Mehr als nur beten - die Reformbewegung "Wir sind Kirche" will Diakoninnen. Das Symbolbild zeigt betende Frauenhände. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/Friso Gentsch/dpa)

Genehmigung vom Papst gefordert "Wir sind Kirche" für Frauen als Diakoninnen

Die Reformbewegung "Wir sind Kirche" hat bei ihrer Bundesversammlung einen Vorschlag gemacht, um Weiheämter der katholischen Kirche für Frauen zu öffnen. Der Papst soll eine Sondergenehmigung erteilen.

Die Bewegung "Wir sind Kirche" fordert die deutschen Bischöfe auf, bei Papst Franziskus eine Sondergenehmigung zur Einführung des Diakonats der Frau in Deutschland zu erwirken. Das könne unabhängig von dem geplanten deutschen Reformweg "Synodaler Prozess" geschehen.

Die 44. Bundesversammlung von "Wir sind Kirche" beschloss bei ihrem Treffen von Freitag bis Sonntag im pfälzischen Neustadt an der Weinstraße nach eigenen Angaben einstimmig bei vier Enthaltungen ein Positionspapier für die nächsten Jahre.

Keine Stellungnahme von Bischöfen

Ob sich die Bischöfe mit dem Anliegen von "Wir sind Kirche" auf den Weg nach Rom schicken lassen, ist unklar. Eine Sprecherin der Deutschen Bischofskonferenz wollte dies auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur nicht kommentieren. Bereits im Mai hatten Frauen in Ehrenämtern der katholischen Kirche unter dem Motto "Maria 2.0" für mehr Mitwirkung gestreikt.

Die Vertreter von "Wir sind Kirche" kündigte in Neustadt an, das Handeln der Leitungen in der katholischen Kirche weiterhin kritisch zu begleiten. Angesichts der "unsäglichen Schließungen und Zusammenlegungen von Pfarreien" in allen katholischen Bistümern wolle "Wir sind Kirche" stärker die Gemeinden und Glaubenden darin unterstützen, selbst initiativ zu werden, Verantwortung zu übernehmen und Kirche vor Ort zu sein.

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Die Kirche habe "ihre moralische Autorität verloren, wenn sie nicht den Missbrauch und die Ursache des Missbrauchs aufarbeitet", sagte "Wir sind Kirche"- Sprecher Christian Weisner. Wenn es der katholischen Kirche in Deutschland gelinge, "die theologisch überhöhten Machtstrukturen zu knacken", könnte dies Vorbild für die Weltkirche sein, sagte er.

Der geplante Erneuerungsprozess "Synodaler Weg" sei die vielleicht letzte Chance auf ein Ende der Krise. "Wir werden den 'Synodalen Weg', der am 1. Dezember beginnen soll und auf zwei Jahre angelegt ist, in kritischer Loyalität begleiten, warnen aber vor allzu großen Hoffnungen", meinte Weisner.

Arbeit an Positionspapier

Unter dem Eindruck des Missbrauchsskandals haben die katholischen Bischöfe in Deutschland einen Reformprozess eingeleitet, den sie "Synodalen Weg" nennen. Dabei geht es unter anderem um den Umgang der Kirche mit Macht, die umstrittene Ehelosigkeit von Priestern (Zölibat), die Sexualmoral und die Position von Frauen in der Kirche.

Die Bewegung "Wir sind Kirche" ging aus dem 1995 in Österreich initiierten Kirchenvolks-Begehren hervor und setzt sich für eine Erneuerung der römisch-katholischen Kirche auf der Basis des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) ein. Sie versteht sich als eine offene, innerkirchliche Reformbewegung, in der sich Laien, Ordensleute und Priester gemeinsam engagieren.

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