Schwein Lotta im Tierheim Frankenthal wird von Leiterin Simone Jurijiw versorgt (Foto: SWR)

Vorfall vor Fußball-Derby - Verdächtiger ermittelt Schwein Lotta erholt sich von Attacke

Dem Schwein, das vor dem Fußball-Derby zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und Waldhof Mannheim gequält wurde, geht es wieder besser. Jetzt gibt es einen ersten Tatverdächtigen.

Die Polizei teilte am Dienstag mit, ein Mann aus dem Landkreis Kaiserslautern stehe im Verdacht, an der Aktion beteiligt gewesen zu sein. Die Polizei sucht zudem die Halter, beziehungsweise Insassen von drei Fahrzeugen. Zeugen sollen diese Fahrzeuge am Donnerstagabend und Freitagmorgen in der Nähe des Mannheimer Carl-Benz-Stadions gesehen haben. Diese Fahrzeuge könnten laut Polizei mit der Tat in Verbindung stehen. Das Schwein ist am Freitag in der Nähe des Stadions gefunden worden.

Dauer

Schwein mit Farbe beschmiert

Auf dem Rücken des Tieres war die Parole "Lautern-Schweine gibt es auch in eurer Stadt" zu lesen. Die Abkürzung für Waldhof, "SVW", die in blauer Farbe auf eine Seite des Schweins geschmiert stand, wurde in roter Farbe durchgestrichen.

Schwein erholt sich im Tierheim

Das Schwein wurde ins Tierheim Frankenthal gebracht. Das Tierheim postete am Sonntag auf Facebook aktuelle Bilder des Tiers und schrieb dazu: "Lotta - wir geben Entwarnung. Es geht ihr gut, sie frisst, steht und erkundet nun unser Tierheim, ergo ihr Zustand ist stabil. Wiese und Suhle sind ihr noch etwas suspekt, dafür steht sie absolut auf den Wasserschlauch."

Schwein Lotta im Tierheim Frankenthal (Foto: Tierheim Frankenthal)
Schwein "Lotta" geht's wieder besser Tierheim Frankenthal

Bald Happy End auf einem Gnadenhof?

Am Montagabend sagte die Leiterin des Tierheims, Simone Jurijiw, Lotta gehe es inzwischen "supergut". Sie sei völlig über den Berg. Die Blessuren wie Hautabschürfungen seien aber noch sichtbar. Das Schwein soll nun noch ein paar Tage im Tierheim in Frankenthal bleiben und dann auf einen privaten Gnadenhof außerhalb von Frankenthal umziehen, wo bereits andere Schweine und weitere Tiere leben. Da werde es Lotta "saugut" gehen, so Jurijiw. Die Veterinärbehörde müsse der Übersiedlung von Lotta aber noch zustimmen. Jurijiw vermutet, dass sich die Täter mit Schweinen auskannten. Die Ohrmarke sei offenbar fachmännisch entfernt worden. Man könne auch nicht einfach so ein Schwein transportieren. Für einen Laien sei das eigentlich unlösbar.

Kurz vor Auffinden des Schweins, so ein Polizeisprecher, sei in Ludwigshafen ein Plakat aufgehängt worden "mit unflätigen Bemerkungen gegen Kaiserslautern-Fans." Der Sprecher wollte den Spruch nicht wiederholen - er habe jedoch mit Schweinen zu tun gehabt.

Unterdessen meldete die Polizei am Dienstag, dass Unbekannte am Sonntag vor dem Südwest-Stadion in Ludwigshafen Schweineköpfe abgelegt haben. Der Text auf einem Banner daneben richtete sich gegen die Fans des 1. FC Kaiserslautern. Das bestätigte die Polizei auf Nachfrage.

Die Polizei habe absichtlich nicht über die Aktion berichtet, um die Stimmung vor dem Derby zwischen dem Waldhof Mannheim und dem FCK am Sonntag nicht weiter aufzuheizen. Die Polizei geht davon aus, dass Waldhof-Anhänger die Schweineköpfe in Ludwigshafen abgelegt haben. Im Südwest-Stadion spielt am Mittwochabend (19.30 Uhr) der FCK gegen Phönix Schifferstadt im pfälzischen Verbandspokal.

Zeugen gesucht

Wie ein Polizeisprecher am Sonntag sagte, laufen derzeit auch die Ermittlungen nach dem Eigentümer des Tieres. Zeugenhinweise seien willkommen, hieß es. Ob bereits Hinweise eingegangen sind, wollte der Sprecher aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen. Ob ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vorliegt, sei noch Teil der Ermittlungen.

Die Tierschutzorganisation Peta hat eine Belohnung ausgesetzt, um den Täter zu finden. Hinweise, die den Täter überführen, sollen mit 1.000 Euro belohnt werden.

Reaktion des SV Waldhof Mannheim: Totales Unverständnis

Marc Eckart, Leiter des Sicherheits- und Stadion-Managements des SV Waldhof Mannheim, verurteilte am Montag im SWR die Aktion.

Dauer

Dehydriert und misshandelt

Nach dem Fund des Tieres verständigte die Mannheimer Polizei die Berufstierrettung Rhein-Neckar. "Das Schwein war in einem desolaten Zustand, die Hitze hatte dem Tier zu schaffen gemacht", sagte Michael Sehr von der Berufstierrettung. Es habe sich nicht auf den Beinen halten können, sei dehydriert gewesen und habe Striemen am gesamten Körper gehabt.

Das misshandelte Schwein (Foto: Pressestelle, Berufstierrettung Rhein-Neckar/Michael Sehr)
Das erschöpfte Tier wurde auf dem Gelände der Tornados Mannheim gefunden. Pressestelle Berufstierrettung Rhein-Neckar/Michael Sehr

"Das ist kein Fußball!"

Tierretter Michael Sehr zeigte sich empört über das Geschehen. Zunächst habe man gezögert, die Bilder zu zeigen, sich aber dann doch dafür entschieden. "Das sollte gesehen werden. Von den verfeindeten Fußballklubs, deren Vorständen, deren Geschäftsführern, deren Spielern, deren Fans und dem deutschen Fußballbund. Denn das ist kein Fußball! Das ist kein Fan!", schrieb die Berufstierrettung Rhein-Neckar bei Facebook.

Fans sammeln Geld für Tierrettung

Um ein Zeichen gegen die mutmaßlichen Tierquäler zu setzen, haben Lauterer Fans bei Facebook eine Spendenaktion unter dem Motto "Ein Zeichen gegen Schwachsinn" gestartet. Bis Montag kamen bereits mehr als 4.000 Euro zusammen. Die Initiatoren wollten das Geld der Berufstierrettung spenden. Sie distanzierten sich ausdrücklich von den Chaoten: "Wer Tiere so misshandelt, gehört nicht zu uns!".

STAND