Das Grab der getöteten 15-jährigen Mia aus Kandel (Foto: picture-alliance / dpa)

Tötungsdelikt in Kandel Mutmaßlicher Mörder von Mia angeklagt

Knapp vier Monate nach dem tödlichen Messerangriff auf die 15-jährige Mia im pfälzischen Kandel hat die Staatsanwaltschaft ihren Ex-Freund angeklagt. Der Vorwurf lautet auf Mord.

Der mutmaßlich aus Afghanistan stammende Flüchtling hat den Ermittlungen zufolge am 27. Dezember in einem Drogeriemarkt plötzlich ein Messer gezogen und sieben Mal auf die junge Frau eingestochen, wie die Staatsanwaltschaft Landau am Mittwoch mitteilte. Das Opfer habe keine Chance gehabt, sich zu wehren. Ein Stich in die Herzgegend war tödlich, Mia starb kurze Zeit später.

Eifersucht und Rache als Motiv?

Motiv für die Tat sollen übersteigerte Eifersucht und Rache gewesen sein. Die Ermittler gehen davon aus, dass der junge Mann seine Ex-Freundin bestrafen wollte, weil sie sich einige Wochen zuvor von ihm getrennt hatte und dann mit einem anderen Jungen befreundet gewesen sein soll. Der Verdächtige sitzt in Untersuchungshaft und äußert sich nach wie vor nicht zu den Vorwürfen. Ein Termin für den Prozess vor dem Landgericht Landau steht noch nicht fest.

Der Fall hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Seit dem Tod der 15-Jährigen kommt es in Kandel immer wieder zu Demonstrationen. So kam es Ende März zu einer rechtspolitischen Kundgebung. Dieser stellte sich ein breites Bündnis aus Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und Bürgern entgegen. Zudem meldete die Antifa einen Protestzug an. Dabei kam es auch zu Übergriffen auf Polizisten.

Im Zusammenhang mit den Demos Ende März haben die Behörden bislang 20 Verfahren wegen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz gegen 14 Personen eingeleitet. Da aber noch nicht das gesamte Videomaterial ausgewertet sei, rechne das Innenministerium mit weiteren Anzeigen.

Alter des Angeklagten für Urteil wichtig

In dem Fall spielte auch das Alter des mutmaßlichen Täters eine Rolle. Dabei wurde die Debatte über die Altersfeststellung von jungen Flüchtlingen bundesweit neu angefacht. Während der Verdächtige angibt, zum Zeitpunkt der Tat erst 15 Jahre alt gewesen zu sein, geht die Staatsanwaltschaft aufgrund eines medizinischen Gutachtens davon aus, dass der junge Mann etwa 20 Jahre alt war.

Das Alter ist für den Gerichtsprozess und das mögliche Strafmaß bei einer Verurteilung wichtig. Heranwachsende, die älter als 18 und jünger als 21 Jahre alt sind, können sowohl nach Jugend- als auch nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden. Das hängt davon ab, wie das Gericht die "sittliche und geistige" Reife eines Angeklagten beurteilt.

Geprüft wird nun unter anderem auch, ob die Verhandlung vor der Jugendkammer des Landgerichts öffentlich geführt wird. Käme das Gericht anders als die Staatsanwaltschaft zu dem Schluss, dass der Verdächtige doch noch Jugendlicher ist, wäre die Öffentlichkeit nicht zugelassen.

Auf Mord steht im Strafrecht für Erwachsene eine lebenslange Freiheitsstrafe. Für Heranwachsende im Jugendstrafrecht beträgt die Höchststrafe zehn Jahre Gefängnis. Erkennt das Gericht eine besondere Schwere der Schuld, sind maximal 15 Jahre Haft möglich.

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