ein Beatmungsgerät von Dräger Medical.  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Patienten unnötig lang beatmet? Vorwürfe gegen Frankenthaler Klinik: Landesärztekammer bestürzt

In der Stadtklinik Frankenthal sollen Patienten länger als nötig beatmet worden sein, um mehr Geld abzurechnen. Der Präsident der Landesärztekammer Günther Matheis kritisiert das scharf - und erwägt Sanktionen.

Es müsse klar sein, dass "wir das, was wir tun, zum Wohle des Patienten tun und nicht aus wirtschaftlichen Erwägungen", sagte Matheis von der Landesärztekammer dem SWR. Es sei konsterniert gewesen, als er von den Vorwürfen gehört habe.

Dauer

Patienten länger als nötig beatmet?

Die Stadtklinik Frankenthal soll laut eines Berichts der "Süddeutschen Zeitung" aus finanziellen Gründen Patienten länger künstlich beatmet haben als notwendig. Dadurch soll die Klinik viel Geld von den Krankenkassen bekommen haben. Denn: Je länger ein Patient beatmet wird, umso mehr Geld zahlen die Krankenkassen dafür. Außerdem soll ein Chefarzt der Klinik dafür Bonuszahlungen erhalten haben.

Boni für Chefärzte früher an der Tagesordnung

Früher seien Bonuszahlungen für bestimmte Leistungen in Chefarztverträgen üblich gewesen. Heute seien solche Boni quasi abgeschafft. Sollte noch ein solcher Vertrag existieren, sei das berufsrechtlich fraglich, so Matheis.

Die Landesärztekammer könne Mediziner auch sanktionieren, sagte Matheis. Es gebe einen gewissen Spielraum. Er erwäge, den zuständigen Frankenthaler Chefarzt zum Gespräch einzubestellen.

Externe Gutachter sollen Vorwürfen nachgehen

Der Frankenthaler Oberbürgermeister und Klinikdezernent Martin Hebich (CDU) hatte zuletzt angekündigt, externe Gutachter einzusetzen, um den Anschuldigungen nachzugehen. Zu den Chefarztverträgen und möglichen Boni-Zahlungen will sich die Stadt bislang nicht äußern.

Stadt hat Vorwürfe zurückgewiesen

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe hatte die Stadtverwaltung die Krankenakten von betroffenen Patienten der vergangenen drei Jahre prüfen lassen. "Es gibt keine Hinweise darauf, dass Beatmungsstunden außerhalb einer medizinischen Indikation angeordnet wurden", teilte die Stadt über einen Anwalt am 5. September schriftlich mit. "Die Regeln der Heilkunst wurden eingehalten." Wie und ob das tatsächlich so ist, müssen nun die Sachverständigen beurteilen.

Politik schaltet sich bei Beatmungen ein

Auch die Politik reagiert: "Die Beatmung von Patienten und ihre Dauer sowie Fehlanreize des derzeitigen Abrechnungssystems sind bundesweit immer wieder Gegenstand von Untersuchungen", sagte eine Sprecherin des rheinland-pfälzischen Gesundheitsministeriums in der vergangenen Woche. Dies werde auf Druck der Länder aktuell im dafür zuständigen Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) auf Bundesebene untersucht.

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