Foodsharing gegen Lebensmittelverschwendung Die Lebensmittelretterinnen aus Haßloch

Elf Millionen Tonnen brauchbare Lebensmittel landen in Deutschland jedes Jahr im Müll - das schätzt das Bundeszentrum für Ernährung. Dagegen will die Initiative Foodsharing etwas unternehmen - auch in Haßloch.

Kistenweise tragen Juliette Guerin und Anna Krämer Lebensmittel aus ihren Autos. Das Essen haben die beiden bei Supermärkten abgeholt, wo es sonst in der Tonne gelandet wäre. Denn der Salat hat schon einige welke Blätter, die Möhren ein paar Druckstellen und das Brot ist vom Vortag. Für viele Verbraucher ist das nicht mehr perfekt genug, sagt Juliette Guerin vom der Initiative Foodsharing.

In einer Mülltonne liegen neben Restmüll auch Brot, Möhren, Salat und eine Mandarine. (Foto: picture-alliance / dpa)
Elf Millionen Tonnen brauchbare Lebensmittel landen in Deutschland jedes Jahr im Müll

Deshalb wollen die ehrenamtlichen Lebensmittelretterinnen, wie sie sich selbst nennen, die Menschen dafür sensibilisieren, dass auch nicht mehr ganz perfekte Lebensmittel noch durchaus genießbar sind. Welke Salatblätter werden zum Beispiel im Wasserbad wieder frisch, Druckstellen im Apfel lassen sich ganz leicht ausschneiden.

Kostenlose Lebensmittel vom Fairteiler

Die zwei Haßlocherinnen bringen das "gerettete" Essen aus dem Supermarkt in einen sogenannten Fairteiler, eine kleine Holzhütte in einem Hof mitten in der Haßlocher Innenstadt. Hier kann sich dann jeder kostenlos bedienen.

Juliette Guerin und Anna Krämer vor dem Fair-Teiler der Foodsharing-Initiative Haßloch (Foto: SWR, Christin Hartard)
Juliette Guerin und Anna Krämer vor dem Fair-Teiler der Foodsharing-Initiative Haßloch Christin Hartard

Mindesthaltbarkeit ist kein Verfallsdatum

Eine Nutzerin des Haßlocher Fairteilers stellt ein Päckchen Quark in ihren Fahrradkorb. Der hat sein Mindeshaltbarkeitsdatum vor fünf Tagen erreicht; aber ein Mindeshaltbarkeitsdatum ist noch lange kein Verfallsdatum. Die Lebensmittelretterinnen aus Haßloch raten, solche Lebensmittel einfach vorsichtig zu probieren. So merke man schnell, dass Lebensmittel oder auch Milchprodukte wie zum Beispiel Joghurt oft noch lange nach Ablauf der Mindesthaltbarkeit essbar sind. Nudeln, Mehl oder Reis können oft sogar noch Monate danach gegessen werden.

Essen holen oder hinbringen

Den Fairteiler in Haßloch kann jeder nutzen: Zum Essen holen oder Essen hinbringen. Wer einmal zu viel eingekauft hat oder kurz vor dem Urlaub merkt, dass die Speisekammer noch viel zu voll ist, der kann seine Lebensmittel einfach dort hinbringen. Einen Überblick über alle Fairteiler in der Region findet sich hier. So landen zukünftig vielleicht mehr Lebensmittel auf dem Teller landen - und weniger in der Tonne.

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