Urteil am Landgericht Frankenthal Vater im "Babymord-Prozess" zu 15 Jahren Haft verurteilt

Nach mehr als zwei Jahren Verhandlung ist das Urteil im sogenannten Babymord-Prozess gesprochen worden. Der angeklagte Vater ist wegen Mordes und Körperverletzung zu 15 Jahren Haft verurteilt worden.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Mit einer Strafe wegen Mordes und gefährlicher Körperverletzung folgen die Richter dem von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafmaß. Die war davon ausgegangen, dass der Mann vor drei Jahren seine wenige Wochen alte Tochter "aus übersteigerter Eifersucht" von einem Balkon im zweiten Stock geworfen und so getötet hatte. Damit gehen die Richter davon aus, dass der 35 Jahre alte Mann unter Vorsatz gehandelt hat.

"Der Angeklagte hat das Baby absichtlich vom Balkon geworfen, um die Mutter des Kindes zu bestrafen."

Richter am Landgericht Frankenthal in ihrer Urteilsbegründung

Angeklagter "eingeschränkt schuldfähig"

Gleichzeitig berücksichtigten die Richter beim Strafmaß, dass der Mann bei der Tat unter Drogen gestanden hatte. Sie verurteilten den Kindsvater zu 15 Jahren Haft, weil er am Tag der Tat Kokain konsumiert habe. Damit sei er nur eingeschränkt schuldfähig. Bei voller Schuldfähigkeit hätte er eine lebenslange Haftstrafe erhalten.

Diese hatte die Nebenklage in ihrem Plädoyer gefordert. Der Verteidiger des Mannes dagegen hatte auf Freispruch plädiert. Durch das Kokain sei sein Mandant in Panik geraten und das Baby sei ihm aus den Händen geglitten.

Urteil wegen Mord und Körperverletzung

Die Richter verurteilten den Angeklagten auch wegen Körperverletzung, weil er in der Tatnacht die Lebensgefährtin, seine andere Tochter und einen Bekannten mit einem Messer verletzt hatte.

Dauer

Wegen außergewöhnlich langen Prozesses auf freiem Fuß

Mit dem Urteil ist am Freitag einer der längsten Prozesse zu Ende gegangen, den das Landgericht Frankenthal in jüngster Zeit zu verhandeln hatte. Wegen der langen Verhandlungsdauer musste der Angeklagte - nach einem Hinweis des Bundesverfassungsgerichts - aus der Untersuchungshaft entlassen werden.

Der Verurteilte bleibt auch nach dem Urteilsspruch am Freitag auf freiem Fuß. Die Kammer entschied, dass der Haftbefehl gegen ihn ausgesetzt bleibt, bis das Urteil rechtskräftig ist. Der Anwalt des Verurteilten will das Urteil anfechten. Dem SWR sagte er, er habe bereits Revision gegen das Urteil eingelegt.

Vater war eifersüchtig auf das Baby

Während des Prozesses war in den vergangenen Wochen immer wieder deutlich geworden, dass es vom Tatabend zwei unterschiedliche Versionen gibt. Die Kindsmutter und ein Freund des Paares, der an dem Abend auch in der Wohnung war, sprachen im Prozess davon, dass der Vater das Baby aus Eifersucht vom Balkon geworfen habe. Der Angeklagte sei eifersüchtig gewesen, weil die Mutter so viel Zeit mit dem Baby verbracht habe. Er sei an dem Abend aggressiv und am Ende gewalttätig geworden.

Kerzen und Kuscheltiere am Tatort (Foto: SWR)
Passanten hatten am Tatort in Frankenthal Kerzen und Kuscheltiere aufgestellt

Tat unter Drogeneinfluss geschehen

Der Kindsvater erzählte dagegen eine andere Version. Er bestritt, dass er das Baby aus Wut oder aus Eifersucht vom Balkon geworfen hatte, wie es auch die Staatsanwaltschaft darstellte. Der 35-Jährige sagte aus, er habe an jenem Tag im Mai 2016 Kokain genommen. Anschließend sei es zu einem Streit mit seiner Lebensgefährtin gekommen. Wegen der Drogen habe er Panik bekommen. Er habe unter Wahnvorstellungen gelitten. Als die Polizei klingelte, um in der Wohnung nach dem Rechten zu sehen, habe er das Baby schützen wollen und sei mit ihm auf den Balkon gelaufen. Dort habe er es fallen lassen.

Am Ende folgten die Richter in ihrem Urteil der Version der Staatsanwaltschaft und der Mutter. Sie verurteilten den Angeklagten wegen Mordes und nicht wegen Totschlags.

STAND