Warnschild auf einer Giftmülldeponie (Foto: picture-alliance / dpa)

Nach dem Tod von zwei Deponie-Mitarbeitern Fragestunde zu tödlichem Giftmüll-Unfall in Heßheim

Drei Monate nach dem tödlichen Giftmüll-Unfall auf der Deponie in Heßheim (Rhein-Pfalz-Kreis) ist immer noch unklar, was genau passiert ist. Am Mittwochabend wurden die Bürger informiert.

Im August waren zwei Mitarbeiter der Sondermülldeponie Heßheim bei einem Gefahrstoff-Unfall ums Leben gekommen, nachdem sie ein 60-Liter-Fass geöffnet hatten. Bislang war unklar, welcher Stoff dabei ausgetreten ist. Die Obduktion hatte als Todesursache inneres Ersticken ergeben.

Umweltstaatssekretär Thomas Griese (Grüne) erklärte am Mittwoch, dass es sich um zwei 60-Liter-Behälter gehandelt habe. An diesen muss den verstorbenen Mitarbeitern wohl eine Unregelmäßigkeit aufgefallen sein. Daher hätten sie sie ins Freie geschleppt. Als einer der Behälter geöffnet wurde, strömte das tödliche Gas aus. Bei dem Giftstoff habe es sich vermutlich um Cyanid (Blausäure) gehandelt.

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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen RP

Angriff von Extern nicht auszuschließen

Dieser sei wohl irgendwo und irgendwann zugeführt worden - ob aus Fahrlässigkeit, aus Unwissen oder sogar absichtlich, ist derzeit noch unklar. Es gebe keine Belege dafür, dass die mögliche Blausäure durch Verfahren auf der Deponie entstand. Daher sei ein Angriff von Extern zumindest nicht auszuschließen. Die Arbeitsabläufe vor Ort waren an sich richtig, so Griese weiter.

Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung

Die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung gegen Unbekannt und prüft, ob die Süd-Müll GmbH eventuell gegen Umweltauflagen verstoßen hat. Möglicherwiese war das Fass falsch beschriftet oder wurde mit einer unzulässigen Substanz befüllt. Es stammte vom Wormser Standort des Spezialchemikalien-Herstellers Evonik.

Rettungsfahrzeuge an der Deponie in Heßheim nach dem tödlichen Unfall (Foto: SWR)
Rettungsfahrzeuge an der Deponie in Heßheim nach dem tödlichen Unfall

Weitere Ermittlungen gestartet

Außerdem soll ein 1.000-Liter-Container untersucht werden, der ebenfalls am Unfallort gestanden haben soll. Dieser wurde allerdings erst drei Wochen nach dem Unglück sichergestellt.

Die Süd-Müll GmbH teilte dem SWR mit, dass die Geschäftsleitung unmittelbar nachdem sie von dem Behälter erfahren habe, die zuständige Kriminalpolizei Ludwigshafen telefonisch über diesen Behälter informiert habe. Die Staatsanwaltschaft Frankenthal überprüft jetzt die Angaben des Betreibers.

Gutachten zieht sich hin

Die Proben sollen allerdings erst weitere drei Wochen später entnommen worden sein. Laut Staatsanwaltschaft hat eine Vielzahl von Gutachtern einen entsprechenden Auftrag abgelehnt. Grund dafür seien "Schwierigkeiten der Untersuchungen der Proben".

Die Überprüfung der Aufsichtsbehörde SGD Süd, die gesetzlich verpflichtet ist nach einem Störfall vor Ort zu kontrollieren, fand erst drei Monate später, also im November statt. Ein Ergebnis der Untersuchung liegt noch nicht vor.

Irgendwas ist in der eigentlichen Kontrollkette gnadenlos schiefgelaufen.

Wolfgang Tremel, Chemieprofessor Uni Mainz

Chemieprofessor Wolfgang Tremel von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz kann sich den Vorfall nicht erklären: "Man führt sehr genau Buch, das heißt, es muss eigentlich verfolgt werden können, was in den Fässern war, wo sie eingegangen sind, wo sie ausgegangen sind." Irgendwas sei in der eigentlichen Kontrollkette gnadenlos schiefgelaufen, glaubt er.

Seit Jahren gibt es in Heßheim eine Bürgerinitiative, die gegen Geruchsbelästigung von der Deponie mobil macht. Sie hatte einen ersten Infoabend nach dem tödlichen Unfall vom August organisiert. Jetzt hat die Initiative wegen Verdachts von Umweltstraftaten Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt.

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