Die Stadtklinik in Frankenthal (Foto: SWR, Panja Schollbach)

Patienten zu lange künstlich beatmet? Ausschuss beschäftigt sich mit Vorwürfen gegen Stadtklinik Frankenthal

Patienten sollen auf der Intensivstation des Krankenhauses in Frankenthal zu lange künstlich beatmet worden sein. Am Donnerstag beschäftigte sich der Krankenhausausschuss mit den Vorwürfen.

Die Stadtratsfraktionen der Grünen und der CDU hatten sich auf die Sitzung des Krankenhausausschusses mit einem umfangreichen Fragenkatalog vorbereitet. Unter anderem ging es darum, ob die Stadtklinik gezielt bei anderen Kliniken um Beatmungspatienten geworben hatte.

Dies wies der Frankenthaler Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) klar zurück. In den vergangenen drei Jahren seien rund hundert Beatmungspatienten nach Frankenthal verlegt worden, aber in keinem der Fälle sei die Initiative von Frankenthal ausgegangen, sondern immer von den Kliniken, die die Patienten verlegen wollten. Entsprechende Verträge zwischen den Krankenhäusern und Vergütungen gebe es nicht.

Details zu umstrittenen Bonus-Zahlungen bleiben nicht-öffentlich

Die Fragen zum Vertrag des Chefarztes und den mutmaßlichen Boni beantwortete Hebich unter Ausschluss der Öffentlichkeit - aus Datenschutzgründen. Nach Angaben der Stadt Frankenthal sind eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und ein Gutachter für Krankenhausorganisation damit beauftragt worden, die Vorwürfe zu prüfen.

Länger beatmet als nötig?

Die "Süddeutsche Zeitung" hatte Anfang September berichtet, in der Frankenthaler Stadtklinik würden Patienten länger beatmet, als nötig. Dafür bekomme die Klinik viel Geld von den Krankenkassen. Auch der Chefarzt soll dafür Boni von der Klinik erhalten haben.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Ehemaliger Krankenhausdezernent bestätigt Bonus-Zahlungen

Der ehemalige Krankenhausdezernent von Frankenthal, Andreas Schwarz (SPD), bestätigte dem SWR, dass es Bonuszahlungen für den Chefarzt der Intensivstation gab. Diese seien an die Beatmungsstunden auf der Station gekoppelt gewesen. Die Klinik habe damit allerdings das Ziel verfolgt, die Intensivstation auszubauen und Kooperationen mit anderen Kliniken zu schließen. Beispielsweise hätte die Uniklinik Mainz Beatmungspatienten nach Frankenthal verlegt. Ziel sei nicht gewesen, Patienten immer länger zu beatmen, sondern das Gegenteil.

Die Stadtklinik ist spezialisiert auf eine Therapie, die Beatmungspatienten vom Beatmungsschlauch entwöhnen soll, wie es im Fachjargon heißt. Nach Angaben des Oberbürgermeisters ist die Klinik dabei sehr erfolgreich. Die Quote liege bei 50 Prozent.

Bundesärztekammer klar gegen Bonus-Zahlungen in der Medizin

Bonus-Zahlungen für Ärzte sind mehr als umstritten: Seit fünf Jahren gibt es eine klare Weisung der Bundesärztekammer, dass für Ärzte keine finanziellen Anreize mehr vereinbart werden sollen, wenn es um Behandlungen oder Operationen geht. Damit will die Kammer sicherstellen, dass Ärzte ihre medizinischen Entscheidungen professionell treffen - und nicht aus finanziellen Gründen.

Klinik weist Vorwürfe zurück

Nach Angaben der Stadt wurden die Behandlungen der letzten drei Jahre in der Intensivstation der Klinik ausgewertet. Dabei habe sich kein Hinweis darauf ergeben, dass Patienten länger künstlich beatmet wurden, als medizinisch notwendig. Auch die Behauptung, Schwerstkranke seien mit unnötigem Aufwand behandelt worden, wiesen die Klinik-Verantwortlichen bislang zurück.

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