Landwirte befürchten Höfesterben Bauern aus der Region protestieren gegen Agrarpolitik

In ganz Deutschland demonstrierten am Dienstag Landwirte gegen die Agrarpläne der Bundesregierung. In der Pfalz protestierten Bauern auf einem Acker, Bauern aus dem Rhein-Neckar-Kreis fuhren nach Stuttgart.

Tausende Bauern sind am Dienstag bundesweit mit ihren Traktoren in zahlreiche Städte gefahren und haben dort gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung protestiert.

Hundert Landwirte zu Protest in der Pfalz erwartet

Auch im pfälzischen Dannstadt-Schauernheim haben sich am Dienstag rund 150 Pfälzer Landwirte, Winzer und Gemüsebauern an dem Protest beteiligt.

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Die Proteste richten sich gegen die Pläne der Bundesregierung unter anderem für mehr Natur- und Tierschutz in der Landwirtschaft und zum Schutz des Grundwassers vor Nitrat, das etwa durch Überdüngung in den Boden gelangt. Bauern fürchten, dass kleinere Betriebe eingehen könnten.

Pfälzer Landwirte in Dannstadt-Schauernheim (Foto: SWR, Irmgard Reißinger)
Pfälzer Landwirte in Dannstadt-Schauernheim Irmgard Reißinger

Landwirte lassen Flugzeug kreisen

In der Pfalz hatten die Demonstranten einen langen Tisch auf einem Acker aufgebaut, gedeckt mit Pfälzer Gemüse, umringt von 100 Traktoren. Über dem Acker kreiste ein Kleinflugzeug mit Banner, darauf die Frage: "Essen von hier?".

Die Aktion sei eine Aufforderung an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) und Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) an den Verhandlungstisch zu kommen und einen Mehrgenerationen-Vertrag zu verabschieden, erklärten die Organisatoren. Strengere Regeln beim Düngen oder auch für Pflanzenschutzmittel hätten das Fass zum Überlaufen gebracht, so die Landwirte. Sie kritisierten außerdem die unfaire Konkurrenz durch billige Agrarprodukte aus dem Ausland.

Bauern aus der Rhein-Neckar-Region fahren nach Stuttgart

Protest gibt es auch aus der Rhein-Neckar-Region: An die 80 Landwirte sind am Dienstag von dort nach Stuttgart gefahren, um gegen das Agrarpaket zu demonstrieren. Das werde laut Bauernverband die Bürokratie in der Landwirtschaft weiter steigern. Deshalb befürchtet der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes in Mannheim, Wolfgang Guckert, dass vor allem kleinere Höfe aufgeben, wenn das Agrarpaket so wie geplant in Kraft tritt.

Bundesweit große Demonstrationen geplant

Zur größten Demonstration in Bonn wurden 8.000 bis 10.000 Landwirte mit rund 800 Traktoren erwartet. Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) äußerte vor Beginn der Proteste Verständnis für die Sorgen der Bauern. Zugleich wies die stellvertretende CDU-Chefin auf nötige Veränderungen in der Landwirtschaft hin. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) mahnte unterdessen mehr Schutz für Insekten in der Landwirtschaft an. Zur Begründung nannte sie den zahlenmäßigen Rückgang bei Feldvögeln.

Die aktuelle Politik gefährde Familienbetriebe, warnten die Bauern. Außerdem führe "Bauern-Bashing", also etwa herablassende Äußerungen über Landwirte, in vielen Bereichen zu Ärger in der Berufsgruppe. In Berlin wollen 1.000 Bauern mit ihren über 100 Traktoren zur Siegessäule fahren. Auch in München, Würzburg, Bayreuth, Erfurt, Rendsburg, Hannover, Oldenburg, Stuttgart, Freiburg, Leipzig und Görlitz haben Landwirte Proteste angekündigt.

Klöckner: Bauern sollen EU-Regeln einhalten

Klöckner erklärte im ZDF-Morgenmagazin, sie "mute den Landwirten etwas zu, Veränderungen, aber ich mache das nicht ohne, dass ich sie auch finanziell unterstütze mit Fördermaßnahmen". Landwirte würden in der gesellschaftlichen Debatte oft als Tierquäler oder Umweltverschmutzer abgetan, sagte Klöckner. Das sei falsch. Trotzdem gebe es auch Erwartungen an die Bauern, beispielsweise bei der Sauberkeit des Grundwassers und der Einhaltung von EU-Regeln.

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