STAND
AUTOR/IN

Eigentlich sind neue Radwege bei Umweltschützern sehr willkommen. Doch in der Südpfalz trifft ein geplanter Radweg durch das Naturschutzgebiet Bienwald auf großen Widerstand. Bürger und der ADFC gehen auf die Barrikaden. 

Laut Landesplanung soll der Bienwald-Radweg parallel zur Landstraße 545 zwischen Steinfeld (Kreis Südliche Weinstraße) und der deutsch-französischen Grenze bei Scheibenhardt (Kreis Germersheim) gebaut werden. Für die 11 Kilometer lange Route müssten etwa 10 Hektar Bäume in dem europäischen Vogel- und Naturschutzgebiet abgeholzt werden, schätzt Benno Seebohm von der Bürgerinitiative Bienwald. Das sei mit den Naturschutz-Richtlinien unvereinbar. Außerdem wären die ohnehin schon geschädigten Bäume durch die fast drei Meter breite Schneise ungeschützt Stürmen und Windbruch ausgesetzt - ein Unding in Zeiten des Klimawandels.

Die Planungen seien völlig überholt. Denn das Land habe vor etwa 12 Jahren damit begonnen, damals noch unter Ministerpräsident Kurt Beck, der in Steinfeld wohnt, sagt Benno Seebohm: "Die Pläne wurden den heutigen Umweltproblemen nicht angepasst. Wir sind im Zeitalter eines gewaltigen Klimawandels und haben mittlerweile in unserer Region große Probleme mit Trockenheit und Wassermangel, da verbietet es sich unseres Erachtens ein solches Projekt durchzuführen."

Bei den Zahlen getrickst?

Unterstützt wird die Bürgerinitiative vom Naturschutzverband BUND und vom Landesverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs. Der Südpfälzer Erhardt Vortanz ist beim ADFC für den Radtourismus zuständig und spricht von abenteuerlichen Verkehrszahlen, mit denen der zuständige Landesbetrieb die Radwegepläne begründet:

"Man kann einen solchen Radweg nur anlegen, rein rechtlich, wenn die Kraftfahrzeugzahlen entsprechend hoch sind, und die steigen auf wundersame Weise plötzlich von täglich 471 auf fast 1300. Das hat man in sieben Tagen anscheinend zusätzlich gemessen, alle anderen Zahlen schmeißt man über Bord, da würde ich sagen: Man findet das raus, was man rausfinden wollte." Eine SWR-Anfrage, warum das Land die Kfz-Zahlen in seinen neueren Planungsunterlagen viel höher ansetzt, ist unbeantwortet geblieben.

Kostengünstige und umweltfreundliche Alternativrouten 

Laut der Bürgerinitiative Bienwald gibt es zwischen Steinfeld und Scheibenhardt jede Menge breite Forstwege, die sich ohne viel Mühe zum Radweg ausbauen ließen. Dabei könnte sich das Land die mehr als vier Millionen Euro Baukosten für den geplanten Neubau sparen und an anderer Stelle sinnvoll einsetzen.

Gaststätte in Nähe Scheibenhardt (Foto: SWR)

Die BI hat auch schon eine Alternativroute erarbeitet und dem Land vorgelegt. Doch ohne Erfolg - aus dem Verkehrsministerium heißt es dazu: Eine Radwegroute über Forstwege sei geprüft und verworfen worden, weil sie mit dem Naturschutzstatus des Bienwalds unvereinbar sei.  Doch auch der Landesrechnungshof in Speyer überlegt nach Angaben eines Sprechers gerade, ob er die Radweg-Pläne des Landes mal genau unter die Lupe nimmt. 

Fahrradstraße statt Landesstraße

Erhardt Vortanz vom ADFC hat noch einem anderen Vorschlag. Warum nicht einfach aus der bestehenden Landstraße eine Fahrradstraße machen? „Eine Fahrradstraße heißt, Radfahrer können nebeneinander fahren, Autofahrer dürfen dann maximal 30 fahren. Und hier an der Bienwaldmühle bei Scheibenhardt schlagen wir vor, dass man eine mobile Sperre einrichtet, die nur Anlieger und Rettungsfahrzeuge öffnen können. Autofahrer und Pendler aus Baden und der Westpfalz müssten dann einen kleinen Umweg über eine nahe gelegene Kreisstraße fahren.“

Radfahrer im Bienwald (Foto: SWR)
Erhardt Vortanz vom ADFC würde aus der bestehenden Landstraße am liebsten eine Fahrradstraße machen - und fährt schon mal vor.

Auch auf diesen Vorschlag habe das Land bisher nicht reagiert. Dort heißt es, die Pläne seien beschlossene Sache und von den Landkreisen Südliche Weinstraße und Germersheim auch gewünscht. Nun habe das Gericht das letzte Wort.

Gericht muss jetzt entscheiden

Die Politik steht wohl auch weiter hinter den Plänen. Der Kreistag Südliche Weinstraße will dazu demnächst eine Resolution verabschieden und dabei auch den Kreis Germersheim mit ins Boot holen. Doch sehen das die Bürger auch so? Nein, sagt Karlheinz Jung von der BI Bienwald: "Ich denke das ist eine politische Entscheidung. Aber es hat sich auch gezeigt, als wir die Alternativrouten vorgestellt haben, dass die Akzeptanz bei der Bevölkerung viel höher ist.“

Die BI hat jetzt, unterstützt vom BUND, vor dem Oberverwaltungsgericht Koblenz Klage gegen den Bienwald-Radweg eingereicht, sagt Jung: "Wir sind überzeugt, dass das Oberverwaltungsgericht die Planungsgrundlage verwirft, weil sie gegen das Naturschutzrecht verstößt und auch weil die Verkehrszahlen um zwei Drittel überhöht sind. Man wollte das von Anfang an so durchziehen.“  

Der SWR thematisiert den aktuellen stand zum Bienwaldradweg auch am 29. April um 20:15 Uhr bei ZUR SACHE Rheinland-Pfalz.

Wir machen den Südwesten fahrradfreundlich! Mehr als 10.000 Meldungen zu #besserRadfahren

Das Projekt #besserRadfahren geht der Frage nach, wie die Situation der Radfahrerinnen und Radfahrer im Südwesten verbessert werden kann.  mehr...

Checks für sichere Fahrt So wird das Fahrrad fit für den Frühling

Wenn es wärmer wird, holen viele ihr Rad aus dem Keller. Aber: Was sollte man am Fahrrad überprüfen, bevor es losgeht? Die drei wichtigsten Checks für ein sicheres Fahrrad.  mehr...

Marktcheck SWR Fernsehen

Ludwigshafen

Jetzt die SWR Aktuell App runterladen Nachrichten aus Ludwigshafen und der Süd- und Vorderpfalz aufs Handy

Die SWR Aktuell App bringt Ihnen kurz und knapp alles Wichtige auf Ihr Smartphone. Sie bekommen jetzt auch gezielt Nachrichten aus Ludwigshafen und der Pfalz. So funktioniert's:  mehr...

STAND
AUTOR/IN