Pflege-Demo (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Sina Schuldt)

Südpfälzer Rednerin vor Pflegedemo

"Pflegekräfte sollten mindestens 3.500 Euro brutto verdienen!"

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Am Samstag findet in Mainz eine große Demo zum Pflegenotstand statt. Susanne Linden aus Bad Bergzabern ist eine der Rednerinnen. Sie prangert die Arbeitsüberlastung und Bezahlung an.

In Krankenhäusern und Altenheimen herrscht Pflegenotstand. Das ist bereits lange bekannt. "Früher als ich angefangen hab, waren wir auf einer Station für die gleiche Anzahl Bewohner mindestens doppelt so viele Betreuer. Da konnte die Pflege noch mit den Bewohnern kleine Ausflüge machen oder Beschäftigungen machen. Das ist alles weggefallen", erinnert sich Susanne Linden, die seit 16 Jahren im Alten- und Pflegeheim "Pro Seniore" in Bad Bergzabern arbeitet.

Zu viel Arbeit für zu wenig Personal

Auf einer Station des Seniorenheims in Bad Bergzabern müssten sich drei Pflegekräfte um 36 pflegebedürftige und zum Teil auch bettlägerige Bewohner kümmern. Hinzu kämen elf Senioren im betreuten Wohnen. Das Pflege-Team gebe dabei sein Bestes, komme aber immer wieder an die Grenzen der Belastbarkeit, sagt die 56-jährige Ergotherapeutin.

Die Pflegerinnen und Pfleger würden mit Herz arbeiten, aber viel hinnehmen, weil sie ihren Job lieben, sich deshalb oft aber nicht trauen, die Arbeitsbelastung bei den obersten Vorgesetzten zu melden. "Es macht kaum jemand den Mund auf und wer den Mund aufmacht, der geht dann", sagt Linden.

"Viele sind auch gegangen, weil sie den Druck nicht mehr aushalten konnten."

Fünf Senioren und weibliche Pflegekraft in Ulmer Seniorenheim (Foto: SWR)
Pflegekräft wollen nicht nur die nötigste Versorgung für die Bewohner leisten, sondern auch Möglichkeiten der Gemeinschaft bieten.

Pflege-Aufstand-Bündnisse werden gegründet

Zusammen mit der Gewerkschaft Verdi sei aber das "Bündnis Pflegeaufstand Rheinland-Pfalz" gegründet worden, um das Schweigen zu brechen. Laut Gewerkschaft beteiligen sich mehr als 250 Beschäftigte aus 78 Einrichtungen daran. Mit ähnlichen weiteren Bündnissen wird am 11. September in Mainz bei der Pflege-Demo protestiert und Linden wird dort eine Rede halten.

Pflegeüberlastung - nicht erst seit Coronapandemie

Sie habe schon einige Kolleginnen erlebt, die so ausgebrannt waren, dass sie ihren Job aufgeben mussten. Auch sie selbst habe bereits ein Burnout erlitten, so Susanne Linden.

Wohl auch eine Folge von Corona: Denn als die Virus-Infektion in Pro Seniore ausgebrochen sei und das Pflege-Team monatelang auch noch die Besucher kontrollieren musste, sei das der absolute Horror gewesen aus Angst vor einer Ansteckung oder Übertragung: "Wir haben ja privat nichts mehr gemacht. Man ist arbeiten gegangen und dann nach Hause."

Politik schätzt Pflegeaufwand falsch ein

Die Zahlen an Pflegefachkräften, die der Pflegeschlüssel gesetzlich vorschreibt, zeigten, dass die Politiker vom Alltag in der Pflege keine Ahnung haben, so Susanne Linden. Denn die Patienten und Bewohner bräuchten wirklich Unterstützung. "Die kannst Du nicht die ganze Zeit da abstellen. Und die brauchen auch viele Einzelbetreuung und das ist alles nicht gegeben."

Schlechte Bezahlung schreckt Nachwuchs ab

Es würden deutlich mehr junge Menschen in die Pflege gehen und auch dort bleiben, wenn der Beruf grundsätzlich besser bezahlt würde, ist die engagierte Betriebsrätin überzeugt. Ein Einstiegsgehalt von 2.700 Euro Brutto für eine examinierte Vollzeit-Pflegekraft und 2.000 Euro für eine ohne Examen sei einfach viel zu wenig Geld für diese Arbeit. Eigentlich müsste jeder, der in der Pflege arbeitet, mindestens bei 3.500 Euro verdienen, findet die Ergotherapeutin aus der Südpfalz.

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Das würde auch den Stress für die Pflegekräfte reduzieren, weil für viele das Geld bereits am Anfang des Monats durch Rechnungen schnell aufgebraucht wäre. Zusätzlich würden viele Kolleginnen und Kollegen Stellen wechseln, wenn sie bei anderen Arbeitgebern auch bessere Zusatzleistungen, wie Weihnachtsgeld erhalten würden.

Deshalb müsste die Politik gleiche Löhne für alle Altenheime und Krankenhäuser vorschreiben – egal ob kommunal, kirchlich oder privat.

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