Verdacht auf Menschenhandel und Zwangsprostitution Razzia in Zirkus in Ludwigshafen

Die Polizei hat am Mittwoch in einem Zirkus in Ludwigshafen eine Razzia vorgenommen. Dabei ging es um den Verdacht der Schleuserei und Zwangsprostitution im Artistenmilieu.

In dem Zirkus wurden das Zirkuszelt und auch sämtliche Wohn- und Schauwagen durchsucht, so eine Sprecherin der verantwortlichen Bundespolizeidirektion in St. Augustin (Rhein-Sieg-Kreis, Nordrhein-Westfalen). Drei Personen wurden vorläufig festgenommen, die sich illegal in Deutschland aufhalten. Zwei kommen aus der Ukraine und einer aus Moldawien. Sie sind vermutlich Opfer der Schleuserbande. Unterlagen und Handys wurden beschlagnahmt.

Frau an Ring in Zirkusmanege in der Luft (Foto: Imago, Matthias Wjst)
Menschenhandel im Zirkusmilieu (Symbolbild) Imago Matthias Wjst

Razzien an mehreren Orten

Rund 300 Polizeibeamte schlugen am Mittwoch in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz zu. Dabei ging es um den Verdacht, dass Künstler, Artisten und Tänzerinnen unter falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt und dann ausgebeutet wurden, so die Bundespolizei-Sprecherin. Als Hauptbeschuldigte sieht die Polizei einen 51-Jährigen aus Simbabwe und eine 62-jährige Deutsche russischer Herkunft. Die beiden aus Nordrhein-Westfalen wurden festgenommen. Ob die Verantwortlichen des Zirkus in Ludwigshafen von den Menschenhandel-Aktivitäten gewusst haben, wird noch ermittelt. Der Betrieb des Zirkus läuft nach Angaben der Sprecherin normal weiter.

Zwei mit Kapuzenpullis verhüllte Personen werden von Polizeibeamten zu einem Polizeibus geführt (Foto: Bundespolizei St.Augustin)
Festnahme von zwei Beschuldigten Bundespolizei St.Augustin

Künstler menschenunwürdig untergebracht

Sie sollen Scheinfirmen gegründet haben, durch die den ausländischen Artisten und Künstlern vorgegaukelt wurde, sie könnten in Deutschland regulär arbeiten. Stattdessen mussten die Geschädigten laut Bundespolizei ihren Lohn abgeben und in desolaten Wohnwagen, Lagerräumen oder Wohnungen hausen. In teils fensterlosen Anhängern seien sie von Stadt zu Stadt gebracht worden, um dort aufzutreten.

Familien bedroht

Obendrein seien sie selbst oder ihre Familien bedroht worden. Neben dem Zirkus in Ludwigshafen und einem weiteren Zirkus wurden Wohn- und Geschäftsräume, sowie Bordelle durchsucht. Schwerpunkt der Razzien seien Aachen, Düren und Eschweiler gewesen. Insgesamt drehen sich die Ermittlungen um 17 Beschuldigte, elf von ihnen Deutsche, drei aus Simbabwe, einer aus der Türkei, einer aus Äthiopien und einer aus Polen.

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