Angeklagter vor Gericht zu Prozessauftakt im Landgericht Frankenthal.  (Foto: SWR, Sebastian Barth)

Urteil am Landgericht Frankenthal gesprochen Demenzkranke Ehefrau erstickt: Zweieinhalb Jahre Haft

Im Prozess gegen einen 86-Jährigen, der seine schwerkranke Ehefrau getötet haben soll, ist bereits am ersten Prozesstag das Urteil gefallen. Der Angeklagte muss wegen Totschlags für zweieinhalb Jahre ins Gefängnis.

Die Richter begründeten das milde Urteil damit, dass es sich um einen tragischen Fall handele. Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre und drei Monate für den 86-jährigen Mann aus Speyer gefordert. Die Verteidigung hatte dagegen zwei Jahre Haft auf Bewährung gefordert.

Ehefrau aufopfernd gepflegt

Der Mann sei 60 Jahre lang mit seiner Frau verheiratet gewesen und habe sie in den vergangenen Jahre aufopfernd gepflegt - unter unvorstellbarer psychischer und physischer Kraft. Als er selbst körperlich und zeitweise auch geistig abbaute, hätte er eigentlich Hilfe annehmen müssen.

Sein Sohn sagte vor Gericht aus, ein Platz in einem Pflegeheim sei schon für beide Eltern organisiert gewesen. Der 86-Jährige sei aber der Ansicht gewesen, dass seine Frau im Heim nicht so liebevoll umsorgt würde, wie von ihm. Das war laut psychiatrischem Gutachten eine Fehleinschätzung, die durch seine eigene Überforderung begründet werden kann.

Dauer

Angeklagter gesteht die Tat

Der 86-Jährige hatte zu Prozessbeginn am Dienstagmorgen gestanden, im Januar seine Ehefrau in der gemeinsamen Wohnung in Speyer getötet zu haben. Er habe seine schwer kranke Frau "erlösen wollen", ließ der Angeklagte von seinem Anwalt vortragen. Er habe verhindern wollen, dass seine Frau in ein Pflegeheim muss. Er habe ihr versprochen, für sie da zu sein. Deswegen habe er die geistig wie körperlich stark beeinträchtigte Frau selbst gepflegt.

Schlaftabletten verabreicht und erstickt

Am Tattag im Januar habe er ihr Schlaftabletten verabreicht und ihr eine Tüte über den Kopf gezogen. Anschließend habe er die Wohnungstür so geschlossen, dass sie von außen leicht zu öffnen gewesen sei, las der Anwalt vor Gericht vor. Dann habe der Angeklagte selbst Schlaftabletten genommen und sich eine Tüte über den Kopf gezogen. Diese habe er aber wieder abgenommen. Sein Sohn habe die Eltern schließlich im Bett vorgefunden und die Rettungskräfte verständigt.

Der Mann wurde nach der Tat im Krankenhaus behandelt. Seither saß er in Untersuchungshaft. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Laut Gericht kann der Mann darauf hoffen, nur die Hälfte seine Strafe verbüßen zu müssen.

Experte rät, frühzeitig Hilfe zu holen

Markus Fani, Chefarzt im Pfalzklinikum Klingenmünster, sagte im Interview mit dem SWR, kein Fall in Rheinland-Pfalz müsse so enden wie in Speyer. Fani kümmert sich in Klingenmünster um psychisch Kranke ab 65 Jahren, Schwerpunkt sind Demenzkranke. Besonders Männern mit demenzkranken Frauen falle es schwer, sich Hilfe zu holen, so der Arzt. Dabei sei das das A und O für Angehörige.

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