutzenden Toten und mindestens 2700 Verletzten ereignet. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Hussein Malla/AP/dpa)
Auch im Hafengebiet von Beirut soll ein chemischer Stoff gelagert worden sein, der zur Herstellung von Düngemitteln verwendet werden kann. picture alliance/Hussein Malla/AP/dpa

Explosion war bis Frankfurt zu spüren

Die Detonation in Ludwigshafen am 21. September 1921 war weithin zu spüren. Mit den Bildern aus Beirut im Kopf lässt sich erahnen, welche Kraft die Explosion von damals gehabt haben muss. Gehört hat man sie bis Göttingen im Norden und bis Zürich im Süden, erzählt der Leiter des Stadtarchivs in Ludwigshafen, Stefan Mörz.

"Es war eines der größten Industrieunglücke bis zu diesem Zeitpunkt. Die angrenzenden Orte waren völlig zerstört."

Stefan Mörz, Leiter des Stadtarchivs in Ludwigshafen

"Gefahrenbewusstsein ist heute ein anders"

Bereits 1924 war das Werk in Ludwigshafen-Oppau wieder aufgebaut. Nach drei Jahren. Außerdem wurde zwischen Oppau und dem Werk eine breite Grünzone eingerichtet - zur Sicherheit. Bis heute allerdings ist im Umfeld der BASF, bei den Menschen, die in der Nähe des Chemiekonzerns leben, das damalige Unglück tief in den Köpfen verwurzelt, sagt der Historiker. Auch weil es später weitere Explosionen gab. Die Sicherheitsvorkehrungen seien heute allerdings völlig andere und nicht mit den damaligen zu vergleichen.

Auch die BASF in Ludwigshafen produziert nach eigenen Angaben Ammoniumnitrat. Der Stoff werde aus Sicherheitsgründen in einer wässrigen Lösung hergestellt. Er sei ein Zwischenprodukt bei Herstellung von Ammonsulfatsalpeter. Laut BASF unterliegen ammoniumnitrathaltige Düngemittel in der EU strengen Bestimmungen bezüglich ihrer Herstellung und ihrer Lagerung.

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