Langericht Frankenthal Eingang (Foto: SWR, Panja Schollbach)

Vater soll Kind vom Balkon geworfen haben Angeklagter im Babymord-Prozess fühlte sich provoziert

Warum hat ein 34-Jähriger sein Baby vom Balkon geworfen? Um diese Frage dreht sich alles beim Frankenthaler Mordprozess. Am Mittwoch erklärte der angeklagte Vater, die Kindsmutter habe ihn ständig provoziert.

Im ersten Prozess hatte die Mutter den Angeklagten schwer belastet. Sie sagte, er sei krankhaft eifersüchtig gewesen, sogar auf sein Baby - und auch gewalttätig. Mehrmals habe er sie mit dem Messer bedroht und auch zum Sex gezwungen.

Baby vom Balkon geworfen

Der 34-jährige Familienvater aus Frankenthal soll im Mai 2016 seine zwei Monate alte Tochter vom Balkon geworfen haben. Das kleine Mädchen starb. Der Vater ist wegen Mordes angeklagt.

Am Mittwoch drehte der Angeklagte bei seiner Aussage den Spieß um: Nicht er, sondern sie sei die krankhaft Eifersüchtige gewesen, habe ihn beklaut und ständig angelogen. Das Schlimmste für ihn, so schilderte der Angeklagte seine Sicht der Dinge, sei gewesen, dass seine damalige Freundin versucht habe, den Kontakt zu seinen Kindern zu unterbinden. Der Angeklagte hat vier Kinder aus einer früheren Beziehung. Er schilderte vor Gericht ausführlich, dass er die Kinder nicht mehr so oft habe sehen können.

Angeklagter gibt zu, Kindsmutter geschlagen zu haben

Ganz schlimm sei es nach der Geburt des Babys gewesen. Der Angeklagte gab zwar zu, die Kindsmutter geschlagen zu haben, aber nur weil sie ihn durch ihre ständigen Provokationen "zur Weißglut" gebracht habe.

SWR-Reporterin Mechthild Becker war bei der Verhandlung im Gerichtssaal, auf sie habe der Angeklagte erstaunlich reflektiert gewirkt, wie sie im Audio schildert.

Dauer

Gutachter: Verminderte Steuerungsfähigkeit nicht auszuschließen

Ein psychiatrischer Gutachter sagte am Mittwochnachmittag, die Richter müssten selbst entscheiden, ob sie den Ausführungen des Angeklagten glauben. Er könne eine verminderte Steuerungsfähigkeit des Angeklagten am Tattag nicht ausschließen. Von der Frage, ob der Angeklagte während der Tat voll schuldfähig war, hängt auch das Strafmaß ab.

Der Angeklagte behauptet, er habe am Tattag erhebliche Mengen Kokain konsumiert und dadurch panische Angst bekommen. Weil er sich verfolgt fühlte, sei er mit dem Baby auf den Balkon geflüchtet. Dabei habe er seine kleine Tochter fallen lasssen. Laut des Gutachters ist eine paranoide Angstattacke durch die Drogen möglich. Dann sei von verminderter Steuerungsfähigkeit auszugehen.

War Angeklagter ängstlich oder aggressiv?

Die Mutter und ein Augenzeuge hingegen hatten den Angeklagten am Tattag nicht als verängstigt, sonders als äußerst aggressiv geschildert. Auch auf einem Polizeivideo aus dem Rettungswagen ist zu sehen, dass sich der Angeklagte sehr aggressiv verhielt.

Erster Prozess war geplatzt

Der gewaltsame Tod des Mädchens wird bereits zum zweiten Mal vor Gericht verhandelt. Ein erstes Verfahren war im September 2017 geplatzt, weil eine Richterin schwer erkrankt war. Das sei der Grund dafür, dass der Prozess schon so lange andauere, sagte ein Sprecher des Landgerichts Frankenthal.

Anfang November hatte der Verteidiger des Angeklagten beim Bundesverfassungsgericht Klage gegen die lange Untersuchungshaft seines Mandanten eingereicht. Der 34-Jährige sitzt seit knapp zweieinhalb Jahren ohne Urteil in Untersuchungshaft.

Anwalt klagt beim Bundesverfassungsgericht

Rechtsanwalt Alexander Klein sagte, sein Mandant habe ein Recht darauf, dass das Verfahren schnellstmöglich durchgeführt werde. Das sei jedoch nicht der Fall. Es müsse mindestens einen Verhandlungstag pro Woche geben. Derzeit sei aber im Schnitt nur etwa ein halber Verhandlungstag pro Woche vorgesehen, sagte Klein. Er fordert daher, dass sein Mandant vorläufig freigelassen werden sollte.

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