Dorfbewohner beschweren sich

Lkw-Fahrer ignorieren B10-Sperrung zwischen Landau und Pirmasens

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Eigentlich ist die B10 für schwere Lkw wegen Bauarbeiten gesperrt. Sie umfahren die Sperrung über die Dörfer. Besonders merken das die Bewohner von Annweiler-Sarnstall.

Wenn Mirko Seiter und sein Nachbar Hilmar Herrmann vor ihren Häusern stehen und sich unterhalten wollen, müssen sie sich anschreien. So laut ist der Verkehr, der an ihren Häusern in der Pirmasenser Straße in Annweiler-Sarnstall (Kreis Südliche Weinstraße) vorbeirauscht. Dort wo sie stehen, ist eine Bodenwelle im Fahrbahnbelag: Diese verursacht Schwingungen.

Lkw-Umleitung über die Dörfer Rinnthal und auch Annweiler-Sarnstall (Foto: SWR)
Gläser klirren, wenn die Lkw vorbeidonnern.

"Bei uns klirren die Gläser im Schrank. Es gibt keine Nachtruhe mehr. Wir sind mit den Nerven am Ende."

Grund für den starken Verkehr und den Lärm ist die Tunnel-Baustelle auf der B10 zwischen Annweiler-West und Rinnthal. Seit Mitte August ist diese wichtige Ost-West-Verbindung gesperrt, die örtliche Umleitung verläuft durch die Orte Rinnthal und Sarnstall, aber eigentlich nur für den Autoverkehr.

Lkw fahren trotz Verbot

Eigentlich dürften nur Lkw aus der Region durch diese Orte fahren. Der Transitverkehr wird über die Autobahnen A6, A65 und A61 umgeleitet. Bereits im Saarland und bei Wörth stehen Schilder, die darauf hinweisen. Doch die Realität sieht anders aus, sagt auch der Ortsvorsteher des Stadtteils.

"Unser größtes Problem sind die Lkw. Die fahren hier durch, trotz Fahrverbot und sie fahren viel zu schnell."

Die Baustelle muss sein, das ist den Sarnstallern klar. Ihre Kritik richtet sich trotzdem an den Landesbetrieb Mobilität (LBM) und wie dieser im Vorhinein die Umleitung eingerichtet hat. Die Bürger fühlen sich vernachlässigt, sagt Ortsvorsteher Thomas Walter. Der allgemeine Eindruck sei, der LBM habe die Auswirkungen für die Anwohnerinnen und Anwohner nicht ernst genommen. Die Straßenbehörde hätte mehr Energie reinstecken können.

Lkw fahren durch Annweiler-Sarnstall oder Rinnthal (Foto: SWR)
Zu wenig wird der Lkw-Verkehr ausgebremst

"In einer Ortsbegehung hätte man die Fehler erkennen können. Das hat dann der Ortsbeirat gemacht und wir sind ja keine Profis."

Vorschläge zur Lärm-Minderung

Ende August hatte der Ortsbeirat dem LBM Vorschläge geschickt, wie die Verkehrsbelastung in Sarnstall verbessert werden könnte. Es wurde auch einiges davon umgestetzt: Zum Beispiel wurden Äste zurückgeschnitten, um Tempo 30 Schilder wieder sichtbar zu machen. Die Tempo-50-Markierungen auf der Straße wurden durchgestrichen. Es wurden auch einige Fahrbahnverengungen umgesetzt, aber die Wichtigste an einem Ortseingang nicht. Hier können Lkw immer noch ungehindert in den Ort brausen.

Lkw fahren durch Annweiler-Sarnstall (Foto: SWR)
Freie Fahrt für Lkw am Ortseingang

Weitere Maßnahmen plant der LBM aber nicht, wie die Behörde auf SWR-Anfrage schreibt. Die Verantwortlichen verweisen auf die Fahrverbote für Lkw ab 7,5 Tonnen zwischen Pirmasens und Landau und eine umfangreiche Beschilderung der Umleitung. Fahrverbote für Lkw-Fahrer auf der Durchfahrt müssten von der Polizei kontrolliert werden.

Zuliefer-Verkehr macht auch Lärm

Neben den unerlaubt fahrenden Lkw gibt es eine ganze Anzahl von Fahrzeugen, die berechtigterweise durch die Dörfer fahren. Der regionale Zuliefer-Verkehr dürfe nicht unterschätzt werden, sagt auch der Landesbetrieb Mobilität.

B10-Baustelle endet in rund fünf Wochen

Die Bauarbeiten sollen am 18. oder 19. Oktober beendet werden. Der Landesbetrieb prüft derzeit nach eigenen Angaben, ob die Umleitung bereits früher enden könnte.

"Wir halten einfach weiter durch", sagt Anwohnerin Samantha Reich. So wie andere im Ort fordert sie, dass aus den Problemen mit dem Baustellenverkehr Konsequenzen gezogen werden. Sie wünscht sich Tempo 30, im ganzen Ort, jederzeit. Und der Ortsbeirat fordert, dass der LBM sich vor der nächsten B10-Sperrung bei Annweiler mehr Gedanken macht – gerne zusammen mit den Einwohnerinnen und Einwohnern.

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