Eine Aufnahme von Altkanzler Helmut Kohl (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance/Boris Roessler)

Zweiter Todestag des Altkanzlers Helmut Kohl - Streit ums Grab, Querelen um Würdigung

Vor zwei Jahren starb Altkanzler Helmut Kohl. Während seine Heimatstadt Ludwigshafen noch immer an einer angemessenen Würdigung arbeitet, sorgt auch Kohls Grabstätte in Speyer für Diskussionen.

Kohl war am 16. Juni 2017 im Alter von 87 Jahren in Ludwigshafen-Oggersheim gestorben. Seit zwei Jahren ruht der Kanzler der Einheit und gebürtige Ludwigshafener in einem bescheidenen Grab auf dem Friedhof des Speyerer Domkapitels. Der schlichte Zustand der Grabstätte war von Medien und Bürgern in der Vergangenheit immer wieder als unwürdig kritisiert worden.

Das Grab von Helmut Kohl in Speyer (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
So sieht das Grab von Helmut Kohl in Speyer nach der Umgestaltung aus Picture Alliance

Kohls Grab in Speyer bleibt Provisorium

Im Vorfeld des zweiten Todestages wurde das Grab nun von Witwe Maike Kohl-Richter erstmals umgestaltet. Die Holzumrandung wich einer Grabeinfassung aus Sandstein, noch immer aber fehlt ein Grabstein. Stattdessen blieb das einfache Holzkreuz mit Kohls Namen und seinen Lebensdaten.

Auch der jetzige Zustand sei nur eine "Zwischenlösung", so Kohl-Richter. Wie das Grab eines Tages endgültig aussehen soll, wollte sie nicht sagen. Die immer wieder geäußerte Kritik an der schlichten Grabstätte nannte die Witwe "anmaßend".

Das Bistum Speyer hatte vorgesehen, den früheren rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten im Rahmen des sonntäglichen Gottesdienstes im Dom mit einem Wortbeitrag zu würdigen - beispielsweise sei während der Liturgie ein Einbeziehen in die Fürbitten möglich, hatte ein Bistumssprecher im vorfeld erklärt.

In der mächtigen romanischen Kathedrale fand 2017 zwei Wochen nach Kohls Tod auch ein Requiem statt. Daran nahmen unter anderem EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und der frühere US-Präsident Bill Clinton teil.

Noch keine Kohl-Würdigung in Ludwigshafen

In welcher Form Kohl von seiner Heimatstadt dauerhaft gewürdigt wird, darüber herrscht in Ludwigshafen auch nach zwei Jahren noch keine Klarheit. Nach Angaben der Stadtverwaltung soll sich damit jetzt der neu gewählte Stadtrat beschäftigen. Im Dezember 2017 war eine Initiative der CDU gescheitert, die Rheinallee in Helmut-Kohl-Allee umzubenennen. Mehr als 1.000 Anwohner und Bürger hatten sich in einer Petition dagegen gewandt.

Auch in Frankenthal stieß die CDU mit ihrem Plan auf Widerstand, den Rathausplatz nach Helmut Kohl zu benennen. Nach Angaben der Stadt haben Ältestenrat und Fraktionen inzwischen beschlossen, das Thema ruhen zu lassen.

In Speyer dagegen wurde eine solche Umbenennung in die Tat umgesetzt. Hier wurde im Herbst 2018 am Rhein das Helmut-Kohl-Ufer eingeweiht.

Kohl-Richter veröffentlicht 19-seitiges Schreiben

Maike Kohl-Richter nutzte den zweiten Todestag, um zu erklären, warum sie weiter gegen den früheren Ghostwriter ihres Mannes, Heribert Schwan, klagt. In einem 19-seitigen Schreiben, das Maike Kohl-Richter im Internet veröffentlichte, heißt es: "Es ist natürlich richtig, dass ich klage, aber eigentlich klage nicht ich, sondern setze ich die Prozesse nur fort, die mein Mann im Jahr 2012 bzw. 2014 begonnen hat."

Helmut Kohls Witwe Maike Kohl-Richter (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Helmut Kohls Witwe Maike Kohl-Richter Picture Alliance

Das von Schwan 2014 veröffentlichte Buch "Vermächtnis: Die Kohl-Protokolle" sei "ein Paradebeispiel dafür, wie man einen Menschen mit seinen eigenen, im privaten Raum gesprochen Worten zum Zeugen gegen sich selbst macht". Die Witwe will erreichen, dass weitere Textstellen aus Schwans Buch verboten werden. Es geht ihr auch um die Herausgabe von Tonbändern, die während der gemeinsamen Arbeit von Kohl und Schwan zur Vorbereitung der Memoiren des Ex-Kanzlers entstanden waren.

Streit zwischen Kohl und Ghostwriter Schwan

Vor der Fertigstellung hatten sich die beiden Männer zerstritten. Daraufhin schrieb der Journalist auf eigene Faust sein Buch mit deftigen Zitaten, die Kohl nicht zur Veröffentlichung freigegeben hatte. Der CDU-Politiker verklagte Schwan daraufhin. Ihm wurde eine Entschädigung zugesprochen. Kohl starb am 16. Juni 2017, bevor das Urteil rechtskräftig wurde.

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