Prozessakten in einem Gerichtssaal des Frankenthaler Landgerichts (Foto: SWR)

Prozess am Landgericht Frankenthal Feuerwehrleute schildern verheerendes BASF-Unglück

Fünf Menschen waren bei dem verheerenden BASF-Unglück in Ludwigshafen 2016 ums Leben gekommen, über 40 verletzt worden. Zwei Feuerwehrleute schilderten am Mittwoch vor Gericht, was damals passierte. Sie tragen noch heute Narben von dem Unglück.

Im Frankenthaler Gerichtssaal herrschte am Mittwoch gespannte Stille bei den Zuschauern, als die beiden Feuerwehrmänner schilderten, was sie am Unglückstag des 17. Oktober 2016 erlebten. Beide erlitten schwere Brandverletzungen beim Großeinsatz auf dem BASF-Werksgelände.

Der Angeklagte vor dem Frankenthaler Landgericht (Foto: SWR)
Der Angeklagte vor dem Frankenthaler Landgericht

Zeugen erlitten schwere Brandverletzungen

Die Feuerwehrmänner erzählten, dass sie eine rund vier Meter hohe Feuersäule sahen, als sie am Unglücksort eintrafen. Was dann passierte, konnten sie allerdings nicht vorhersehen. Einer der beiden, der 55-jährige Fahrer eines Löschzugs, hat heute noch sichtbare Verletzungen am Hinterkopf von dem schweren Einsatz zurückbehalten. Der Einsatz hat auch bei seinem 36-jähriger Kollegen sichtbare Spuren hinterlassen. Der Feuerwehrmann, der damals zum sogenannten Angriffstrupp gehörte, trägt Narben im Gesicht.

Dauer

Mehrere Hauttransplantationen nötig

Beide Männer wurden in den vergangenen zwei Jahren mehrmals operiert und bekamen Hauttransplantationen. Ob sie je wieder arbeiten können, wissen sie nicht, sagen beide. Noch immer leiden die Männer auch unter den psychischen Folgen der Geschehnisse. Sie zucken noch heute zusammen, wenn es irgendwo laut wird oder knallt.

Feuerwehrmann wurde durch Explosion ins Hafenbecken geschleudert

Als er damals mit dem Löschzug am Unglücksort bei der BASF eintraf, so schilderte es der 55-Jährige am Mittwoch als Zeuge vor Gericht, habe er einen lauten Knall gehört. Er sehe sich noch davonlaufen. Dann sei er erst wieder zu sich gekommen, als Rettungssanitäter ihn behandelten.

Der jüngere Feuerwehrmann war gerade damit beschäftigt, Leitungen für die Wasserwerfer zu legen, als er die Explosion hörte. Durch deren Wucht sei er ins Hafenbecken geschleudert worden, musste schwimmen und wurde schließlich von einem Rettungsboot aus dem Wasser gerettet.

BASF-Schichtarbeiter warnte damals die Kollegen

Auch ein BASF-Schichtarbeiter wurde durch die Explosion schwer verletzt. Der Chemiefacharbeiter, der auch als Zeuge aussagte, ist im Nordhafen der BASF dafür zuständig, Schiffe zu be- und entladen. Die Tanker haben Flüssigkeiten und Gase geladen. Der Mann, der seit 30 Jahren bei der BASF ist, sagte aus, er habe am Unglückstag das Feuer an einer Rohrleitung gesehen und daraufhin andere Mitarbeiter gewarnt. Nur wenige Augenblicke später erfasste ihn die Druckwelle der ersten Gasexplosion. Er erlitt schwere Verbrennungen und wurde vier Mal operiert, ist aber seit gut einem Jahr wieder an seinem Arbeitsplatz. "Es muss weitergehen", sagte er im Gerichtssaal.

Angeklagt ist 63-jähriger Arbeiter

Ein 63-jähriger Arbeiter aus Mannheim soll das Unglück verursacht haben. Der Angeklagte hatte bei Prozessbeginn angekündigt, sich erst dann zu äußern, wenn alle 42 Zeugen ausgesagt haben. Ein Urteil soll im März verkündet werden.

Die Rauchsäule des Unglücks 2016 - fotografiert von einem Hobby-Piloten (Foto: dpa Bildfunk)
Die Rauchsäule - fotografiert von einem Hobby-Piloten

Der Angeklagte - ein Schweißer einer externen Firma - soll damals bei Reparaturarbeiten auf dem BASF-Werksgelände versehentlich ein mit entzündlichem Gas gefülltes Rohr mit dem Trennschleifer angeschnitten haben. Das löste einen Großbrand und zwei verheerende Explosionen aus. Infolge des Unglücks starben vier Feuerwehrleute und der Matrose eines Tankschiffs.

Der Hintergrund: Was genau passierte bei dem BASF-Unglück 2016?

Arbeiter einer Spezialfirma - darunter der Angeklagte - sollten am 17. Oktober 2016 im Auftrag des Chemieunternehmens BASF an einer Flüssiggas-Leitung ein Element austauschen. In dem etwa 20 Meter breiten Rohrgraben in Ludwigshafen lagen 38 Leitungen - für Dampf, Brunnen- und Abwasser sowie für brennbare Chemikalien.

Löschtrupps am Landeshafen Nord - Das BASF-Unglück 2016 (Foto: dpa Bildfunk)
Der Unglücksort war der Landeshafen Nord bei der BASF

Funken lösten Explosion aus

Gegen 11.30 Uhr passierte es: Einer der Arbeiter sollte eine neben dem Rohr liegende Leitung angeschnitten haben, die gar nicht zum Sanierungsprojekt gehörte. Darin floss ein brennbares Buten-Gemisch. Den Ermittlungen zufolge sollen Funken das Gemisch entzündet haben. Per Handlöscher versuchten Arbeiter vergeblich, das Feuer in den Griff zu bekommen. Als Werkfeuerwehrleute einen Wasserwerfer aufbauen wollten, um die Rohre zu kühlen, kommt es zur Explosion.

Unglück mit fünf Toten

Zwei Feuerwehrleute sterben noch am Unfallort, ebenso der Matrose eines Tankschiffes. Ein dritter Feuerwehrmann stirbt zwölf Tage nach dem Unglück, ein vierter fast elf Monate später.

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