Ein Schild auf dem Landgericht steht - das Landgericht Frankenthal bedauert Haftentlassung im Babymord-Prozess (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Uwe Anspach/dpa)

Prozess wird nach Freilassung fortgesetzt Anwalt verlässt Saal im Frankenthaler Babymord-Prozess

Im Prozess um den Mann, der sein Baby in Frankenthal aus einer Wohnung im zweiten Stock geworfen haben soll, gab es am Dienstagvormittag einen Eklat. Der Anwalt verließ vorzeitig den Gerichtssaal.

Gab es im Vorfeld Spekulationen, dass sich der Angeklagte im Babymord-Prozess nach seiner Freilassung absetzen würde, kam es am Dienstag zu einer ganz anderen Überraschung. Der Pflichtverteidiger des 35-Jährigen, dem vorgeworfen wird, sein Baby vom Balkon geworfen zu haben, stritt sich mit den Richtern, der Verteidigung, der Nebenklage und der Staatsanwältin. Anschließend verließ er die Verhandlung, um an einem anderen Strafprozess teilzunehmen, entgegen eines Gerichtsbeschlusses.

Termin-Dopplung als Grund

Wegen Terminschwierigkeiten hatte der Rechtsanwalt des Angeklagten zuvor die Unterbrechung der Verhandlung beantragt. Er sagte, er müsse am Prozess um das BASF-Unglück von 2016 teilnehmen. Dort vertritt er die Eltern eines getöteten Feuerwehrmannes. Dieser Prozess fand zeitgleich statt. Das Gericht im Babymordprozess lehnte seinen Antrag ab. Der Rechtsanwalt verließ trotzdem den Gerichtssaal. Die Verhandlung wurde bis zum nächsten Verhandlungstag unterbrochen.

Dauer

Prozess mit Hindernissen

In dem Prozess hatte es schon mehrere ungewöhnliche Wendungen gegeben: Es ist bereits der zweite Anlauf in dem Verfahren. Beim ersten Prozess war die Richterin erkrankt, und das Verfahren musste komplett von vorn beginnen.

Unter anderem deswegen saß der Angeklagte zu lange in Untersuchungshaft. Er beschwerte sich und wandte sich ans Verfassungsgericht. Das Oberlandesgericht Zweibrücken hatte dann Anfang Februar verfügt, den Haftbefehl für den Mann nach zweieinhalb Jahren Untersuchungshaft aufzuheben. Er ist zurzeit auf freiem Fuß.

Flucht befürchtet

Trotz der Spekulationen, dass er sich absetzen würde, war der Angeklagte am Dienstag pünktlich vor Gericht erschienen. Das Landgericht in Frankenthal nannte die Entscheidung des Oberlandesgerichts "schwer erträglich" und sieht nach wie vor Fluchtgefahr. Der Anwalt des Mannes sieht diese Sorge als unbegründet. Sein Mandant habe vier Kinder und außerdem gar nicht die finanziellen Mittel, um zu fliehen.

Erneuter Haftbefehl möglich

Wenn der Angeklagte am Dienstag nicht zum Gerichtstermin erschienen wäre, hätte laut Gericht ein erneuter Haftbefehl erlassen werden können. Außerdem hätte auch ohne ihn zunächst weiterverhandelt werden können, so ein Gerichtssprecher. Weitere Auflagen oder Verpflichtungen für den Mann gebe es nicht.

Die Mutter des getöteten Babys hat nach Angaben ihres Anwalts Angst. Der Angeklagte habe in der Vergangenheit gedroht, sie umzubringen, wenn er rauskommen sollte. Gegen den Mann wurde eine Gewaltschutz-Anordnung verhängt. Laut Gericht darf er sich der Mutter nicht nähern.

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