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Nach dem aufregenden Wochenende kehrt jetzt Alltag in die Quarantänestation der Germersheimer Südpfalzkaserne ein. Die Stimmung unter den China-Rückkehrern ist gelassen. Bisher gibt es keine weiteren Infektionen.

Bei zwei Passagieren war nach der Landung das Virus nachgewiesen worden. Sie kamen in ein Frankfurter Krankenhaus. Bei den anderen Bewohnern der Quarantäne-Einrichtung gebe es weiterhin keine Anzeichen auf eine mögliche Erkrankung mit dem Coronavirus, sagte Landrat Fritz Brechtel am Montagnachmittag bei einer Pressekonferenz.

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Die 120 Rückkehrer würden täglich untersucht. Ihre Rachenabstriche würden dann per Kurier ins Landesuntersuchungsamt nach Koblenz verschickt. Helfer des Roten Kreuzes messen zudem täglich Fieber. Sobald jemand eine erhöhte Temperatur habe, werde er von den anderen isoliert.

Alltag auf der Quarantänestation

Eine der zurückgekehrten Deutschen aus China, die Rostocker Studentin Ann-Sophie Muxfeldt, beschreibt den Aufenthalt im Quarantäne-Block als relativ angenehm. "Die Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes geben sich echt Mühe und versuchen uns den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten", sagte Muxfeldt im Telefon-Interview mit dem SWR. "Die legen sich echt ins Zeug für uns."

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Gelassenes Abwarten

Auch die Zimmer seien schön, das Essen sei gut und sie könnten an die frische Luft - mit Mundschutz ausgestattet. Alle seien angehalten, sich regelmäßig die Hände zu desinfizieren, Angst vor dem Virus hätte sie aber nicht, so Muxfeldt. "Es scheint ja in den meisten Fällen sehr mild abzulaufen und es wird auch immer wieder geschrieben, die Grippe sei viel gefährlicher." Trotz allem hoffe sie, nur zwei Wochen bleiben zu müssen und bald wieder "in Freiheit zu dürfen".

Muxfeldt war mit mehr als 100 Deutschen und deren Angehörigen am Samstag aus der besonders vom Coronavirus betroffenen Stadt Wuhan zurückgekehrt. Die junge Frau aus Bad Oldesloe in Schleswig-Holstein studiert Technische Informatik in Rostock (Mecklenburg-Vorpommern). Sie lebte seit September in Wuhan und wollte für zwei Auslandssemester bis Juli bleiben.

Die Rostocker Studentin Ann-Sophie Muxfeldt beim Spaziergang im Hof der Quarantäne-Station in der Germersheimer Kaserne (Foto: privat)
Die Rostocker Ann-Sophie Muxfeldt beim "Spaziergang" im Hof der Quarantäne-Station in der Germersheimer Kaserne privat

China-Rückkehrer doch nicht in Gruppen eingeteilt

Jetzt ist die Studentin mit den anderen Rückkehrern in der Kaserne der Luftwaffe isoliert. Urpsrünglich sollten sie in insgesamt vier Gruppen eingeteilt werden. Sollte jemand mit dem Coronavirus infiziert sein, sollte so die Ansteckungsgefahr minimiert werden.

Allerdings lies sich das nicht umsetzen, sagte der Germersheimer Landrat Fritz Brechtel (CDU) am Dienstag. Die Menschen in der Südpfalz-Kaserne würden daher von der Laufzeit der Quarantäne her nun wie eine große Gruppe behandelt.

Strikte Hygieneregeln auf der Quarantänestation

Auf der Quarantänestation in der Kaserne gelten strenge Hygienemaßnahmen: Alle auf der Isolierstation müssen Mundschutz tragen, wenn sie ihre Zimmer verlassen, die Hände regelmäßig desinfizieren und sie sollen möglichst wenig Kontakt miteinander haben. Freiwillige DRK-Betreuer versuchen, die Rückkehrer zu beschäftigen und abzulenken. Es gibt auch eine psychologische Betreuung.

Oliver Talke vom Deutschen Roten Kreuz leitet den Einsatz in Germersheim. Er sagte dem SWR, die Helfer befänden sich mit den Rückkehrern in der sogenannten "schwarzen Zone": "In diesem Bereich könnte theoretisch eine Kontamination entstehen. Hier darf sich keiner ungeschützt bewegen. Und keiner darf diesen Bereich verlassen, der einmal hier drin ist."

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Die Zimmer in der Kaserne sind mit je einem Stockbett eingerichtet, mit eigenem Bad und Flachbildfernseher. Für die 20 Kinder der Familien wurden Spielsachen bereit gestellt.

Stockbettenn in der Südpfalz-Kaserne (Foto: SWR)
Wo normalerweise Soldaten wohnen, sind nun die China-Rückkehrer untergebracht.

Studentin: "Ich denke, ich komme damit gut zurecht"

Studentin Ann-Sophie Muxfeldt vermisst vor allem die Möglichkeit, sich frei auf dem Kasernengelände zu bewegen und herumzulaufen. "Man kann schon raus aus dem Gebäude, aber das abgesperrte Gebiet ist natürlich sehr begrenzt." Aber die Verpflegung sei gut. "Zum Frühstück gab es Obst und Brötchen, zum Mittagessen Reis und Chicken Curry, und zum Abendessen Kartoffelsuppe mit Würstchen." Ein Kiosk gebe Getränke und Snacks aus. "Ich denke, damit komme ich ganz gut zurecht", sagte Muxfeldt.

Teigtaschen an Sauerkraut - das Essen auf der Quarantänestation in Germersheim (Foto: privat)
Mittagessen auf der Quarantänestation der Südpfalzkaserne in Germersheim privat

"Stimmung ist gefasst"

Insgesamt sei die Stimmung gut bei Rückkehrern und auch den DRK-Mitarbeitern. Man sei gefasst und ruhig. Auch die Stimmung in Germersheim selbst sei gelassen, so Landrat Fritz Brechtel, schließlich liegt die Kaserne weit außerhalb.

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