Vor dem Kallstadter Hof in Kallstadt steht eine Tafel mit der Aufschrift "Zutritt im Innenbereich bitte nur - geimpft - genesen - getestet" (Foto: SWR)

26. Corona-Verordnung mit 2 G Plus Regel

Neue Corona-Verordnung stresst Veranstalter in der Pfalz

STAND

Die neue Corona-Verordnung mit 2G Plus Regelung sorgt bei Gastronomen und Veranstaltern in der Pfalz für viel Rechnerei: Wie viele ungeimpfte und getestete Gäste dürfen sie reinlassen?

Seit Sonntag gilt die neue Corona-Verordnung in Rheinland-Pfalz. Unter dem Stichwort "2G Plus" richtet sie sich zum einen noch nach der aktuellen Sieben-Tage-Inzidenz, aber auch danach, wieviele Menschen zurzeit im Krankenhaus sind und wie viele Intensivbetten in den Krankenhäusern einer Region belegt sind. Je höher zwei dieser drei Faktoren ausfallen, umso mehr werden die Freiheiten der Ungeimpften eingeschränkt.

Wie gehen Vereine mit der neuen Corona-Verordnung um?

Beim Handball-Bundeslisgisten Eulen Ludwigshafen dürfen überwiegend nur Geimpfte und Genesene als Zuschauer in die Halle. Das sorgt für Diskussionen mit den Fans: Lisa Hessler, Geschäftsführerin des Handballbundesligisten aus Ludwigshafen erzählt, beim letzten Spiel hätten 12-jährige, ungeimpfte Kinder sie gefragt, ob sie nicht eine Ausnahme machen könne und sie trotzdem rein dürften. Ein Handballspiel der Eulen sei ja ein "Familienevent". Hessler sagt, da sei mittlerweile noch viel mehr Kommunikation nötig, damit Familien verstehen, dass nur ein Minimum an ungeimpften aber getesteten Personen zu den Spielen kommen darf.

Lisa Hessler, Geschäftsführerin der Eulen Ludwigshafen (Foto: SWR)
Lisa Hessler, Geschäftsführerin der Eulen Ludwigshafen

Dauerkartenbesitzer zuerst

Die Eulen haben 900 Dauerkarten- und VIP-Karten-Besitzer. Die allein benötigten auf alle Fälle einen Platz, so Lisa Hessler. Bei der höchsten Gefahrenstufe 3 dürfen bei Sport- und anderen Großveranstaltungen nur noch 50 getestete, aber ungeimpfte Personen rein. Da sei man schnell am Ende, sagt sie.

"Wir sind bei unserem letzten Spiel einfach von Gefahrenstufe 3 ausgegangen. Dann muss ich im Nachhinein Menschen nicht wieder die Tickets entziehen, weil sich am Spieltag die Gefahrenstufe geändert hat und sie am Ende dann doch nicht rein dürfen."

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Wie sieht es bei kulturellen Veranstaltungen aus?

Matthias Folz, Leiter des Kinder- und Jugendtheaters Speyer, sitzt in den Zuschauerreihen seines kleinen Theaters. Dieses wird er mit Saisonbeginn am 24. September nur noch zur Hälfte füllen. Im Schachbrettmuster werden dann die großen und kleinen Zuschauer dem Bühnengeschehen folgen. Kinder werden nicht einmal neben den eigenen Eltern sitzen dürfen. Eine solche Sitzordnung ermöglicht jedoch den Zuschauern, am Platz die Maske abnehmen zu dürfen. Und weniger Publikum bedeutet nach Angaben von Matthias Folz auch, dass das Kinder- und Jugendtheater Speyer nicht so schnell die Höchstgrenze an ungeimpften Zuschauern erreicht.

Kinder bis elf Jahre dürfen sowieso auch ungeimpft rein. Sie werden auf Theaterkosten mit einem Lollitest vor der Vorstellung auf Corona getestet, erzählt Matthias Folz. Und dass mehr als 50 ungeimpfte Jugendliche gleichzeitig das Theater besuchen wollen, hält er für relativ unwahrscheinlich.

Weniger Tickets bedeuten nach Angaben von Matthias Volz auch weniger Einnahmen. Daher spielt Matthias Folz mit einem Mini-Ensemble. Viele Stamm-Schauspieler können nach wie vor nicht auf ein Engagement hoffen.

"Ich hoffe, dass wir ab nächstem Frühjahr wieder in der alten Stammbesetzung spielen können und die Theaterreihen wieder füllen dürfen."

Was bedeutet die Corona-Neuregelung für Gastronomen?

Abgekämpft, aber glücklich sitzt Katharina von Imhof mit ihrer Servicekraft im Wintergarten ihres Restaurants in Kallstadt. Das dazugehörende Hotel ist bis aufs letzte Bett ausgebucht; alle Tische im Restaurant sind stets besetzt – ob mittags oder abends. Die Betreiberfamilie ist nach eigenen Angaben sehr streng bei der Kontrolle der Gäste. Bei Stufe 1 dürfen noch 25 ungeimpfte aber getestete Gäste rein, bei Stufe 2 zehn und bei Stufe 3 noch fünf.

"Wir lassen uns immer Test- oder Impfnachweise zeigen. Wer nichts von beidem bei sich führt, kann bei uns für 2,50 Euro einen Selbsttest machen. Die meisten Gäste sind absolut kooperativ und verstehen, wie wichtig diese Kontrollen sind."

Nachweise kontrollieren nicht immer ganz einfach

Die Hotelbetreiberin berichtet auch von lustigen Zwischenfällen: Da zeigen Gäste gerne mal stolz ihre Luca-App, statt des Impfnachweises vor oder drücken den verdutzten Servicekräften ihre Handys oder Impfausweise in die Hand, und fordern sie auf, die Nachweise selbst zu suchen. Das halte auf und man brauche stoische Gelassenheit - vor allem wenn es aus der Küche dauernd klingelt, weil Gerichte fertig zum Servieren sind, man sich aber gerade durch sämtliche Impfungen des Gastes kämpft, erklärt die Restaurantbetreiberin lachend.

Hotel und Restaurantbetreiber Alexander von Imhof, Kallstadter Hof in Kallstadt (Foto: SWR)
Alexander von Imhof, Betreiber des Hotel-Restaurants Kallstadter Hof

Angst vor Stress bei großen Feiern


Es werde sicherlich schwierig, wenn unter dieser neuen "2G Plus Regelung" die Gefahrenstufe 3 kommen sollte, und nur noch fünf ungeimpfte aber getestete Personen ins Restaurant dürfen, befürchtet sie. Mit Horror stelle sie sich die Feier zum 80. Geburtstag der Oma vor, bei der es viele ungeimpfte Kinder und Jugendliche unter den geladenen Verwandten gibt. Diese Gäste müsse dann die Oma selbst ausladen, wenn sie nicht die ganze Feier absagen will, resümiert das Ehepaar Katharina und Alexander von Imhof.

Es sieht so aus, als könne "2G Plus" nicht nur jede Menge organisatorischen Stress sondern auch jede Menge emotionalen Stress verursachen.

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