Der Angeklagte im Falle der Bluttat von Kandel (Foto: SWR)

Tot in der Zelle gefunden Obduktion bestätigt: Mörder von Mia hat sich erhängt

Die Obduktion hat bisherige Vermutungen bestätigt: Der Mörder der 15-jährigen Mia hat sich in seiner Gefängniszelle erhängt. Das teilte die Staatsanwaltschaft am Freitag mit.

Es gebe keine Hinweise auf eine Fremdeinwirkung. Todesursache sei "ein zentrales Regulationsversagen infolge Erhängens". Die Befunde des rechtsmedizinischen Instituts in Mainz seien "mit einem suizidalen Geschehen in Einklang zu bringen", hieß es in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft und des Polizeipräsidiums Rheinpfalz. Ein toxikologisches Zusatzgutachten werde noch erstellt.

Der aus Afghanistan stammende Abdul D. war am Donnerstag tot in der Jugendstrafanstalt Schifferstadt gefunden worden. Er war in einer Einzelzelle untergebracht.

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Zelle war nicht videoüberwacht

Laut Justizministerium soll der vermutlich aus Afghanistan stammende Flüchtling Abdul D. Schnürsenken und Kopfkissenbezug genutzt haben, um sich in der Nacht zum Donnerstag zu erhängen. Die Einzelzelle sei von außen verschlossen gewesen, sagte Sprecher Christoph Burmeister. Eine Videoüberwachung habe es nicht gegeben. Am Mittwochabend um 21:30 Uhr sei der Häftling noch lebend gesehen worden.

Der rheinland-pfälzische Justizstaatssekretär Philipp Fernis (FDP) sagte dem SWR, es habe keine Hinweise auf eine Selbsttötung gegeben: "Es kam völlig überraschend für uns." Es habe zwar Auseinandersetzungen zwischen Abdul D. und Mitgefangenen gegeben. Deswegen sei er in einer Einzelzelle untergebracht gewesen. Solche Auseinandersetzungen seien aber keine Hinweis auf eine Selbsttötung, so Fernis weiter. Deshalb sei D. auch nicht 24 Stunden überwacht worden.

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Verteidiger von Abdul D. ist "erschüttert"

Der damalige Verteidiger von Mias Mörder, der Anwalt Maximilian Endler, hatte nach eigenen Angaben im Vorfeld "keine Anhaltspunkte" für eine mögliche Suizidgefahr des jungen Mannes gesehen. In einem Brief an Endler habe D. vor einigen Monaten lediglich von disziplinarischen Problemen in der JVA und von Problemen mit Mitgefangenen gesprochen. Auch Verwandte des Häftlings hätten Endler gegenüber zuletzt keine Andeutungen hinsichtlich einer Suizidgefahr gemacht. Er selbst sei "erschüttert" über den Vorgang. Während des Prozesses im Sommer 2018 hatte Abdul D. bereits einen Suizidversuch unternommen. Der junge Mann war daraufhin in einem Krankenhaus behandelt worden.

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Urteil im September 2018

Das Landgericht Landau hatte Abdul D. im September 2018 wegen Mordes und Körperverletzung an seiner früheren Freundin Mia zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Als Motiv für die Tat hatte die Anklage Eifersucht und Rache angenommen. Sie ging davon aus, dass Abdul D. Mia bestrafen wollte, weil sie sich wenige Wochen vor der Tat von ihm getrennt hatte.

Demonstrationen in Kandel

Abdul D. hatte im Dezember 2017 in einem Drogeriemarkt in Kandel (Kreis Germersheim) die damals 15-jährige Mia mit einem Messer erstochen. Die südpfälzische Kleinstadt war danach im Streit um die deutsche Migrationspolitik eine Art Kristallisationspunkt geworden. Immer wieder hatten Bürger in dem Ort demonstriert. Eine breites Bündnis wandte sich gegen die Instrumentalisierung durch Rechtspopulisten. Auch für diesen Freitag war eine Demonstration angekündigt.

Mordfall löste Diskussionen um Altersfeststellung aus

Abdul D. war nach seiner Ankunft in Deutschland als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling aufgenommen und betreut worden. Er gab sein Alter zunächst mit 15 Jahren an. Nach der Tat kamen Zweifel auf, ob er tatsächlich so jung sei. Ein Gutachten im Auftrag der Staatsanwaltschaft kam zu dem Ergebnis, dass er zum Zeitpunkt der Tat mindestens 17 Jahre und sechs Monate, wahrscheinlich aber schon 20 Jahre alt war. Verurteilt wurde er nach Jugendstrafrecht.

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