Hass-Attacken gegen Politiker auch in der Pfalz Ex-Bügermeister von Kandel bekam Morddrohungen

Günther Tielebörger war früher Bürgermeister im südpfälzischen Kandel. Ein stinknormaler Job, bis der Ort bundesweit in die Schlagzeilen geriet: Die 15-jährige Mia war von einem Asylbewerber getötet worden. Der Bürgermeister bekam Morddrohungen.

In einem Drogeriemarkt im südpfälzischen Kandel ersticht ein afghanischer Asylbewerber im Dezember 2017 seine 15-jährige Ex-Freundin Mia mit einem Küchenmesser. Eine Tat, die bundesweit für Aufsehen sorgt.

Ex-Bürgermeister Günther Tielebörger (Foto: SWR, SWR -)
Ex-Bürgermeister Günther Tielebörger SWR -

Nach Gedenkgottesdienst massiv bedroht

Nach der Tat mahnen Tielebörger und sein Kollege, der Verbandsbürgermeister Volker Poß, bei einem Gedenkgottesdienst in Kandel: Die Trauer um die ermordete Mia dürfe nicht in Hass auf Fremde und Flüchtlinge umschlagen. Das Echo ist anders als erwartet: Monatelang werden die beiden Kommunalpolitiker in den sozialen Medien massiv bedroht und bekommen anonyme Hassmails.

Tielebörger: Wegen Drohungen nachts schlecht geschlafen

Eine bedrückende Situation sei das gewesen, erinnert sich Günther Tielebörger. Nachts habe er schlecht geschlafen. "Was geht in den Köpfen von denen vor, die dich ja gar nicht kennen", habe er sich gefragt. Er habe sich nicht vorstellen können, dass Menschen sich so verhalten.

Damals habe er sich gewünscht, sich selbst besser schützen zu können, sagt der ehemalige Kommunalpolitiker. Ein Kollege habe ihm für alle Fälle zu einem Elektroschocker geraten. Der 71-Jährige sagt, er habe sich zwar das Infomaterial angeschaut, sich dann aber dagegen entschieden. Stattdessen habe er auf dem Nachhauseweg beispielsweise nach Sitzungen vermieden, in der Dunkelheit allein unterwegs zu sein.

Auch die Stadt Kandel war nach der Tat nicht zur Ruhe gekommen. Rechtspopulisten liefen regelmäßig auf, um gegen die Asylpolitik der Bundesregierung zu demonstrieren. Dabei wollten viele Einwohner nur eines: endlich Ruhe.

Kann man Politiker schützen?

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hatte zuletzt gefordert, dass es einen staatlichen Schutz für bedrohte Politiker geben muss. Diesen hält Günther Tielebörger zumindest ein Stück weit für möglich. Einerseits durch sichtbare Polizeipräsenz bei öffentlichen Veranstaltungen. Andererseits müssten Hater in den sozialen Medien beispielsweise durch den Verfassungsschutz konsequent aufgespürt werden. "Wenn man das zurückverfolgen würde, dann würden diese verbalen Angriffe auch zurückgehen", davon ist Tielebörger überzeugt. Aber der Hass gehe tiefer. "Es ist ein gesellschaftliches Problem, weil es einfach eine Art und Weise ist, wie wir in der Gesellschaft miteinander umgehen."

Hassbotschaften schaffen Misstrauen und Verunsicherung

Günther Tielebörger hat der Politik inzwischen den Rücken gekehrt. Bis zu seinem Rückzug im Juni 2019 war er 38 Jahre lang Kommunalpolitiker. Jetzt kann er auch wieder ruhig schlafen. Folgen der anonymen Drohmails spürt er aber dennoch bis heute: "Das Misstrauen gegenüber Menschen und der Gesellschaft ist größer geworden."

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